Elemente des Lebens – Fakten und Prognosen
Lebenselixier Wasser
Die Menschheit ist durstig: Mehr als vier Billiarden Liter Wasser – eine Zahl mit 15 Nullen (oder 4 000 km³) – werden Flüssen, Seen und unterirdischen Grundwasserspeichern jedes Jahr entnommen. 70 % davon schluckt die Landwirtschaft, 20 % die Industrie, den Rest verbrauchen die Haushalte. Vor allem weil sich der (wenig Ressourcen schonende) westliche Lebensstil immer weiter ausbreitet, steigt nach Angaben der Schweizer Vermögensverwaltung Sustainable Asset Management (SAM) die benötigte Wassermenge jedes Jahr um 2,5 % – stärker als das weltweite Bevölkerungswachstum. Kein Wunder, dass der Wassermarkt boomt: Die Tübinger Unternehmensberatung Helmut Kaiser Consultancy schätzt, dass die Größe des Wasser- und Abwassermarkts von 287 Mrd. US-$ im Jahr 2004 auf 412 Mrd. US-$ in 2010 steigen wird.
Bei den Technologien zur Trinkwasserversorgung wird SAM zufolge die Meerwasserentsalzung bedeutender – bis zum Jahr 2020 soll das Marktvolumen von heute etwa drei auf dann 70 Mrd. US-$ ansteigen. Derzeit gibt es weltweit 13 000 Entsalzungsanlagen, die täglich 30 Mio. m³ Salzwasser in Süßwasser verwandeln. Selbst in einigen Industrieländern – etwa den Mittelmeeranrainerstaaten – herrscht zeitweise Wassermangel. Vor allem rund um die großen Städte sinkt der Grundwasserspiegel ab, da mehr Wasser entnommen wird, als sich neu bildet. Vielerorts sind die Kanalsysteme marode, und nicht alle Kläranlagen erfüllen die gesetzlichen Vorschriften, die in der EU und in den USA immer strenger werden.
Der Markt für Membranbioreaktoren in den USA und Kanada wächst jährlich um 15 bis 17 %
Quelle: Frost & Sullivan, 2004
Nach jahrzehntelanger Stagnation setzen sich allmählich neue Technologien durch. So wurden bisher Membranverfahren für zu teuer oder zu energieintensiv angesehen, doch dank technischer Verbesserungen sind sie nun deutlich günstiger geworden und werden sowohl zur Abwasserreinigungals auch zur Wasseraufbereitungverstärkt eingesetzt. Für die USA prognostizieren Analysten von Frost & Sullivan für Membran-Bioreaktoren bis 2010 ein jährliches Marktwachstum von 15,6 %. Auch als Filter für komplexe Schadstoffe sind ultrafeine Membranen auf dem Vormarsch und verdrängen herkömmliche Kohlefilter. UV- und Ozonverfahren werden Schätzungen zufolge den Marktanteil der traditionellen Wasserdesinfektion mit Chlor innerhalb von zehn Jahren von 85 auf 50 % senken. Zudem prophezeit SAM, dass Wasser-Monitoring zur Qualitätskontrolle wichtiger wird, dass beim Wasser-Management mehr Geoinformations- und Satellitensysteme zum Einsatz kommen, und dass Industriebetriebe ihr Abwasser angesichts steigender Preise häufiger selbst reinigen werden.
Doch in vielen Entwicklungsländern fehlt es am Nötigsten: Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser, ein Drittel der Weltbevölkerung muss nach UN-Angaben ohne sanitäre Versorgung auskommen. In Entwicklungsländern werden 90 % der kommunalen und 70 % der Industrie-Abwässer gar nicht behandelt, mit verheerenden Folgen: Jedes Jahr sterben 2,2 Millionen Menschen an Krankheiten wie Cholera und Ruhr, die sich durch bessere sanitäre Verhältnisse verhindern ließen.
Ein großes Problem – vor allem in Asien – sind die Megacities, in denen Haushalts- und Industrieabwässer, Chemikalien und Müll noch oft ohne Behandlung in den Flüssen landen und das Wasser stromabwärts vergiften. Vor allem in China werden daher große Investitionen in die notwendige Infrastruktur, also Kläranlagen, Wasseraufbereitungsanlagen und Leitungen erwartet. Helmut Kaiser Consultancy zufolge wird der Umweltmarkt in China in den nächsten zehn Jahren um bis zu 17 % pro Jahr wachsen. "Wasserknappheit, Verschwendung und Verschmutzung sind die Schlüsselprobleme der Region", heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung.
Peking, mit knapp elf Millionen Einwohnern Nummer 14 der größten Städte der Welt, will als Gastgeber der Olympischen Spiele 2008 modernes Wassermanagement demonstrieren. Auf dem Olympia-Gelände sollen naturnahe Aufbereitungsverfahren, membranbasierte Systeme und Adsorptionsverfahren zum Einsatz kommen. Insgesamt soll immerhin die Hälfte des Abwassers der Riesenstadt im Jahr 2008 gereinigt werden.
Ute Kehse
97,4 % des Wassers auf der Erde sind ungenießbares Meerwasser. Der Rest ist meist im Eis von Gletschern und an Polen gebunden. Nur 0,03 % des Süßwassers sind pro Jahr frei nutzbar – und auch diese Vorräte sind ungleich verteilt: 60 % der Trinkwasserreserven befinden sich in nur zehn Staaten. Pro Einwohner hat etwa Ägypten nur 26 m³ pro Jahr verfügbar, während es in Island über 600 000 m³ sind (linke Grafik). Global gesehen gibt es spätestens dann einen Engpass, wenn die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf zehn Milliarden Menschen angestiegen sein wird (rechte Grafik)