Im Sommer 2004 kehren die Olympischen Spiele an ihren Geburtsort Athen zurück – ein guter Grund, die Infrastruktur der griechischen Metropole von Grund auf zu modernisieren.
Alte Monumente in neuem Glanz: Bis zur Olympiade soll ein Teil der umfangreichen Restaurierungen der Akropolis in Athen – hier am Parthenon-Tempel – abgeschlossen sein
Athen verändert sich rasant", berichtet Dr. Michael Christoforakos, Leiter der Landesgesellschaft von Siemens in Griechenland. "Das liegt zum einen am schnellen Wachstum der Stadt und zum anderen an der Globalisierung und der zunehmenden weltweiten Vernetzung." In der Tat hat Athen ein dramatisches Bevölkerungswachstum erlebt. Im 19. Jahrhundert kaum größer als ein Dorf, verwandelte sich die Stadt im 20. Jahrhundert in eine Großstadt mit mehr als fünf Millionen Einwohnern, und jetzt muss sie eine Metropole des 21. Jahrhunderts werden, also vor allem eine bessere Infrastruktur und eine höhere Lebensqualität für die Bürger und zugleich ein freundlicheres Klima für Unternehmen schaffen.
Wie die meisten Großstädte hat auch Athen mit etlichen Problemen zu kämpfen, viele von ihnen verkehrsbedingt. Die Straßen müssen verbessert werden, und der Umweltschutz muss einen höheren Stellenwert bekommen. Vor allem braucht die Stadt eine leistungsfähige Infrastruktur mit einem intelligenten Verkehrsleitsystem, modernen Mobilfunknetzen und Bahnsystemen und eine umweltfreundliche Energieversorgung. In einigen dieser Bereiche können die Olympischen Spiele für einen Schub sorgen.
Insgesamt sollen mehr als 50 000 Sicherheitsleute für die persönliche und öffentliche Sicherheit eingesetzt werden: für die Gebäudesicherung und die Notfalldienste, den Schutz der Athleten und der Besucher, das Verkehrsmanagement und die Flugsicherheit. Das ist eine Herkulesaufgabe: Die Sicherheitsmaßnahmen müssen für mehr als 100 olympische Veranstaltungsorte koordiniert werden, und die Verantwortlichen müssen neben ihren Routineaufgaben auch eventuelle Krisensituationen managen können.
Olympische Spiele als Katalysator. Christoforakos betont, dass die Olympischen Spiele "die Infrastruktur der Stadt vor enorme Herausforderungen stellen. Die eingesetzten Lösungen müssen zugleich innovativ und zuverlässig sein. Siemens ist an vielen Projekten mit modernster Technik beteiligt." So ist Siemens Hauptauftragnehmer in einem Konsortium, das außerdem aus den US-Unternehmen SAIC, IBM und Motorola und griechischen Partnern besteht. Das Konsortium arbeitet mit dem Olympischen Organisationskomitee zusammen, um sicherzustellen, dass die Olympischen Spiele 2004 von einer so genannten C4I-Infrastruktur unterstützt werden. C4I steht für "Command-Control-Communication-Computers & Intelligence" – diese Systeme werden an allen Austragungsorten installiert. Siemens ist für die Lieferung und Inbetriebnahme der C4I-Teilsysteme verantwortlich, darunter fünf zentrale und 29 regionale Kommandozentralen, das Verkehrsmanagementsystem und die Videoüberwachung der Straßen und Veranstaltungsorte, das Zugangskontrollsystem, die Kommunikationsnetze, das olympische Sicherheitsbündelfunknetz mit 22 000 Teilnehmern sowie das automatische Fahrzeugortungssystem, das eine Flotte von 4 000 Fahrzeugen umfasst. Des Weiteren ist Siemens beteiligt an:
"Best Practices" aus anderen Städten. Siemens ist seit über 100 Jahren ein aktiver Partner des öffentlichen Sektors in Griechenland. Beispielsweise war das Unternehmen am Aufbau der Infrastruktur beteiligt, von der Gründung und Modernisierung der Telekommunikationsnetze bis zur Modernisierung der Eisenbahnnetze, von der Athener U-Bahn bis zu modernen Kraftwerken und den größten Krankenhäusern des Landes. Christoforakos: "Dank unserer weltweiten Aktivitäten können wir Athen nicht nur High-Tech-Lösungen anbieten, sondern auch auf Beispiele anderer Metropolen zurückgreifen, die ähnliche Herausforderungen meistern mussten." Nach Christoforakos’ Prognose werden die Athener bis 2020 Mobilgeräte nutzen, die verglichen mit heutigen das 200-fache an Datenvolumen pro Sekunde übertragen und empfangen können. Die mobilen Nutzer werden dann unbegrenzt Zugang zum Internet haben, Bankgeschäfte abwickeln, Stadtpläne und alle möglichen Formulare herunterladen oder unterwegs Videokonferenzen abhalten können. Auch werden die Mobilgeräte nach Christoforakos’ Aussage Zugang zum digitalen Rathaus eröffnen und Dienstleistungen wie die Online-Stellenvermittlung und elektronische Marktplätze anbieten.
Bau-Boom in und um Athen: Schrägseilbrücke zum Peloponnes, Stadion für Beach-Volleyball und Hauptsitz des Olympia-Organisationskomitees (von links)
Zudem wird es öffentliche Info-Kioske geben. Tele-Lernen und Tele-Medizin sowie Diskussionsforen zu regionalen Themen oder Meinungsumfragen werden erweitert und in naher Zukunft für immer mehr Nutzer zugänglich. Und schließlich werden auch Behinderte in der Lage sein, Dienstleistungen aller Art in Anspruch zu nehmen, die sie heute wegen ihrer eingeschränkten Mobilität nicht wahrnehmen können.
Drehscheibe für Südosteuropa. Griechenland und besonders Athen sind in einer einzigartigen Lage: Das Land ist langjähriges Mitglied der Europäischen Union, mit einer modernen Wirtschaft und einem modernen politischen System. Dank seiner geografische Lage am Balkan und seiner Nähe zum Mittleren Osten sowie seiner traditionellen Kontakte in diese Gebiete kann Griechenland einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung, Modernisierung und Stabilisierung der ganzen Region leisten. Christoforakos meint: "Wenn alle Infrastrukturmaßnahmen greifen, erreichen wir eine bessere Lebensqualität für die Bürger, und Athen kann seine Rolle als Drehscheibe für Südosteuropa weiter ausbauen. Siemens möchte Athen dabei helfen, eine wahrhaft moderne europäische Stadt zu werden."
Evdoxia Tsakiridou