Gesundheitscheck 2010: Auf einem Flachbildschirm betrachten Ärztin und Patient hochaufgelöste Bilder aus dem Körperinneren, die ohne jeden Eingriff- via Tomograph (links hinten) gewonnen wurden. Eine intelligente Software weist auf Auffälligkeiten hin. Mit Biochips können Blutproben sehr schnell untersucht werden (auf dem Tisch links); mit Infrarotlicht lassen sich Fingergelenke durchleuchten und Rheuma in einem sehr frühen Stadium diagnostizieren (auf dem Tisch rechts)
Heute ist es wieder einmal so weit. Ich lasse mich im Gesundheitszentrum von Kopf bis Fuß durchchecken. Ehrlich gesagt ist mir ein wenig mulmig. Schließlich bekam ich beim letzten Check-up vor sechs Jahren einen gehörigen Schreck. Die Bilder von meinem Gehirn zeigten kleine weiße Flecken: Mikroinfarkte. Ich litt damals unter stark erhöhtem Blutdruck und hatte meine Medikamente nicht regelmäßig eingenommen. Seitdem habe ich meine Ernährung umgestellt, mein Gewicht reduziert und mich mehr bewegt. Gar nicht so leicht im stressigen Managerberuf! Wenigstens dauern die Untersuchungen nicht lange. Und das Liegen im MR-Tomographen ist viel angenehmer als früher, wo es immer diese lauten Knackgeräusche gab. Doch dank der neuen Piezoschwingungsdämpfer die übrigens meine Firma herstellt ist jetzt kaum noch etwas zu hören. Und auch danach geht's schnell: Die Software markiert automatisch verdächtige Stellen.
"Herr Markus, sehen Sie sich die Ergebnisse mit mir an?" fragt die junge Ärztin. Jetzt wird's ernst. Auf einem großen Flachbildschirm sehe ich mich in Lebensgröße, besser gesagt, mein Innenleben. Die Ärztin vergleicht die Bilder aus meinem Gehirn mit denen von 2004. Die sind in meiner elektronischen Patientenakte zentral gespeichert und lassen sich von überallher abrufen, natürlich nur mit Zugangsberechtigung. Gott sei Dank, keine neuen Mikroinfarkte! Meine Lebensweise umzustellen hat sich also gelohnt. Oje, jetzt erscheinen meine Herzkranzgefäße. Sie sind seit Jahren leicht verengt und weisen Plaques auf. Vor der MR-Untersuchung hat mir die Ärztin ein Kontrastmittel gespritzt, das nur dann leuchtet, wenn die Plaques entzündlich und brüchig sind, was zum Herzinfarkt führen kann. Doch die Aufnahmen sind dunkel, die Plaques ungefährlich.
Der russische Ökonom Nikolai Kondratieff hat in den 1920er Jahren herausgefunden, dass Wirtschaftszyklen in langen Wellen von 40 bis 50 Jahren ablaufen von Basisinnovationen über Wohlstandszuwachs und Konsolidierung bis zur Stagnation. Zur Zeit befinden wir uns noch vor dem Scheitelpunkt des fünften Zyklus, doch nach dem Zukunftsforscher Leo Nefiodow startet bereits der sechste Zyklus mit den Themen Biotechnologie und Ökologie, kurz: Es dreht sich alles um Gesundheit im weitesten ganzheitlichen Sinn
"Um ganz sicherzugehen, lasse ich aber noch einen Herzspezialisten einen Blick darauf werfen." Ein Klick auf den Kontakt-Button, und meine Herzbilder werden ihm zugeschickt, ebenso meine Risikofaktoren, die schon vor Jahren per Fragebogen ermittelt wurden. Kurz darauf meldet er sich: "Das Herzinfarktrisiko ist als gering einzustufen".
Und was sagen die Bluttests, die auch Proteine und Erbsubstanz analysieren? Die Ärztin spritzt ein paar Tropfen Blut auf eine kleine Karte und steckt sie in ein Gerät. Während winzige Biochips auf der Karte in Sekundenschnelle die Arbeit eines Großlabors verrichten, durchleuchtet ein Infrarot-Scanner meine Fingergelenke. Diagnose: "Klare Gelenksflüssigkeit, kein Rheuma." Nun die Resultate des Minilabors: Alles in Ordnung, nur der Cholesterinspiegel ist leicht erhöht. Ich muss unwillkürlich grinsen damit kann ich gut leben.
Ulrike Zechbauer
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