Die Biometrie wird im Jahr 2003 weltweit einen Umsatz von über einer Milliarde Dollar erzielen im Vergleich zu 2002 ein Anstieg von 25 %. Einer der Gründe dafür sind die Terroranschläge vom 11. September 2001. Seitdem wurden vor allem in den USA etliche neue Gesetze verabschiedet, die von Flughäfen, Transportfirmen und anderen eine noch sorgfältigere Überprüfung ihrer Mitarbeiter fordern. "Sicherheit und Effizienz sind treibende Kräfte auf dem Biometrie-Markt", sagt Raj Nanavati, Gründungsmitglied der International Biometric Group (IBG), New York. Das Interesse an Ausrüstungen zur Sicherung von Gebäuden ist enorm gestiegen. Auch Screening Services, bei denen Fingerabdrücke mit Einträgen in Datenbanken verglichen werden, sind sehr gefragt.
Die Erkennung des Fingerabdrucks macht fast die Hälfte des heutigen Biometrie-Markts aus. Dabei ist in der Grafik der Umsatz von AFIS noch nicht einmal berücksichtigt. AFIS ist das Automated Fingerprint Identification System, das Fingerabdrücke in Datenbanken vergleicht und pro Jahr über 400 Mio. US-$ Umsatz bringt)
Daher schätzt die IBG, dass Strafverfolgung und staatliche Pilotprojekte etwa zwei Drittel der heutigen Biometrie-Umsätze ausmachen. Durch neue Regelungen und Vorschriften in den USA, etwa des überarbeiteten Visa-Gesetzes, das von allen Besuchern aus dem Ausland verlangt, Daten für eine biometrische Datenbank zur Verfügung zu stellen, wird die Zahl der von der Regierung veranlassten Installationen sicherlich weiter steigen. Aber auch in anderen Ländern stehen solche Pilotprojekte im Mittelpunkt.
Im Jemen setzt die Regierung auf biometrische Karten, um Schwarzarbeitern und Leuten, die mehrfach abkassieren, das Handwerk zu legen. Die malaysischen Behörden nutzen die Technologie des Iris-Scans, um die Grenze nach Singapur zu sichern. Die britische Regierung will neue nationale Ausweise mit Fingerabdrücken versehen. Eine neue Krankenversicherungskarte in Spanien wird biometrische Daten enthalten. Und in Nigeria bemüht sich das Wahlkomitee um die schnelle Implementierung eines nationalen Fingerabdruck-Identifikationssystems, um die 60 Millionen Wähler so zu erfassen, dass betrügerische Mehrfachregistrierungen verhindert werden. Dies sind nur einige Beispiele von vielen (siehe auch Tabelle Biometrie-Einsatzgebiete).
Bezahlen per Fingerabdruck? Sicherheitsanforderungen sind allerdings bei weitem nicht der einzige Grund für die Ausweitung biometrischer Verfahren. So erhöhen trotz schwieriger Wirtschaftslage viele Einzelhändler ihre Investitionen. Warum? "Die Biometrie sorgt für mehr Komfort und erhöht die Effizienz", sagt James Crawford, Einzelhandelsanalyst bei Forrester Research in Cambridge, Massachusetts. "Die Prozesse werden dadurch beschleunigt. Die Läden können ihre Kunden schneller bedienen und so Geld sparen." Und was für die Händler noch wichtiger ist: Die Biometrie optimiert Marketing und Verkaufsförderung. "Bislang kennen die meisten Einzelhändler ihre Kunden kaum. Die Biometrie hilft, diese Lücke zu schließen".
Größere Supermarktketten und Kaufhäuser in den USA wie Kroger, Thriftway und Wal-Mart sind hier Wegbereiter, wenn sie Systeme einführen, bei denen der Kunde seine Waren per Fingerabdruck bezahlt. Auch Tesco in Großbritannien und die deutsche Metro AG sind auf den Zug aufgesprungen. Dabei legt der Kunde z.B. seinen Finger auf ein spezielles Lesegerät, das auf die üblichen Kreditkartenlesegeräte aufgesetzt wird. Die verschlüsselten Daten werden an ein Datenzentrum gesandt, wo der Fingerabdruck mit dem verglichen wird, der zuvor einmal registriert wurde. Nach der Authentifizierung wird die Transaktion an konventionelle Finanznetze weitergeleitet, wie bei jeder anderen Transaktion mit Kreditkarte oder Bankeinzug.
Die Steigerungsraten aller biometrischen Technologien sind erheblich, wobei Fingerabdruck-, Handkontur-, Gesichts-, Stimmen- und Unterschriftenerkennung an ihrem Umsatz gemessen in Zukunft die wichtigsten Technologien sein dürften
Nach Crawfords Vorstellung wird es in den nächsten zwei bis drei Jahren "intelligente" Geschäfte geben, in denen Einzelhändler mit Hilfe biometrischer Systeme Kunden erkennen und sich sofort deren individuellen Bedürfnissen widmen können. "Die Leute kaufen bei Amazon, weil sie aufgrund der gespeicherten Informationen Empfehlungen erhalten, die auf früheren Einkäufen basieren. Warum sollte das bei einem Offline-Geschäft anders sein?" In Läden könnte es künftig spezielle Stände geben, bei denen die Verbraucher per Fingerabdruck Zugang zu einer Liste regelmäßig eingekaufter Waren oder zu Sonderangeboten und Gutscheinen erhalten.
Obwohl auch andere Technologien wie die Gesichts- oder Stimmenerkennung stark wachsen werden und spezifische Vorzüge haben (siehe Beitrag Biometrie), dürfte die Identifikation per Fingerabdruck besondere Bedeutung erlangen (Grafik oben). Aber die Sache hat einen Haken: Es gibt weltweit noch keine Standards. Deshalb tun sich derzeit immer mehr Anbieter zusammen. "Bis wir da sind, wo wir hin wollen, wird sicher noch ein Jahr verstreichen", sagt John Chang, ein Analyst bei Allied Business Intelligence, einem Unternehmen für biometrische Forschung mit Sitz in Oyster Bay, New York. "Ich bin aber überzeugt, dass 2004 für die Biometrie ein Superjahr werden wird."
Peggy Salz
Im Juni 2002 erhielten die Firmen Boeing und Siemens USA vom amerikanischen Verkehrsministerium den Zuschlag für einen Großauftrag mit einem Volumen von 1,37 Mrd. US-$. Bis Ende 2002 sollten alle 438 kommerziellen Flughäfen der USA mit Sprengstoffdetektoren ausgerüstet werden. Bei etwa zwei Millionen Fluggästen pro Tag müssen in den USA jährlich eine Milliarde Gepäckstücke kontrolliert werden. Die beiden Firmen übernahmen Lieferung, Inbetriebnahme, Tests und Wartung der Geräte, die Sprengstoffe und deren Spuren aufspüren können (EDS: Explosives Detection System, ETD: Explosive Trace Detection System). Hergestellt wurden die Geräte von L3 Communications und InVision.
Bis Ende 2002 wurden fast 1 100 EDS-Anlagen und etwa 5 000 ETD-Geräte in Betrieb genommen. Zuvor besuchten Expertenteams von Boeing und Siemens jeden Flughafen und informierten sich vor Ort über die Anforderungen, um individuelle Lösungen zu erarbeiten. So ist in vielen Abfertigungshallen gar nicht genug Platz für zusätzliche Geräte.
Anfang November 2002 waren dann 100 Flughäfen mit den Anlagen ausgerüstet; Mitte des Monats waren es bereits 200. Das Team von Boeing und Siemens schulte mehr als 20 000 Mitarbeiter der Gepäckkontrollen im Umgang mit den neuen Geräten. Zudem sind die beiden Firmen verantwortlich für die ständige Verbesserung der EDS-Technologie. Siemens arbeitet an der Optimierung der Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Detektoren sowie an Methoden, die Gepäckkontrollen zu beschleunigen. Dazu Klaus Kleinfeld, Präsident und CEO von Siemens USA: "Siemens möchte seinen Beitrag dazu leisten, dass Reisen in den USA noch sicherer und einfacher werden".
Sylvia Trage