Personalisierung – Fakten und Prognosen
Persönliche Ansprache bringt mehr Umsatz
Die wirtschaftlichen Vorteile von Personalisierung exakt zu messen, ist schwierig. Untersuchungen aus dem Online-Bereich ergaben: Je personalisierter eine Website ist, desto mehr kaufen Kunden dort ein. Laut Fletcher Research tätigen 68 % der WebKunden auf personalisierten Seiten einen Online-Kauf, während nur 28 % der Kunden auf Seiten ohne Personalisierung kaufen. Wenn sich Websites an Präferenzen und persönliche Informationen erinnern, sind viele Nutzer auch bereit, diese Angaben zur Verfügung zu stellen, um einen besseren Service zu erhalten, wie eine Umfrage des Personalization Consortiums mit Sitz in Massachusetts, USA, unter 4 500 Internet-Nutzern ergab.
Das Abspeichern persönlicher Nutzerprofile erleichtert nicht nur die Bedienung von Websites oder Geräten wie Mobiltelefonen oder PC. Auch im Auto werden zunehmend individuelle Lösungen gewünscht, die z.B. die Einstellung von Sitz, Spiegel oder Heizung und Klimaanlage einem bestimmten Fahrer zuordnen. Neue Sensoren können die Auslösung des Beifahrer-Airbags bei einem Unfall gezielter auf den Passagier abstimmen. Schlüssellose Systeme sollen zudem die Sicherheit erhöhen. So sollen Sensoren, die etwa die Fingerabdrücke der registrierten Fahrzeugbesitzer erkennen, nur diesen das Öffnen und Starten des Autos ermöglichen.
Personalisierung im Aufwind: Auf individualisierten Websites sind Testpersonen eher bereit, Informationen über sich preiszugeben
Quelle: Personalization Consortium USA, 2000
Biometrie im Kommen. Der Markt für personalisierte, biometrische Zugangskonzepte boomt; die Wachstumsraten sind hoch. Darin sind sich alle Marktforscher einig, allerdings variieren die Angaben zum Volumen. Nach einer Analyse von Frost & Sullivan aus dem Jahr 2004 wurden entgegen früheren Schätzungen 2002 und 2003 die Erwartungen nicht erfüllt. Dies lag vor allem an fehlenden Ausgaben der Regierungen. Dies änderte sich jedoch 2004, als etliche staatliche Biometrie-Projekte begannen. Der Markt für biometrische Zugangskonzepte wird nach den Untersuchungen von Frost & Sullivan weltweit von etwa 158 Mio. US-$ im Jahr 2002 auf über 3,5 Mrd. US-$ im Jahr 2009 ansteigen.
Maxine Most, Chefanalystin von Acuity aus Boulder im US-Staat Colorado, schätzt den Biometrie-Weltmarkt für 2003 auf maximal 400 Mio. US-$. Vor allem der Markt für chipbasierte Fingerabdruck-Systeme soll durch den verstärkten Einsatz in mobilen Geräten wie Handys oder Notebooks in Bewegung geraten. Wurden 2001 weltweit nur 5,1 Mio. US-$ umgesetzt, sollen es 2006 bereits mehr als 424 Mio. US-$ sein. Im Bereich der Flugsicherung – also der Zugangskontrolle für das Flughafenpersonal und der Identifizierung der Fluggäste – wird der weltweite Markt für biometrische Verfahren von 2,7 Mio. US-$ im Jahr 2002 bis 2006 auf knapp 640 Mio. US-$ steigen. 35 % davon sind den Fingerabdruck-Verfahren zuzurechnen, weitere 33 % der Gesichtserkennung (siehe auch Pictures of the Future, Frühjahr 2003, Sicherheit).
Steigende Investitionen: Ab 2004 wächst der Weltmarkt für Biometrie deutlich – vor allem wegen höherer Regierungsausgaben
Quelle: Frost & Sullivan, 2004
Potenzial für Gesundheit. Auch für eine kosteneffiziente und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung gewinnen personalisierte Konzepte an Bedeutung. In Deutschland sollen ab 2006 etwa 80 Millionen Versicherte mit einer elektronischen Gesundheitskarte ausgestattet werden, die persönliche Angaben zu eingenommenen Arzneimitteln, chronischen Leiden oder Impfungen enthalten kann (Datensicherheit). Der europäische Markt für Software-Lizenzierung sowie für Wartungsverträge von elektronischen Patientenakten verzeichnete 2003 eine Wachstumsrate von 19,2 % und erreichte ein Volumen von 207 Mio.€. "Mittlerweile hat man erkannt, dass die elektronische Patientenakte mehr ist als nur eine andere Version der Papierakte", betont Siddharth Saha, Branchenanalyst bei Frost & Sullivan. Bis 2010 prognostizieren die Marktforscher einen europäischen Markt von 688 Mio.€. Erste erfolgreiche Pilotprojekte z.B. in Deutschland bei der Behandlung von Krebspatienten in Essen oder im Elisabeth-Krankenhaus im rheinland-pfälzischen Birkenfeld werden dazu beitragen, das Vertrauen in die elektronische Patientenakte zu fördern.
Sylvia Trage