Sicher einkaufen im Jahr 2015: Ein Mann vom Sicherheitsdienst hilft einem Opfer, die Person, die ihn bestohlen hat, zu identifizieren, indem er "intelligente" Kameras und Datenbanken anweist, nach verdächtigen Details zu suchen. Im Hintergrund nutzen Kunden biometrische Techniken: Bezahlen im Supermarkt per Handy und Fingerabdruck, Handkontur-Erkennung am Infokiosk und Iris-Scan zum Öffnen des Schließfachs
Niemals Langeweile. Das schätze ich an meinem Job. Keine Ähnlichkeit mehr mit dem Sicherheitsdienst, wie er noch vor zehn Jahren aussah. Sie wissen schon – diese lange Reihe von Monitoren und schläfrig dreinblickende Männer, die vor Tassen mit dampfendem Kaffee sitzen und Aufnahmen von Ladezonen und Hintereingängen anstarren. Heute sind wir ständig in Bewegung – den Kontakt halten wir über unsere Personal Digital Assistants. Doch unsere besten Helfer sind tausend elektronische Augen, die es überall hier in der SkyMall von Singapur gibt – dem modernsten Einkaufskomplex der Stadt. Natürlich haben andere auch Kameras. Aber die hier sind richtig clever. Sie beobachten Situationen: ein liegen gelassenes Päckchen, eine Person, die in der Tiefgarage von Auto zu Auto geht, Gesichter, Autokennzeichen – alles mögliche Auslöser für ein "Ereignis". Die meisten dieser Alarmmeldungen sind harmlos, werden aber routinemäßig an eine Sicherheitskraft in der Nähe weitergeleitet. Wie soll selbst die intelligenteste Kamera wissen, ob ein Schlag auf den Rücken eine harmlose Begrüßung oder ein Angriff ist?
Heute gibt es in unzähligen Datenbanken und auf PDA und Smartcards biometrische Templates – verschlüsselte Sprachproben, Aufnahmen des Gesichts und Charakteristika der Fingerabdrücke. Das ist sehr bequem, denn niemand muss sich noch verrückte Passwörter merken, um sein Handy einzuschalten, im Internet zu surfen, Bankdienste zu nutzen oder tausend andere Dinge zu tun. Probleme mit dem Datenschutz gibt es auch kaum, weil die Weitergabe der Templates streng geregelt ist und sie meist auch nur in den Geräten und nicht zentral gespeichert sind.
Dort die Dame am Infokiosk zum Beispiel, die ruft wohl gerade die Seite mit den auf sie abgestimmten Sonderangeboten auf: Der Kiosk erkennt ihre Handkontur. Oder der Herr da hinten: Der bezahlt im Supermarkt per Handy. Die Kasse erfasst berührungslos alle Waren in seinem Einkaufswagen, schickt die Rechnung ans Handy, er bestätigt per Fingerabdruck – das war's. Alles ganz easy.
Geklaut wird natürlich nach wie vor. Da verschwand doch zum Beispiel aus der SkyBar die Einkaufstasche eines japanischen Touristen. Einziger Hinweis: Der Mann erinnerte sich vage an eine Frau im beigefarbenen Blazer. Dumm nur, dass beige Blazer gerade groß in Mode sind. Aber dann sagte er, dass die Frau rosa Turnschuhe trug. Das war schon besser! Ich zeichnete auf meinem PDA ein Dreieck und ein Viereck – eine Art visuelles Stenogramm für eine Person mit Tasche. Ich sagte dem System, es solle die Datenbanken der Kameras rund um die SkyBar durchsuchen. Daraufhin hätte das Gerät Hunderte von Bildern geliefert, auf denen Leute mit Akten- und Einkaufstaschen zu sehen gewesen wären. Auch der Zusatz "beigefarbenes Oberteil" hätte kaum weniger Suchergebnisse gebracht. Doch "unterer Abschnitt rosa" war ein Volltreffer.
Wenige Sekunden später erschienen einige Bilder auf dem PDA. "Erkennen Sie die Person wieder?" fragte ich. Herr Tanagucci, so hieß der Mann, suchte sorgfältig. Erstaunlicherweise gab es mehrere Frauen und sogar einige Männer mit rosa Schuhen. Aber es war eine darunter, die ihm bekannt vorkam. Ich sagte dem System, es solle alle Bilder der letzten Stunde suchen, die mit der Beschreibung übereinstimmten. Wieder ein Volltreffer. Eine nur 40 Minuten früher gemachte Aufnahme zeigte die Frau ohne Einkaufstasche. Aber später war sie mit Tasche zu sehen, und Herr Tanagucci meinte, dass dies seine Tasche sein könnte. Weitere Archivbilder zeigten, wie sie zum Aufzug ging.
Nun war sie im Parkhaus, und die Bilder der Kameras kamen in Echtzeit. Ich sah sie in einem Auto sitzen. Das Kennzeichen erschien auf meinem Display, sowie eine Meldung, die mich nicht mehr überraschte: "Fahrer und Halter des Fahrzeugs stimmen nicht überein". Ich identifizierte mich am PDA per Fingerabdruck und aktivierte eines unserer neuesten Sicherheitssysteme: Ich forderte die Kameras an allen Ausfahrten auf, nach dem Auto der Verdächtigen zu suchen und die Schranke zu sperren, falls sie versuchte, das Parkhaus zu verlassen. Fünf Minuten später fanden wir den Wagen. Zwei weitere Sicherheitsleute waren bereits vor Ort. Sie sahen verärgert aus. "Wo ist sie?" fragte ich, denn der PDA lieferte keine aktuellen Bilder mehr von ihr. Im leeren Wagen sah ich dann auch, warum: Da lagen sie, auf dem Sitz – zwei leuchtend rosa Turnschuhe.
Arthur F. Pease
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