Interview mit Daniel L. Doctoroff
Daniel L. Doctoroff (45) ist als stellvertretender Bürgermeister von New York zuständig für die wirtschaftliche Entwicklung. Er verantwortet die Umsetzung aller entsprechenden Maßnahmen. Zu seinen Aufgaben gehören zudem der Wiederaufbau Lower Manhattans und die Bewerbung New Yorks für die Olympischen Spiele 2012
Was sind die größten Herausforderungen, denen sich New York City in den vergangenen Jahren stellen musste?
Doctoroff: Die größte Herausforderung war die Entwicklung eines Plans für den Wiederaufbau am Ground Zero. Außerdem mussten wir massive Haushaltsdefizite überwinden, und das, ohne dass unsere Investitionen in die Zukunft und die Lebensqualität der Menschen darunter litten. Das ist uns gelungen, weil unsere Verwaltung unter Michael Bloomberg effizient und intelligent gearbeitet hat.
Können Sie dafür ein Beispiel geben?
Doctoroff: Im Frühjahr 2003 haben wir eine neue Call-Center-Technologie für alle Stadtbehörden in New York City implementiert. Heute müssen sich die New Yorker nur noch eine Telefonnummer merken, die 311. Wir haben alle unsere Help Desks und Servicenummern zusammengelegt, so dass Anrufe meist sofort an die Zuständigen weitergeleitet werden können. Und unser Internetauftritt ist preisgekrönt. Die Bürger können dort Anträge für eine Geburtsurkunde ebenso stellen wie an einem Gesundheitsprogramm teilnehmen und Vieles mehr. Es gibt tausende Beispiele, wie solche Technologien den Service verbessern und Zeit und Geld sparen.
Wie verbessert die Stadt den öffentlichen Personennahverkehr?
Doctoroff: Unsere U-Bahnen und Busse befördern werktags mehr als sieben Millionen Menschen, darunter drei Millionen Pendler von und nach Manhattan. Dies schnell und effizient zu tun ist eine Grundvoraussetzung für unseren wirtschaftlichen Wohlstand. Die Zahl der Menschen, die in New York arbeiten, ist jedoch seit fünfzig Jahren konstant. Das liegt meiner Meinung nach unter anderem daran, dass in dieser Zeit sogar Schienenmeilen abgebaut wurden. Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, brauchen wir die Modernisierung unserer U-Bahn. Mit Verbesserungen bei Signalgebung, Kommunikations- und Sicherheitseinrichtungen wollen wir die Kapazität der U-Bahn um 15 % steigern.
Was bringt New York die Zusammenarbeit mit global tätigen Firmen wie Siemens?
Doctoroff: Unternehmen wie Siemens helfen uns zu verstehen, wie wir Dinge rationeller bewerkstelligen können. Wir haben mit Siemens einen ständigen Dialog über Best-Practice-Beispiele. Dank seiner einzigartig breiten und weltweiten Aufstellung weiß Siemens sehr genau, was die Lösungen sind. Das ist für uns von großem Wert.
Einer der Gründe, warum Bürgermeister Bloomberg Sie in sein Team geholt hat, war, dass Sie sich als Erster für die Be-werbung New Yorks um die Olympischen Spiele 2012 stark gemacht haben. Warum braucht die Stadt die Olympiade?
Doctoroff: Die Olympischen Spiele stehen für Ideale, die auch Motor dieser Stadt sind – im Team oder alleine im Wettbewerb bestehen. Olympia schenkt uns eine Zukunftsvision, aber eine mit festem Endtermin. Die Spiele würden den Wandel, der eingesetzt hat, beschleunigen: Projekte wie der Ausbau der U-Bahn-Linien, die Modernisierung der West Side zwischen der 28. und 43. Straße oder die Erschließung von Flächen am Flussufer.
Was für eine Stadt wird New York in 20 Jahren sein?
Doctoroff: Ich hoffe, dass sie für die gleichen Ideale stehen wird wie heute und vor fast 400 Jahren. New York verkörpert ein einfaches Versprechen: Egal, wer Du bist und woher Du kommst – wenn Du bereit bist hart zu arbeiten, kannst Du es bis ganz nach oben bringen. Unsere Aufgabe ist es, das Umfeld zu schaffen, damit sich dieses Versprechen erfüllen kann.
Das Interview führte Arthur F. Pease