Interview mit Dora Bakoyanni
Athens Bürgermeisterin Dora Bakoyanni (49) erklärt, dass die Hauptstadt Griechenlands die Olympischen Spiele nutzen wird, um sich als eine der attraktivsten und fortschrittlichsten Metropolen Europas neu zu definieren
Mit der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2004 scheint sich Athen in eine der weltweit größten Baustellen verwandelt zu haben. Warum dieser Aufwand?
Bakoyanni: Athen hatte nicht die richtige Infrastruktur für die Olympischen Spiele. Meist reichte es nicht, bestehende Einrichtungen zu modernisieren oder zu erweitern, sondern wir mussten neue bauen, etwa einen neuen Flughafen und ein neues U-Bahn-Netz, dazu Umgehungs- und Schnellstraßen. Dies alles in einer Stadt zu tun, die dicht besiedelt ist, führt natürlich zu vielen Störungen. Doch mehr als 90 % der Sportanlagen und der Infrastrukturprojekte liegen genau im Zeitplan oder werden sogar vorzeitig fertig. Etwa 5 % bereiten uns allerdings einiges Kopfzerbrechen. Dazu gehören Teile unserer elektrischen Straßenbahn und des Busnetzes, die Bahnverbindungen zu den Vororten und zum Flughafen, das Stadion für die Fußball-Endspiele, einige Sportanlagen und die Stahl-und-Glas-Kuppel über dem Hauptstadion.
Was würden Sie als Ihre bemerkenswertesten Erfolge während des ersten Jahres Ihrer Amtszeit bezeichnen?
Bakoyanni: Wir haben die Straßen im Zentrum von Athen verbessert, Parks erweitert, ein Programm zur Finanzierung der Restaurierung architektonisch wichtiger Bauwerke eingerichtet, für die bedeutendsten Monumente eine bessere Beleuchtung installiert, eine Aktion zur Reinhaltung Athens und zur Abfallsammlung ins Leben gerufen, die kommunale Polizeitruppe verstärkt, Schulen gebaut, Sporteinrichtungen verbessert, ein telefonisches Hilfsprogramm namens "Help at Home" für ältere Mitbürger eingeführt und vieles mehr.
Weltweit ist ein Trend zur "digitalen Stadt" zu beobachten – auch in Athen?
Bakoyanni: Was die Digitalisierung der Verwaltung betrifft, so liegen wir hinter vielen europäischen Großstädten zurück. Einige unserer Regierungsstellen sind noch nicht einmal mit Computern ausgestattet. Doch während der vergangenen zwei Jahre hat mit der Einrichtung der so genannten Citizens Services Centres eine Revolution stattgefunden. Die Zahl dieser Bürgerbüros steigt schnell an, und schon bald wird es sie in jedem Viertel geben. Die dort angestellten Beamten sind gut ausgestattet, komplett mit Internetanschluss und Verbindungen zu allen wichtigen öffentlichen Dienstleistungen. Dank dieser Büros können mehr als die Hälfte der Behördengänge vor Ort abgewickelt werden, in Laufweite vom Wohnort der jeweiligen Bürger.
Wie können Firmen wie Siemens helfen?
Bakoyanni: Siemens hat bereits viel für die Stadtentwicklung getan. Das Unternehmen ist zwar kein direkter Sponsor der Olympischen Spiele oder der Stadt Athen, aber es ist unter den ausländischen Anbietern für uns in Griechenland die Nummer Eins, wenn es um elektronische Ausrüstung, Technologie und Know-how geht. So hat Athen in den vergangenen 10 bis 15 Jahren bei der Telekommunikation enorme Fortschritte gemacht, was zu einem großen Teil Siemens zu verdanken ist. Unsere Netze können sich nun mit denen anderer europäischer Hauptstädte messen. Das ist für den Tourismussektor wichtig, aber auch für Firmen und für die Allgemeinheit. Ich glaube nicht, dass die Olympischen Spiele ohne eine exzellente Telekommunikation so gut hätten organisiert werden können.
Wie wird sich Athen weiter entwickeln?
Bakoyanni: Wir haben zwei Hauptziele. Zum einen wollen wir, dass Athen ein ganzjährig besuchtes Reiseziel wird, wie etwa London, Paris oder Rom. Zum anderen möchten wir die Stadt auch für Geschäftsleute attraktiv machen und ihnen alle Annehmlichkeiten und alle technische Unterstützung bieten, die sie brauchen. Die jetzige schnelle Entwicklung Athens trifft zusammen mit der Osterweiterung der EU von 15 auf 25 Mitgliedsstaaten. Unsere Stadt befindet sich an einer der weltweit wichtigsten Nahtstellen, und diese Lage gewinnt wegen der Osterweiterung zunehmend an Bedeutung. Zudem haben wir hervorragendes Wetter, eine herrliche Natur mit langen Küstenlinien, Inseln, Bergen und archäologischen Fundstätten. Welche europäische Stadt kann uns hier das Wasser reichen?
Das Interview führte Evdoxia Tsakiridou