Internet
Fakten und Prognosen
Unternehmen sehen sich gern als Glied einer Wertschöpfungskette, aber sie sind heute eher Teil eines Wertschöpfungsnetzes, in dem die Zusammenarbeit mit anderen – sogar mit Wettbewerbern – Voraussetzung für Erfolg ist. Das hierarchisch strukturierte und einzelkämpferische Unternehmen des 20. Jahrhunderts ist in Auflösung begriffen. Im 21. Jahrhundert sind Unternehmen in ein komplexes System aus verschiedenen Netzwerken eingebettet.
Seit über 30 Jahren steigt der Internet-Datenverkehr in den USA exponentiell an – zwischen 1997 und 2000 mit 280 % und seitdem mit 400 %p.a. Die Daten stammen von Larry Roberts, einem der Gründer des Arpanet, des Internet-Vorläufers
"Der Wert eines Produkts oder einer Dienstleistung wird heute nicht mehr nur danach bestimmt, wie knapp das Gut ist, sondern wie viele Menschen weltweit Zugang dazu haben", meint Joe Forehand, Vorstandsvorsitzender bei Accenture, einem weltweit tätigen Management- und Technologiedienstleister. Unternehmen könnten heute nur dann erfolgreich sein, wenn sie Bündnisse eingehen, den direkten Kundenkontakt suchen und mit Partnern zusammenarbeiten. Das Internet ist einer der Treiber in diese Richtung und seine Beherrschung einer der Erfolgsfaktoren.
Innerhalb von vier Jahren soll sich der weltweite Online-Handel auf knapp 13 Bio. US-$ fast versechsfachen. Er umfasst dann etwa ein Fünftel aller weltweiten Handelsumsätze
Internet via Mobilfunk oder Festnetz? Bei der Zahl der Anschlüsse liegen die mobilen bereits vorn
"Neue Technologien und die wachsende Bedeutung immaterieller Vermögenswerte führen dazu, dass Partnerschaften, Joint-ventures, Outsourcing und Bündnisse eine völlig neue Form annehmen", erläutert Joe Forehand. "Viele Unternehmen erkennen, dass sie in ein komplexes System verschiedener Netze eingebettet sind, die oft ihre Grundlagen in der revolutionären Entwicklung der Informations- und Kommunikations-Technologien haben, aber in ihren Auswirkungen weit darüber hinausgehen."
Die Zusammenarbeit über Netze hinweg ist nicht nur ein Muss, sie ist auch ein Schlüssel zu mehr Shareholder Value. Wie Untersuchungen von Accenture belegen, ging ein typisches Großunternehmen von 1997 bis 2000 durchschnittlich 177 Bündnisse ein. Etwa ein Viertel der Unternehmen schätzt, dass bis 2004 Bündnisse über 40 % ihres Marktwerts ausmachen werden.
Eine effektive Zusammenarbeit setzt voraus, dass Unternehmen im Wertschöpfungsnetz interagieren und in großem Umfang Daten austauschen können. "Ob es nun um die schnelle Integration übernommener Firmen oder die Einbeziehung der Kunden in den Supply-Chain-Prozess – etwa in einem Bereich wie Nachfrage-Prognosen – geht: Eine erfolgreiche Zusammenarbeit macht sich immer in Euro und Cent bezahlt", sagt Caspar Herzberg, Accenture Senior-Berater für Supply-Chain-Management. So kam z.B. eine kürzlich vorgelegte Studie des MIT (Massachusetts Institute of Technology) zu dem Ergebnis, dass eine gute Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten und die Bereitstellung wichtiger Informationen über das Internet bei den Lagerkosten Gesamteinsparungen von 40 bis 70 % ermöglichen.
Bill Rodey, Vorsitzender des DSL Forums, eines Konsortiums führender Unternehmen der Telekommunikation, Datenverarbeitung und von Service-Providern, kann dem nur zustimmen. "Kein Land und kein Unternehmen, das im 21. Jahrhundert wettbewerbsfähig sein will, kann auf eine umfassende Einführung von Breitband-Technologien verzichten."
Forrester Research sieht eine Kluft zwischen der Anzahl heutiger Internet-Nutzer und der weit höheren Zahl der vernetzbaren Chips. Ein allgegenwärtiges Netz, das X-Internet, könnte diese Kluft überbrücken
Das Internet ist über die Unternehmenslandschaft hinweggefegt: Es hat die Arbeitsweise der Unternehmen verändert – in Bereichen wie E-Business oder E-Learning – und es hat ihre Wirtschaftlichkeit und Rentabilität erhöht. Fachleute wie George Colony, Vorstandsvorsitzender bei der Marktforschung und Unternehmensberatung Forrester Research, sieht für die Zukunft ein X-Internet voraus, das durch zahlreiche neue Web-basierte Technologien gekennzeichnet ist.
In diesem Executable Internet der nächsten Generation werden die Nutzer nicht nur interaktive Echtzeit-Erfahrungen machen können, sondern es verbindet zudem eine Vielzahl kommunizierender Geräte, die über kostengünstige Mikroprozessoren, Sensoren und intelligente Software verfügen (siehe auch Beitrag Die Vision des alles umfassenden Netzes ).
Das könnte den Handel erneut revolutionieren: Nach George Colonys Ansicht werden im X-Internet immer mehr Unternehmensabläufe ohne Menschen stattfinden, wenn die Objekte direkt miteinander in Verbindung stehen. "Das X-Internet wird unsere Welt noch stärker beherrschen als das heutige Internet", sagt George Colony. "Es wird eines Tages zu unserem Leben gehören wie die Luft, die wir atmen."
Peggy Sal