Elemente des Lebens – Ressourcenschonung
Medizingeräte wie neu
Siemens berücksichtigt bereits bei der Produktplanung, wie Maschinen und Anlagen für einen weiteren Lebenszyklus instandgesetzt werden können. Siemens Medical Solutions etwa verkauft medizintechnische Gebrauchtgeräte mit Qualitätssiegel.
Intelligente Wiederverwendung: Ingenieure von Siemens Medical Solutions bringen gebrauchte Computertomographen auf den neuesten Stand und vermarkten sie mit Qualitätssiegel neu
Umweltverträglichkeit wird bei uns regelrecht in die Produkte eingebaut", sagt Dr. Ferdinand Quella, Leiter des produktbezogenen Umweltschutzes bei Siemens Corporate Technology. "Hierfür sorgt eine firmeninterne Norm zur umweltverträglichen Produktgestaltung über alle Lebensphasen." Integrierte Produktpolitik, also den gesamten Produktlebenszyklus bereits bei der Planung zu berücksichtigen, betreibt Siemens seit über zehn Jahren. Ein Fokus liegt dabei auf der recyclinggerechten Gestaltung neuer Produkte. Die interne Norm fordert weniger und einfach demontierbare Bauteile sowie sortenreine leicht trennbare Materialien.
Den Umweltschutz verbessern soll auch die Europäische WEEE-Richtlinie (Waste Electrical and Electronic Equipment): Ab August 2005 müssen Hersteller elektrische und elektronische Geräte und Anlagen nach Gebrauch zurücknehmen, fachgerecht verwerten oder entsorgen. Besonders bei medizintechnischen Geräten ist das eine große Herausforderung: So bringen Kernspintomographen bis zu 10 t auf die Waage, und Röntgensysteme bestehen zu etwa 30 % aus hochwertigen Elektronikkomponenten. Bei Siemens Medical Solutions wird mittlerweile eine Recyclingquote von bis zu 95 % erreicht. Genaue Demontageanleitungen machen es leicht, kritische Stoffe zu identifizieren und auszusondern. Insgesamt sanken die Entsorgungskosten in den vergangenen Jahren um ein Fünftel. Beispiel Röntgensystem AXIOM Iconos R200: Das seit 2003 vertriebene Gerät wurde konsequent auf sparsamen Ressourceneinsatz ausgerichtet. Im Vergleich zum Vorgänger-Modell konnten die Bauteile um 70 % reduziert werden. Dazu verringerten die Siemens-Experten die Röntgenstrahlung um bis zu 93 %, was zugleich die Lebensdauer der Röntgenröhre verlängerte. Auch der Stromverbrauch ist sehr gering – mit 28 kWh pro Tag entspricht er etwa dem von zwei OP-Leuchten.
Bereits seit einigen Jahren bietet Siemens auch die Rücknahme von Altgeräten an: So nimmt das Geschäftsgebiet Refurbished Systems (RS) gebrauchte Medizinsysteme aus aller Welt zurück und vermarktet sie nach einer Generalüberholung mit Qualitätssiegel wieder. Im August 2004 wurde dazu in Forchheim ein neues Werk in Betrieb genommen. In Chicago setzt RS zudem Computertomographen und Gammakameras für die Nuklearmedizin instand.
Damit alle Diagnosesysteme wieder in Top-Zustand verkauft werden können, schuf Siemens eine lückenlose Prozesskette: Die Geräte werden noch beim Kunden nach Kriterien wie Alter, Zustand, Leistung und Funktionsfähigkeit geprüft, danach bauen sie Spezialisten ab. In Forchheim werden sie in ihre Bestandteile zerlegt. Bei einem Röntgendiagnosesystem etwa zeigen die einzelnen Module teils sehr unterschiedliche Verschleißerscheinungen und Erneuerungspotenziale. Sie werden gründlich gereinigt, desinfiziert und dann lackiert. Die Siemens-Experten ersetzen Verschleißteile durch Originalersatzteile und bringen Soft- und Hardware auf den neuesten Stand. Danach testen sie das gesamte System auf Herz und Nieren. Sind alle Qualitäts-Checks bestanden, erhält die überholte Anlage das Qualitätssiegel "Proven Excellence" inklusive einer zwölfmonatigen Sachmängelhaftung. Das "neue alte Gerät" wird zum Kunden transportiert, installiert und in Betrieb genommen.
Derartige Geräte sind erheblich günstiger als Neuprodukte. Der Kunde spart etwa 30 %, mitunter sogar mehr. Die überholten Systeme werden etwa zu gleichen Teilen an Kliniken und Arztpraxen in Industrie- wie auch in Schwellenländern verkauft. Rund die Hälfte des Umsatzes erzielt Siemens dabei in Europa und im Nahen Osten, ungefähr ein Drittel in den USA. "Unser Wachstum ist zweistellig", sagt RS-Leiter Hans-Peter Seubert. Das Gesamtvolumen des Marktes schätzt er weltweit auf mindestens 1,3 Mrd. € pro Jahr. "Vor allem Osteuropa und Asien bieten ein enormes Wachstumspotenzial".
Sylvia Trage