Obwohl der Anteil des Faktors Wissen an der Wertschöpfung nach Aussagen des deutschen Wirtschaftsministeriums im Durchschnitt bereits mehr als 50 % beträgt, liegt das intellektuelle Kapital oft brach. Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG glauben 78 % der befragten Firmen, dass ihnen Geschäfte entgehen, weil sie das firmeneigene Wissen nicht ausreichend verwerten. Das ist wenig überraschend, da Unternehmen im Schnitt weniger als 2 % ihrer Einkünfte für Wissensmanagement (KM) investieren. Einer der Gründe: Der Return on Investment ist schwer zu quantifizieren. Denn zuerst wird das Wissen verbessert, und daraus folgen die Geschäftsvorteile: bessere Produkte, mehr Kundennähe, höhere Innovationsfähigkeit.
Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung in Karlsruhe ist für die 500 befragten Unternehmen in Deutschland die interne Weitergabe und Integration von Wissen das wichtigste Motiv für KM. Danach folgt der Brain Drain; die Firmen befürchten Wissensverlust durch Weggang von Mitarbeitern. Das Internet wird als Informationsquelle von mehr als 95 % genutzt allerdings sind Strategien für das Management externen Wissens die Ausnahme. Quer durch die Branchen zeigt die Studie eine klare Korrelation zwischen KM-Aktivitäten und Innovationsfähigkeit. Die Entwicklung von Intranets schätzen die Firmen einhellig positiv ein, bei der Einführung geht aber nur jede dritte Firma planmäßig vor, wie eine Online-Befragung des Instituts für e-Management (IfeM) ergab. Der Einsatz von Wissensmanagement hat sich laut KPMG deutlich gewandelt:
Wissensmanagement ist nun auch ein Thema für kleine und mittlere Unternehmen, wie eine andere Studie der KPMG zeigt. Knapp ein Drittel der Befragten hat KM bereits eingeführt. "Kleinere Unternehmen mit ihren kurzen Kommunikationswegen können schon mit geringen Investitionen viel erreichen", betont Peter Heisig, Leiter des Competence Center Wissensmanagement am Fraunhofer-Institut IPK in Berlin. Heisig, der im Europäischen Komitee zur Normung an einem "Good Practice Leitfaden für Knowledge Management" mitarbeitet, prognostiziert, dass "Wissensmanagement ähnlich dem Qualitätsmanagement künftig einen Baukasten mit verschiedenen Methoden und Werkzeugen zur Verfügung stellen wird".
Dörte Otten
Vor allem Synergieeffekte und eine höhere Wertschöpfung erwarten Firmen vom Wissensmanagement, doch fehlende Strategien und Ressourcen machen die Einführung schwierig
Die deutsche Gesellschaft für Personalführung zählt über 90 KM-Werkzeuge, darunter: