Schon vor 50 Jahren hatte New York mehr als zwölf Millionen Einwohner und war "die Stadt, die niemals schläft". Diese Bezeichnung gilt heute noch – eine Auszeit gehört in New York nicht zum Programm. Siemens sorgt dafür, dass es so bleibt.
Siemens-Technologie ist in New York überall präsent – am Flughafen, in der U-Bahn, in Hotels, Krankenhäusern, Regierungsgebäuden und an Hunderten anderer Orte
Das Kontrollzentrum der New Yorker U-Bahn im Bau (links) und als Simulation (rechts)
Einige Städte, vor allem in Europa, wachsen eher gemächlich. An ihren Skylines sind die Jahrhunderte fast spurlos vorüber gegangen. Andere, wie die im Fernen Osten, schießen wie Pilze aus dem Boden. New York City liegt irgendwo dazwischen. Mit ihren fünf Stadtbezirken und 16,6 Millionen Einwohnern steht die größte Stadt der USA für ein Zehntel der gesamten US-Wirtschaft. Doch auch wenn New York den Eindruck vermittelt, als würde es aus allen Nähten platzen – die Einwohnerzahl ist seit 50 Jahren nicht gestiegen. Diesen Trend wollen Michael Bloomberg und Daniel L. Doctoroff umkehren. Der Bürgermeister und sein Stellvertreter haben sich mit der Industrie zusammengetan, um die Lebensqualität und Effizienz der Stadt zu steigern. Ihnen geht es um die Vision einer Megacity mit der Infrastruktur des 21. Jahrhunderts – eine Vision, die zum einen Teil getragen ist vom Willen, der Austragungsort für die Olympischen Spiele 2012 zu werden, und die zum anderen Teil auf klaren wirtschaftlichen Motiven basiert.
Wenige Unternehmen sind an der Verwirklichung dieser Vision so sehr beteiligt wie Siemens. Siemens betreut die zehn besten Krankenhäuser im Gebiet von New York, stellt die Infrastruktur für die Börse und die Handelskammer, liefert Schlüsseltechnologien für Medienfirmen, Einzelhandel, Baugewerbe, Versorgungsunternehmen, Banken, Versicherungen, Investment- und Telekommunikationsfirmen und arbeitet bei einer Reihe von Projekten eng mit städtischen und regionalen Behörden zusammen. Dies reicht von zukunftsweisenden Sicherheitslösungen – etwa intelligente Kameras für Brücken, Tunnels, Züge und Flughäfen – bis zu voll automatisierten Fahrgastinformationssystemen für das gesamte New Yorker U-Bahn-Netz.
Am Puls der Stadt. Besonders für den Gesundheitssektor hat Siemens viel getan. Nach Angaben von Patrick White, bei Siemens Medical Solutions zuständig für die Region des Nordostens der USA, werden 85 % der Patientenabrechnungen im Großraum New York von Siemens-Systemen verarbeitet. In den städtischen Notaufnahmen ermöglichen Datenverwaltungssysteme von Siemens regionale Frühwarnsysteme für Krankheitsepidemien und potentielle biologische Angriffe, indem sie jeden Tag die gesammelten Informationen prüfen und vergleichen. "Diese intelligenten Systeme werden – als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 – mit dem New York City Department of Health koordiniert", erklärt White.
Verkehrsmanagement in der Megacity. Niemand kann die Zukunft vorhersehen. Aber wenn man durch die fensterlosen Mauern des neuen Rail Control Centers (RCC) mitten in Manhattan blicken könnte, bekäme man einen Eindruck von der Welt von morgen. Im Innern eines Raumes, der groß genug ist, um zwei 180 m lange U-Bahn-Züge zu beherbergen, installieren Siemens-Ingenieure derzeit ein Zugkontroll- und Zugmanagementsystem. Es soll die 100 Jahre alte New Yorker U-Bahn an die Spitze modernster Verkehrstechnologien katapultieren. Mit dem RCC, das Anfang 2005 seine Tätigkeit aufnehmen soll, wird – zusammen mit weiteren Infrastruktur-Verbesserungen, die Siemens im Auftrag von New York City Transit (NYCT) auf vielen U-Bahn-Linien koordiniert – die Zuverlässigkeit des öffentlichen Verkehrs deutlich steigen. Zugleich werden Kosten gesenkt und die Möglichkeit menschlichen Versagens drastisch verringert. An den Arbeitstischen des RCC werden dann Mitarbeiter die Bewegungen von etwa 540 Zügen überwachen, die auf den über 1 100 Schienenkilometern der Stadt fahren.
An den Wänden werden riesige Monitore mit 2,40 m Höhe und über 45 m Länge den Ort und die Geschwindigkeit jedes Zuges in Echtzeit anzeigen. "Wenn das RCC fertig ist, wird es das fortschrittlichste System seiner Art in den USA sein", sagt Richard Class, Direktor für Marketing und Business Development bei Siemens Transportation Systems (TS). Der Plan sieht vor, dass bis Frühjahr 2005 alle zehn nummerierten New Yorker U-Bahn-Linien online sein sollen. Die übrigen 16 "Buchstaben"-Linien sollen bis 2008 hinzukommen.
Das RCC wird im Vergleich zum heutigen NYCT-Kontrollzentrum einen Riesenschritt nach vorn machen. "Den Zugdisponenten werden ähnliche Anzeigen wie Fluglotsen zur Verfügung stehen. Jeder Zug wird auf dem Bildschirm kontinuierlich seine Position angeben und anzeigen, wo er sich im Vergleich zum Fahrplan befindet", erklärt Joseph Wukovits, Leiter des Control Centers. Das Ergebnis wird eine bislang nicht gekannte Übersichtlichkeit und operative Kontrolle sein, was zu mehr Sicherheit und Effizienz führt: "Wir können planmäßig mehr Züge fahren lassen und dadurch den Service für unsere täglich 5,7 Millionen Fahrgäste verbessern", sagt Wokovits.
Drei Technologien liefern die Grundlage: Das Zugüberwachungssystem ATS ermöglicht es dank Sensoren und einer speziellen Software, den Ort und die Geschwindigkeit der Züge in Echtzeit festzustellen und die Daten permanent mit dem Zugfahrplan zu vergleichen; das funkgesteuerte Zugbeeinflussungssystem CBTC baut auf diesen Echtzeit-Informationen auf; und ein Kommunikationsnetz über Glasfaserkabel dient der Interaktion zwischen CBTC und ATS und stellt zudem ein Fahrgastinformationssystem zur Verfügung, das für jede U-Bahn-Station automatisch die richtigen Ansagen und Anzeigen erzeugt.
Die Dienste werden auf zwei identischen Computersystemen laufen, die derzeit von Siemens installiert werden. Eines von ihnen wird durchgängig auf "hot standby" sein, um einzuspringen, wenn das andere ausfällt. Hierzu Jörg Nuttelmann, ATS-Projektmanager bei Siemens TS: "Die Computer werden das Signalsystem, den Fahrplan, die Berichte und die Archivierungsfunktionen kontrollieren, die alle in Echtzeit ablaufen. Zur Software-Plattform gehört sogar ein automatischer Dienst, der Züge bei Problemen direkt umleiten kann." Richard Class fügt hinzu: "Das RCC wird bezüglich seiner Systemgröße, Funktionalität, und Integration weltweit zu den zwei oder drei besten Anlagen seiner Art gehören."
Die Lösungen, die Siemens für U-Bahn, Krankenhäuser und andere Einrichtungen New Yorks installiert, ermöglichen nicht nur bessere und effizientere Dienstleistungen. Sie schaffen letztlich die Voraussetzungen für eine andere Art von Stadt, die den Bedürfnissen der Menschen noch besser entgegenkommt – flexibel, transparent, sicher, kostengünstig, zuverlässig, intelligent – also ideal für eine Stadt, die niemals schläft.
Arthur F. Pease