Automatisierte Transportnetze sind nur der Anfang. In zwanzig Jahren könnten alle öffentlichen Netze einer Stadt – ob Verkehr, Sicherheit, Gesundheit, Telekommunikation oder Energieversorgung – miteinander verbunden sein. Hier ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 2025.
Die Stadt der Zukunft reagiert automatisch auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner. MetroCon, ein fiktives Kontrollzentrum, verbindet Automatisierungssysteme, etwa die Ampeln der Straßen, die U-Bahn, die Feuerwehr und Sicherheitsdienste, koordiniert sie mit Hilfe der Daten aus Millionen winziger Sensoren, optimiert die Prozesse und reagiert auf unvorhergesehene Ereignisse. Bei einer Pressekonferenz wird MetroCon Journalisten vorgestellt ...
Juni 2025: Die heutige Eröffnung des Metro Area Consolidated Control Center (MetroCon) markiert einen Meilenstein in der Entwicklung der städtischen Infrastruktur. Mit einer Sondergenehmigung besichtigte eine Gruppe von Journalisten das MetroCon, in dem zum ersten Mal viele automatisierte Dienstleistungen, Sensorsysteme und bisher getrennte Netze miteinander verbunden sind – vom Verkehrs- und Telekommunikationsnetz über die Sicherheitsdienste bis zu den Gesundheits-Services. Offiziellen Angaben zufolge dient diese Vernetzung dazu, Kosten zu sparen sowie Effizienz und Sicherheit zu erhöhen.
Bürgermeisterin Tanya Trin und der Geschäftsführer von MetroCon, Dr. Park Ho, führten die Journalisten ein: "Wir treten mit MetroCon in ein neues Zeitalter unbegrenzter Flexibilität ein", begann Trin etwas theatralisch. "Damit passen wir städtische Dienstleistungen aller Art nun sehr schnell an die sich ändernden Bedürfnisse der Bürger an." Trin betonte, dass die automatisch fahrende U-Bahn schon Jahre zuvor ein hohes Maß an Flexibilität erreicht hatte: Bereits seit Jahren passen sich die Abstände zwischen den Zügen automatisch ans Fahrgastaufkommen an – dank der Funkerfassung der elektronischen Tickets und der auf den Bahnhöfen installierten intelligenten Kameras.
"Diese Flexibilität haben wir jetzt noch weiter erhöht, wie Sie in der Video-Demonstration auf Ihren Handhelds sehen", erklärte Ho den Journalisten. "Ereignet sich etwa ein schwerer Unfall oder ein Brand neben einer U-Bahn-Haltestelle, benachrichtigen die dortigen Kameras und andere vernetzte intelligente Sensoren umgehend die Bahnbehörde. Je nach Flammenanalyse – nach Temperatur, Schadstoffgehalt und Geschwindigkeit der Ausbreitung – leiten dann Bahncomputer und das MetroCon-Personal die Züge um." Simulationen zeigen, dass so die Zahl der Verletzten erheblich reduziert werden kann.
"Und das ist erst der Anfang", sagt Ho. "Je nach Situation können automatisch zusätzliche Aktionen ausgelöst werden.” So steht die neue ATD-Software (Automatic Traffic Dialog) mit den Navigationssystemen der Autofahrer in Kontakt, die diesen Service abonniert haben. Bei einem Notfall können die Fahrzeugcomputer daher erkennen, ob sie sich in einer Sicherheitszone befinden, und den Fahrer so umleiten, dass er weder Einsatzfahrzeuge behindert noch selbst in einen Stau gerät.
Unsere Simulationen haben gezeigt, dass auf diese Weise trotz des enormen Rechenaufwands ein Unfallort samt Zufahrtswegen innerhalb weniger Minuten geräumt werden kann, ohne überhaupt Polizeikräfte in Anspruch nehmen zu müssen”, erklärte Ho. Eine automatische Änderung der Ampelschaltung würde dieses Umleiten der Fahrzeuge weiter vereinfachen und beschleunigen. Autos im Umkreis des Vorfalls hätten somit freie Fahrt. "Dadurch werden nicht nur Staus vermieden, sondern auch die Einsatzkräfte können den Ort des Unfalls innerhalb kürzester Zeit erreichen. Falls es sich um ein Verbrechen handelt, können zudem Fluchtwege erfolgreich abgeriegelt werden."
Drahtlose Miniaturkameras, die zu Millionen in der Stadt aufgestellt sind, bilden außerdem automatisch ein Netz um jedes auffällige Ereignis. Die Straßenbeleuchtung vor Ort wird aktiviert, um den Kameras und Einsatzkräften ideale Beleuchtungsverhältnisse zu garantieren. Dank den Mobilgeräten, die die Polizisten, Sanitäter und technischen Hilfskräfte am Handgelenk tragen, stehen den Einsatzkräften auch unterwegs ständig Bilder zur Verfügung, die die Miniaturkameras vor Ort gerade aufnehmen.
Bürgermeisterin Trin hob hervor, dass auch die Krankenhäuser mit ihrem EarlyAlert Network sowie die Kraftwerke, die Wasserversorgung und andere Einrichtungen Teil des MetroCon-Netzes sind. So können sich etwa die Krankenhäuser aufgrund der Daten, die die Sanitätsdienste mit Hilfe ihrer Messgeräte vor Ort erfassen, auf die in Kürze eintreffenden Patienten vorbereiten. "Mit MetroCon können wir die Position jedes Kranken- wagens und jedes Polizeifahrzeugs, aber auch die der automatisch fahrenden Müllwagen oder Recyclingfahrzeuge in Echtzeit verfolgen", sagt Trin. "Im Extremfall kann das System sogar Fenster und Türen schließen und die Zündung von Fahrzeugen abschalten."
Dr. Ho rechnet mit "beträchtlichen Kosteneinsparungen", sobald MetroCon-Computer den Status von Fahrzeugen und Netzwerken überwachen. "Unsere Systeme werden automatisch Protokolle über den Ort, die Zeit und die Umstände eines Einsatzes erstellen und archivieren. Dabei werden sowohl Fahrzeuge und Systeme als auch die Einsatzkräfte berücksichtigt. MetroCon kontrolliert die Verfügbarkeit, erstellt Reparaturprotokolle und ordert automatisch Ersatzteile oder Fernwartungen. Dies unterstützt sowohl die Stadt wie Privatunternehmen bei ihrer Logistik – und in einem weiteren Schritt wird MetroCon in den nächsten Jahren selbstständig Trends identifizieren, aus Ereignissen lernen und damit Entscheidungsprozesse für den öffentlichen und privaten Sektor in der gesamten Stadt beschleunigen."
Arthur F. Pease
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