Japan unterstützt die Entwicklung von sieben wichtigen automobilen Sicherheitssystemen
Japan ist an manchen Orten etwa so geräumig wie eine Sardinenbüchse. Zu viele Menschen, zu viele Autos, zu wenig Platz. Leider sind zugleich die Kosten für den Bau neuer Straßen in Städten wie Tokio oder Osaka so astronomisch hoch, dass derartige Maßnahmen nicht mehr ernsthaft erwogen werden. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch in Japan Technologien für intelligente Transportsysteme (ITS) en vogue sind. Dem Verkehrsministerium zufolge wird Japan in den nächsten zehn Jahren zweistellige Milliarden-Dollar-Beträge in ITS investieren.
Insgesamt vier Ministerien koordinieren den Einsatz der ITS-Technologien. So will die nationale Polizeibehörde, die für alle Straßen außer den Autobahnen zuständig ist, vor allem Verkehrsstaus in Großstädten vermindern und das Risiko für Fahrer und Fußgänger reduzieren. Tokio hat schon 20 000 Detektoren und 300 Kameras installiert, die den Verkehr auf den wichtigsten Straßen überwachen und im Abstand von fünf Minuten ihre Daten aktualisieren. Darüber hinaus koordiniert ein Programm namens Universal Traffic Management System die eher kurzfristig angelegten Forschungs- und Entwicklungsprojekte von Firmen. Damit sollen unter anderem die Detektoren effizienter eingesetzt werden. Fahrzeuge, die ein mit dem Navigationssystem gekoppeltes Empfangsgerät besitzen, können bereits heute in Echtzeit über Verkehrsstaus informiert werden.
Weitere Projekte sollen die Vorfahrt von öffentlichen Verkehrsmitteln und Einsatzfahrzeugen regeln. Beispielsweise könnten Funksignale solcher Fahrzeuge die Ampelschaltung beeinflussen. Darüber hinaus wurde ein Notfallzentrum eingerichtet, das automatisch benachrichtigt wird, sobald in entsprechenden Fahrzeugen der Airbag ausgelöst wurde.
Die Autobahnen unterstehen in Japan dem Verkehrsministerium. Hier beschäftigt man sich derzeit vor allem mit dem Smart-Cruise-System, das die Spurtreue der Fahrzeuge überwacht. Das Verkehrsministerium hat ein Fünf-Jahres-Programm gestartet, in dessen Verlauf die wichtigsten Autobahnen mit magnetischen Markierungen ausgerüstet werden sollen. Fahrzeuge, die über Magnetsensoren verfügen, werden dann in der Lage sein, dem Straßenverlauf automatisch zu folgen. Wenn ein Auto von der Spur abkommt, ohne dass vorher der Blinker gesetzt wurde, vibriert das Lenkrad, oder ein Warnsignal ertönt. Außerdem werden die Fahrer über Sendeanlagen am Straßenrand auch über die Straßenbedingungen informiert. Wenn sich ein Auto z.B. zu schnell einer Kurve nähert, könnte ein Warnhinweis im Display erscheinen oder – in einer späteren Entwicklungsstufe – das Fahrzeug automatisch abgebremst werden.
Ähnlich wie in Europa und den USA entwickeln auch japanische Automobilhersteller Kamera-basierte Systeme, die die Fahrspur im Auge behalten und den Fahrer bei Abweichungen warnen. Außerdem konstruieren sie Radarsysteme, die die Distanz zu anderen Autos messen und Kollisionen vermeiden helfen. Derartige Systeme wurden im vergangenen Jahr erfolgreich getestet, und auch die Prognosen hinsichtlich Zuverlässigkeit und Akzeptanz bei den Verbrauchern sind ermutigend. Vermutlich werden zunächst Lkw mit solchen Sensoren ausgestattet. Die Fachleute rechnen noch vor dem Jahr 2010 mit der kommerziellen Nutzung.
Zugleich entwickeln japanische Hersteller mit der Unterstützung des Ministeriums für Post und Telekommunikation (MPHPT) Navigationssysteme mit dynamischer Routenplanung, die – basierend auf aktuellen Daten – die kürzeste Strecke zum Zielort vorschlagen. Das System lässt sich per Sprache steuern.
Außerdem zeichnet sich auch schon die Produktion dynamischer Verkehrszeichen ab, die sich den jeweiligen Bedingungen anpassen – so z.B., wenn ein Straßenabschnitt zwischen 7:00 und 9:00 Uhr gesperrt ist. Selbst an portablen Navigationssystemen, die der Fahrer auch als Fußgänger außerhalb des Fahrzeugs nutzen kann, wird gefeilt. Und schließlich wird die Kommunikation im Auto selbst revolutioniert – das MPHPT bereitet die Fahrzeuge auf die Zukunft eines Hochgeschwindigkeits-Internets vor.
Christoph Roth / Arthur F. Pease