Editorial
Erfolg = Innovationskraft mal Kundenorientierung²
Thomas Ganswindt
Thomas Ganswindt ist Mitglied des Zentralvorstands der Siemens AG, wo er die Bereiche des Arbeitsgebiets Information and Communications betreut und das Business-Excellence-Programm top+ leitet. Darüber hinaus ist er Vorsitzender der Initiative D21, Deutschlands größtem Public-Private-Partnership-Programm für gemeinsame Projekte von Wirtschaft und Politik zur Informationstechnologie
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt" ist eines der bekanntesten Zitate von Albert Einstein. Wie wichtig Phantasie gepaart mit einem gutem Schuss Querdenken sein kann, bewies Einstein als junger Technischer Experte des Schweizerischen Patentamts vor genau 100 Jahren, als er in den Frühsommer-Monaten des Jahres 1905 eine Reihe von Arbeiten veröffentlichte, die unser Verständnis von Raum und Zeit, Energie und Materie revolutionierten. Doch seine Erkenntnisse sind alles andere als philosophischer Natur, sondern haben sehr viel mit dem Alltag zu tun. Je ausgeklügelter unsere Technik wird, desto mehr muss sie auf das zurückgreifen, was Einstein entdeckte: So zeigt der Artikel über Einstein in dieser Ausgabe von Pictures of the Future, dass moderne Navigationssysteme nur deshalb auf wenige Meter – und in Zukunft auf Zentimeter – genaue Resultate liefern können, weil ihre Software die Effekte der Allgemeinen und Speziellen Relativitätstheorie berücksichtigt. Auch Laser – wie die neuen blauen Laserdioden von Osram – wären ohne Einsteins Arbeiten über die Quantenphysik nicht denkbar.
Aber Einstein war keineswegs nur genialer Theoretiker. Er besaß eine ganze Reihe von Patenten, und ein Schiffskreiselkompass brachte ihm sogar einträgliche Nebeneinkünfte. Er dachte also durchaus anwendungsbezogen. Wie hätten ihm da wohl mathematische Modelle gefallen, die die Beziehungen zwischen den Genen eines Menschen simulieren und daraus auf Krankheiten schließen (Biomax)? Oder Mobilfunknetze, die sich selbst organisieren (Ad-hoc-Netze)? Oder Systeme, die in Minutenschnelle wenige Milliardstel Gramm an Pestiziden in einem Liter Wasser aufspüren können (siehe Trend-Beitrag "Elemente des Lebens")? Alles Entwicklungen aus den F&E-Labors von Siemens, wo Erkenntnisse von der vordersten Front der Forschung in Produkte mit hohem Kundennutzen umgesetzt werden.
War es bei Einstein der Erkenntnisgewinn, so ist es im Industrieunternehmen der Kunde, der am Anfang und am Ende jeder Innovation steht. Welche Entwicklungen bringen ihm Wettbewerbsvorteile, höhere Leistung oder mehr Komfort? Personalisierung ist beispielsweise einer dieser Trends, der ein Grundbedürfnis der Menschen nach Differenzierung befriedigt und zugleich Geräte und Systeme einfacher bedienbar macht – vom Handy bis zum Auto, vom Smart Home bis zur elektronischen Patientenakte. Welche technischen Lösungen wir hierfür entwickeln, aber auch wie sich die Sicherheit der Daten gewährleisten lässt, lesen Sie in den Beiträgen zur Personalisierung.
Ein weiterer Megatrend ist die zunehmende Überalterung der Gesellschaft – auch hierfür brauchen wir innovative Lösungen, im Gesundheitswesen ebenso wie bei Haushaltsgeräten (Alternde Gesellschaft). Unser breites Portfolio prädestiniert hier Siemens wie kaum ein anderes Unternehmen, übergreifende Lösungen zu entwickeln und Synergien zu nutzen – dasselbe gilt auch auf dem Feld der Dienstleistungen aus der Ferne (siehe Remote Services). Ob für Kraftwerke oder Computertomographen, Telemedizin, Autos oder Lokomotiven, Supermärkte in England oder Schaufelbagger in Kanada – überall ermöglicht die moderne Telekommunikation die Zuschaltung von Experten, die in einem weit entfernten Servicezentrum sitzen. Für all diese Anwendungen entwickeln wir bei Siemens Werkzeuge und Plattformen und neue Ideen, denn auch für ein Industrieunternehmen gilt der Spruch Einsteins: "Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen" – für uns heißt dies, stets zu hinterfragen, was wir wie noch besser machen könnten.