Wer sich durch die Straßen von Tokio oder Osaka bewegt, versteht schnell, warum Japan international eine Vorreiterrolle beim Mobilfunk übernommen hat. Bedingt durch den hektischen Rhythmus der Großstädte sind die Menschen kaum zu Hause, und das Handy wurde für viele zum ständigen Begleiter, der Spielkamerad, Kommunikations- und Beruhigungsmittel zugleich ist: Wartende Jugendliche haben unweigerlich ihr buntes Telefon vor Augen, holen sich Bilder, Klingeltöne, Spiele oder Karaoke-Lieder auf ihr Handy, bezahlen am Cola-Automaten, unterhalten sich im Chatroom oder surfen durch fast 45 000 Web-Sites. Doch es sind keineswegs nur junge Menschen, die sich für den Service i-mode von NTT DoCoMo begeistern: "Seit dem Start vor drei Jahren, als wir nach und nach Tausende von Dienste-Anbietern in i-mode integrierten, stellen wir fest, dass ebensoviele Unter-30-Jährige wie Über-40-Jährige unseren Service nutzen insgesamt haben wir heute bereits mehr als 30 Millionen Abonnenten", sagt Hiroshi Nakamura, Chef von DoCoMo Europe. Ältere Japaner nutzen vor allem die Telefonfunktion, e-Mail oder andere nützliche Dienste wie die Abfahrtszeiten der U-Bahnen, Börsen- oder Wetternachrichten, die Möglichkeit zu Ticketkauf oder Bankgeschäften, oder laden sich die zu ihrem jeweiligen Aufenthaltsort passende Straßenkarte herunter. Angeregt durch diesen Erfolg in Japan führte das Mobilfunkunternehmen E-Plus im März 2002 einen analogen i-mode-Dienst mit vielen Entertainment-Angeboten auch in Deutschland ein. Im Land der aufgehenden Sonne hat dagegen seit Oktober 2001 schon die dritte Generation des Mobilfunks begonnen: In Großstadtbereichen startete NTT DoCoMo den FOMA-Dienst (freedom of mobile multimedia access), der Datenraten zwischen 64 und 384 kbps erlaubt (eine Variante von W-CDMA, siehe Beitrag UMTS und mehr). "Damit können die Kunden nicht nur gleichzeitig sprechen und mit hoher Geschwindigkeit durch die verschiedenen Angebote surfen, sowie e-Mails mit Anlagen verschicken, sondern auch Musik bester Qualität herunterladen, unterwegs Englisch-Lektionen lernen, kurze Ausschnitte aus Kinofilmen betrachten und sogar etwa beim Einkaufen Bilder aufnehmen und nach Hause überspielen", erklärt Nakamura. Da die FOMA-Geräte allerdings noch recht teuer und derzeit nur eingeschränkt nutzbar sind, halten sich auch die Abonnentenzahlen noch in Grenzen. Doch weil die Japaner sehr visuell denkende Menschen sind, zweifelt kaum ein Experte daran, dass sich Handys mit Kamera und Videofunktion über kurz oder lang am Markt durchsetzen werden.
Enno Kapitza/Sebastian Moser