Die Labordiagnostik leistet wertvolle Dienste bei der Früherkennung von Krankheiten. Da die Proben, etwa Blut, Urin, Speichel oder Haare, außerhalb des Körpers analysiert werden, spricht man auch von In-vitro-Diagnostik, kurz IVD. In den 90er Jahren durchlebte der IVD-Markt, zu dem Laborgeräte, Apparate, Instrumente, Probenbehältnisse, Reagenzien und Selbsttests zählen, weltweit eine schwierige Phase. Aufgrund staatlicher Regulierung und des starken Wettbewerbs bei gleichzeitig fallenden Erträgen fand eine gewisse Konsolidierung des Markts statt; etliche Firmen fusionierten miteinander. Gleichzeitig versuchten sie durch Automatisierung und neue Technologien für die parallele Analyse von Proben die Kosten zu senken.
Der Weltmarkt für In-vitro-Diagnostik dürfte bis 2010 um etwa 14 Mrd. US-$ zunehmen
Diagnostik ermöglicht z.B. die Analyse von krankheitsassoziierten Nukleinsäure-Markern (Gene) und von Protein-Markern wie dem Troponin (Herzinfarkt-Marker). Diese molekularen Gen- und Protein-Marker können mit Hilfe der handlichen Biochip-Technologie künftig verstärkt dezentral bestimmt werden – das heißt, der Arzt erhält die Ergebnisse sehr schnell, da ein aufwändiger Transport und zeitraubende Untersuchungen in Großlabors entfallen. Ziel der Biochip-Diagnostik ist es, dem Arzt am "Point of Care" eine molekulare Diagnostik zu ermöglichen und dadurch die oft lebenserhaltende Therapieentscheidung zu beschleunigen.
Der Anteil der Biochips am IVD-Markt dürfte daher künftig stark wachsen. Im Jahr 1999 lag ihr Weltmarktvolumen bei 90 Mio. US-$ – ohne Reagenzien, Verbrauchsmaterialien, Biochip-Analysegeräte und Software. Im World Biochip Market Summary 2001 schätzt die Unternehmensberatung Frost + Sullivan, dass sich dieser Markt bis zum Jahr 2004 verzehnfachen wird. Diese rosigen Wachstumsprognosen setzen allerdings Einiges voraus: neben einem wettbewerbsfähigen Preis und einer vergleichbaren Qualität der Messergebnisse mit denen von Großlabors vor allem auch die Akzeptanz der Biochip-Diagnostik beim medizinischen Personal.
Wolfgang Geiger, Ulrike Zechbauer