Eines der weit reichendsten europäischen Stadtbau-Projekte wird derzeit in München umgesetzt: Bis zum Jahr 2016 soll der weltweit größte Standort der Siemens AG radikal umgestaltet werden. Das Gelände in München-Obersendling dehnt sich auf einer Fläche so groß wie einhundert Fußballfelder aus. Bislang war der historische Standort, an dem Siemens bereits seit 1927 präsent ist, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das soll sich ändern: Unter dem Motto "Kompakt, Urban, Grün" wird das Gelände geöffnet und besser ins städtische Umfeld integriert. Ziel ist es, einen neuen Stadtteil namens "Isar Süd" zu schaffen, der Raum nicht nur zum Arbeiten, sondern auch zum Wohnen und zur Erholung bietet. So entstehen in den nächsten Jahren auf dem Siemens-Gelände nicht nur Büroneubauten mit einer Nutzfläche von 440 000 m², sondern auch rund 1 500 Wohnungen sowie Kindergärten, Spielplätze, Restaurants und Hotels. Neben etlichen kleineren Grünflächen lädt ein fünf Hektar großer Park zum Picknick oder zu sportlichen Aktivitäten ein. Da sich auch kleinere Hightech-Unternehmen und Start-ups ansiedeln wollen, wird sich die Zahl der Beschäftigten auf rund 25 000 mehr als verdoppeln. Auch die Stadt unterstützt das Projekt, denn der Münchner Süden erfährt durch die Öffnung des Geländes, die neuen Arbeitsplätze und dringend benötigten Wohnraum eine erhebliche Aufwertung.
Die städtebauliche Neugestaltung ist jedoch nur ein Schritt auf dem Weg zu einem ehrgeizigen Ziel. Die verantwortlichen Planer von "Isar Süd", einer 100-prozentigen Tochter der Siemens Real Estate GmbH, wollen eine neue Arbeitsumgebung schaffen. Schon heute geht der Trend dahin, dass sich Mitarbeiter für zeitlich begrenzte Projekte zu immer neuen Teams zusammenschließen. Flexibilität und Mobilität sind dafür die Grundvoraussetzung. Die traditionelle Bürogestaltung mit Einzel- oder Doppelzimmern ist für diese Arbeitsweise jedoch wenig geeignet. Anders im "Future Office": Hier stehen allen Mitarbeitern unterschiedlichste Zonen zur Verfügung: Räume für Besprechungen oder Treffen mit Gästen, Einzelbüros für konzentriertes Arbeiten oder Freizeitzonen zum Entspannen und Plaudern. Die drahtlose Netzwerktechnik "Wireless LAN" und besonders ergonomisch geformte Büromöbel aus umweltfreundlichen Materialien sollen den Komfort verbessern. "In unsere Strategie musste einfließen, wie wir in 25 Jahren arbeiten werden. Wollen wir im Hinblick auf unsere Arbeitsprozesse konkurrenzfähig bleiben, müssen solche modernen Bürostrukturen in jede Neuplanung integriert werden", sagt Uwe Nienstedt, Leiter des Projekts Isar Süd. Zum einen gebe es einen Paradigmenwechsel hin zum orts- und zeitunabhängigen Arbeiten. Zum anderen erhöhten Desk-Sharing-Modelle die Flächeneffizienz und senkten die Betriebskosten. Und schließlich verbessere eine bedarfsgerechte Raumaufteilung nachweislich die Kommunikation und fördere flexiblere Arbeitszeiten und -strukturen. "Nicht zuletzt bringt dies ein großes Plus an Freiheit und Vielfalt am Arbeitsplatz."
Tobias Hahn