Gute Ideen zur Marktreife zu bringen ist das Ziel des Siemens Technology Accelerators (STA). Zu den ersten geförderten Firmen gehört EnOcean – gegründet von ehemaligen Siemens-Mitarbeitern mit einer erstaunlichen Geschäftsidee: Ein Funksensor, der völlig ohne eigene Energiequelle auskommt
Ein Entwickler von EnOcean optimiert im Labor extrem stromsparende Schaltungen, die dann in Aufputzschalter (Foto rechts) integriert werden. Diese Schalter sind so flach, dass sie z.B. direkt auf Glas geklebt werden können
"Unser Ziel ist es, innovative Geschäftsideen aus Siemens Corporate Technology, den Siemens-Bereichen und dem externen Umfeld rasch zum unternehmerischen Erfolg zu führen", sagt Dr. Thomas Lackner, Chief Executive Officer des im Februar 2001 in München gegründeten STA. "In einer sechs- bis zwölfmonatigen Seed-Phase bringen wir die Technologien bis zu einem Reifegrad, ab dem sie für Investoren interessant sind und diese Venture Capital bereitstellen."
Pro Jahr kann der STA etwa acht Ideen oder junge Unternehmen mit je 200 000 € fördern. Neben der Finanzspritze bietet der Accelerator aber noch eine Menge mehr: Das derzeit sechsköpfige Experten-Team hilft den Jungunternehmern, tragfähige Geschäftskonzepte zu erstellen, Prototypen zu entwickeln, Kunden zu finden und Venture Capital zu beschaffen. Darüber hinaus haben die Start-ups Zugang zu den Siemens-internen und externen Netzwerken und können so eine Vielzahl von geschäftlichen Kontakten knüpfen. Im Gegenzug erhält der STA Unternehmensanteile an den neu gegründeten Firmen. "Diese Anteile wollen wir ein paar Jahre später gewinnbringend verkaufen. Im Idealfall gehen die Start-ups dann an die Börse und wir verkaufen unser Aktienpaket. Oder aber ein Unternehmen kauft die Start-ups und damit unsere Anteile auf", so Lackner.
Bislang sind über 250 Ideen beim STA eingegangen, von denen vier interne und eine externe ins Portfolio aufgenommen wurden. Eine der ersteren führte im Oktober 2001 zur Gründung der EnOcean GmbH, die batterielose Funksensoren entwickelt und vertreibt. In nur wenigen Wochen gelang es dem STA, externe Investoren zu finden. "In der ersten Finanzierungsrunde investiert das Münchener Venture-Capital-Unternehmen Wellington Partners gemeinsam mit der Düsseldorfer Gesellschaft Enjoy Venture Capital in die EnOcean GmbH. Insgesamt erhält EnOcean 5 Mio. €", berichtet Lackner stolz.
Die EnOcean-Gründer entwickelten die batterielose Funktechnik in den vergangenen fünf Jahren als Mitarbeiter der Siemens AG. Die Technologie, die bei Firmengründung in die Gesellschaft eingebracht wurde, ist mit 15 Patenten weltweit geschützt. "Auch der Siemens-Bereich Automation and Drives hat sein Expertenwissen im Bereich Gebäudeinstallationstechnik zur Verfügung gestellt. Dies hat wesentlich zum Erfolg beigetragen und zeigt die Stärke des Siemens-Netzwerks", lobt Markus Brehler, geschäftsführender Gesellschafter von EnOcean.
Der Firmenname bezieht sich auf die Erfindung der batterielosen Funktechnik. "EnOcean ist zusammengesetzt aus Energy und Ocean. Damit meinen wir, dass wir in einem Meer voll Energie schwimmen und lernen müssen, diese intelligent zu nutzen." Die EnOcean-Idee ist ein geniales Verfahren, Energien, die sowieso vorhanden sind, sinnvoll zu nutzen – sie erinnert ein wenig an Münchhausens Trick, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. "Unsere kleinen Funkmodule übertragen Daten bis 300 m weit, wofür sie allerdings keine eigene Energiequelle brauchen. Denn die Versorgungsspannung für den Betrieb des Senders und die Funkübertragung wird aus dem zu übertragenden Ereignis selbst generiert", erklärt Brehler. "Bei drahtlosen Lichtschaltern etwa genügt allein das Drücken des Schalters, um genügend Energie für die Übertragung des Funksignals zu gewinnen." Die beim Drücken der Schalterwippe vorhandene mechanische Energie wird mit so genannten piezoelektrischen Energiewandlern in elektrische Spannung umgewandelt. Die wiederum aktiviert die extrem stromsparenden Schaltungen, welche dann ein kodiertes Funktelegramm an den Empfänger senden. Dieser befindet sich im Lampensockel oder unter Putz und schaltet das Licht ein oder aus.
Der kabellose Lichtschalter soll bereits Ende 2002 auf den Markt kommen. Für das Jahr 2003 rechnet EnOcean mit je 100 000 verkauften Sendern und Empfängern. Da die sonst üblichen Verkabelungen wegfallen und die Schalter daher beliebig platziert werden können, sieht Brehler "überall dort ein sehr großes Marktpotenzial, wo es Systemanwendungen mit vielen Schaltern und Sensoren gibt. Neben der Gebäude- und Fahrzeugtechnik sind für uns auch die Industrieautomatisierung und Medizintechnik interessant."
EnOcean plant, in den kommenden Jahren eine Reihe von weiteren Produkten auf den Markt zu bringen. So soll es ab 2003 batterielose Funksensormodule für Thermo- und Positionssensoren im Bereich Industrieautomatisierung geben, ab 2004 den batterielosen Funkschlüssel für das Auto und ab 2005 batterielose Kfz-Reifensensoren, die während der Fahrt kontinuierlich Luftdruck und Temperatur überwachen.
"Dr. Lackner und sein Team haben EnOcean in der Gründungsphase optimal unterstützt", unterstreicht Brehler die Rolle des STA. "Jetzt können wir auf einer soliden Geschäftsbasis aufbauen und damit den Markterfolg unserer Firma auch langfristig sichern."
Ulrike Zechbauer
Weitere Informationen unter www.sta.siemens.com und www.enocean.de