Seit 1995 zeichnet Siemens alljährlich zwölf Mitarbeiter für Erfindungen aus, die die technische Kompetenz und den wirtschaftlichen Erfolg der Firma in besonderem Maße verbessert haben. Die "Erfinder des Jahres" spiegeln deutlich die Internationalität von Siemens als "Global Network of Innovation" wider: Sie kommen aus zehn Ländern rund um den Globus. Als Ergänzung zum Thema Das vernetzte Fahrzeug stellen wir zwei Erfinder des Jahres 2001 vor, die das Autofahren für uns alle angenehmer und sicherer gemacht haben.
Lärm ade! Ian McLean's Erfindung lässt Motoren genau so klingen, wie es der Kunde wünscht
Das Motorgeräusch Ihres Autos gefällt Ihnen nicht? Sie hätten es gern etwas sportlicher oder etwas leiser? Aber gerne, sagt Ian McLean von Siemens VDO in Tilbury, Kanada.
McLean's Lösung nutzt die moderne Digitalelektronik: Ein Mikrofon nimmt das Geräusch an einer der Hauptgeräuschquellen auf, dem Luftansaugstutzen. Ein digitaler Signalprozessor erzeugt dann ein gegenphasiges Signal, das über einen Lautsprecher zum Lufteinlass übertragen wird. Der Effekt dieses "Antischall": Das unerwünschte Motorgeräusch wird durch Interferenz mit den gegenläufigen Schallwellen weitgehend ausgelöscht. Doch damit nicht genug: Da auch beliebige andere Schallwellen erzeugt und eingestrahlt werden können, ist ein echtes Sound-Design möglich. Auch ist MacLean's System bei vergleichbaren Kosten viel kleiner und robuster als die herkömmlichen Schalldämpfer und erlaubt zudem eine verbesserte Luftzufuhr und damit eine höhere Motorleistung.
Ob mit Leuchtdioden oder über eine Projektion auf die Windschutzscheibe Heinrich Nolls Erfindungen stellen sicher, dass der Fahrer stets alle nötigen Informationen im Blick hat
Die richtige Beleuchtung des Armaturenbretts trägt erheblich zur Fahrsicherheit von Automobilen bei. Ist sie zu hell oder zu bunt, irritiert sie den Fahrer. Ist sie zu gedämpft, übersieht er womöglich eine wichtige Anzeige.
Heinrich Noll von der Siemens VDO Automotive AG, Babenhausen, beschäftigt sich seit Jahren mit Beleuchtungslösungen für Kombi-Instrumente. Er hat z.B. maßgeblich dazu beigetragen, dass die Glühlämpchen in solchen Instrumenten durch zuverlässigere, farbige Leuchtdioden (LED) ersetzt wurden. Auch hat er neue Lösungen für die optimale Beleuchtung von Analoganzeigen gefunden. Er koppelt dazu Licht in die aus lichtleitendem Material gefertigte Zeigerachse ein und führt es über ein Umlenkprisma in die Zeigerfahne. Als Lichtquelle dient eine LED, die ultraviolettes Licht ausstrahlt, das erst in der Zeigerfahne in sichtbares Licht umgewandelt wird. So lässt sich eine extrem gleichmäßige, vom Zeigerstand unabhängige Beleuchtung erreichen. Derzeit optimiert Noll die so genannten Head-up-Displays. Wichtige Informationen werden am unteren Rand der Windschutzscheibe eingespiegelt und erscheinen dann in einiger Distanz, etwa am Ende der Kühlerhaube, als ein Bild, das der Fahrer mühelos im Auge behalten kann, ohne den Blick von der Fahrbahn nehmen zu müssen.
Interview mit Wilhelm von Lieres
Für Unternehmen, die im globalen Wettbewerb stehen, bekommen Patente außerhalb des angestammten Heimatmarkts immer mehr Gewicht. Dazu ein Gespräch mit Wilhelm von Lieres, Sprecher des Boards von Siemens Corporate Intellectual Property
Ist es eigentlich sehr teuer, sich Patente in mehreren Ländern erteilen zu lassen?
von Lieres: Diese Kosten sind gut schätzbar: Bis zur Erteilung eines Patents in zehn Ländern z.B. vier in Europa, drei in Asien und drei in Amerika muss man etwa 30 000 an amtlichen Gebühren und Vertreterhonoraren sowie nochmals 10 000 für die interne Bearbeitung veranschlagen.
Bei Tausenden von Patenten, die Siemens jedes Jahr anmeldet, ist das eine Menge Geld. Ist es sinnvoll, hier zu sparen?
In den Ländern, in denen wir kein Patent haben, riskieren wir, dass Dritte die gleiche oder eine ähnliche Erfindung anmelden. Wird ein solches Patent erteilt, kann das natürlich zur Behinderung des eigenen Geschäfts in diesem Land führen. Wir müssen hier zwei Dinge abwägen: Da Siemens weltweit tätig ist, sollten wir dies mit weltweiten Patentierungen begleiten. Andererseits muss auch der Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten stehen. Da helfen nur Anmeldestrategien, basierend auf langer Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Und man braucht in einer Firma mit einem globalen Netzwerk von Forschung, Entwicklung und Marketing eine intelligente Organisation und ebensolche Prozesse.
Im Januar 2002 abgeschlossene Lizenzverträge zu Patenten rund um den GSM/GPRS-Mobilfunkstandard sichern Siemens in den nächsten fünf Jahren Lizenzeinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe (EUR).
Gibt es eine generelle Anmeldestrategie?
Die Anmeldestrategie ist Teil der Patentstrategie. Die wiederum wurde für Siemens insgesamt wie für viele Arbeitsgebiete und Geschäftsfelder gemeinsam mit der Intellectual-Property-Abteilung erarbeitet. Dabei stehen zwei Wege offen: zum einen der einer offensiven Patentstrategie, die die Priorität auf Lizenzeinnahmen und den Zugang zu fremden Technologien setzt. Sie konzentriert sich auf Erfindungen, die für Wettbewerber attraktiv sind, und daher auf Patentanmeldungen in großen Märkten und wichtigen Herstellerländern. Oder man will vor allem die eigenen Produkte vor Imitation schützen. Dann wird man sich darauf konzentrieren, was in den jeweiligen Produkten an Erfindungen steckt und dementsprechend Patente in seinen wichtigsten Märkten anmelden. Darüber hinaus müssen beide Basisstrategien länderspezifische Eigenarten berücksichtigen, so z.B., ob und wie sich Patente im Streitfall durchsetzen lassen.
Ist es wichtig, in welchem Land ein Patent zum ersten Mal angemeldet wird?
Die Erstanmeldung kann man beim nationalen Patentamt, beim Europäischen Patentamt oder als internationale Anmeldung durchführen. Weitere Anmeldungen in anderen Ländern sind noch bis zu einem Jahr danach möglich. Zwar führt der nationale Weg meist zu einer schnelleren Patenterteilung, ist aber bei Anmeldung in mehreren Ländern mit höheren Kosten verbunden. Hier sollte man die Varianten klug mischen. Derzeit existieren im Schnitt zu jedem erteilten Siemens-Patent korrespondierende Patente in fünf bis sechs weiteren Ländern.
Spielt es eine Rolle, wo eine Erfindung gemacht wurde?
Nein. Jede Geschäftseinheit von Siemens meldet Patente nach den gleichen Grundsätzen an. Dadurch werden Siemens-Erfindungen überall gleich behandelt, unabhängig davon, wo auf der Welt sie gemacht wurden und von welcher der in mehr als zehn Ländern ansässigen Intellectual Property Units die Patentanmeldung bearbeitet wird.
Das Interview führte Hartmut Runge
Standorte der Intellectual Property Departments von Siemens