Industrie — Fakten und Prognosen
Industrie: Fakten und Prognosen
Internet und virtuelle Planung, Roboter und intelligente Sensoren sind die Triebkräfte der Automatisierungsindustrie.
Im vergangenen Jahr betrug der Weltmarkt für Automatisierungstechnik 300 Mrd.€. Die drei Sektoren der Automatisierung halten sich dabei etwa die Waage (oben). Bei den Marktanteilen liegt Europa leicht vor Amerika und Asien; Afrika hinkt hinterher. Weltweit liegt das Wachstum pro Jahr bei 3 bis 4 %. Während Europa und die USA nur 3 % erwarten, dürfte der Markt in Südamerika um 5 % wachsen
Informationstechnologien revolutionieren die Industriewelt. Ziel der zunehmenden Vernetzung auf Basis von Web-Technologien sind schnellere und automatisierte Abläufe in den Unternehmen – von der Online-Bestellung über die Produktverfolgung in der Logistikkette bis zur Digitalisierung aller Abläufe in Entwicklung und Produktion. Letztlich geht es ums "Zusammenwachsen von Verwaltung und Produktion", so Edgar Schüber, Vorstandsmitglied im Fachverband Software des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).
Leistungsstarke Computer ermöglichen es heute, viele Entwicklungsschritte wirklichkeitsnah auf dem Bildschirm zu simulieren – ohne den aufwändigen Bau von Modellen und ohne teure Prüfstände. "Virtuelle Simulationen sind heute in der Automobilentwicklung unverzichtbar. Mussten früher mehrere Prototypen angefertigt werden, so arbeiten Planer, Konstrukteure und Testingenieure heute an ein- und demselben digitalen Modell und optimieren dieses auf dem Bildschirm – wenn es sein muss, sogar via Datenleitung gleichzeitig an verschiedenen Orten der Welt", erklärt Human Ramezani, der für das Virtual Reality Center der BMW Group verantwortlich ist. Das reduziert die Kosten und vor allem die Entwicklungszeit. Bei BMW war dies eine der technischen Voraussetzungen, die es ermöglichten, die Entwicklungszeit für ein neues Modell von sechs Jahren auf 30 Monate zu verkürzen.
Der Siegeszug von Robotern. In Fertigung, Montage oder Verpackung werden künftig mehr und mehr Roboter eingesetzt. Der VDMA geht davon aus, dass Robotik und Automation in den nächsten zehn Jahren durchschnittlich zweistellige Wachstumsraten erzielen werden. Intelligente Sensorik und Bildverarbeitung lassen den Roboter zum universellen Automatisierungswerkzeug werden. Roboter, die über ihre eigene Homepage dem ortsabwesenden Servicepersonal einen Zustandsbericht geben, sind schon keine Utopie mehr.
Im Jahr 2005 dürften weltweit etwa 965 000 Industrieroboter zum Einsatz kommen. Dabei wird Europa Japan einholen – dort sinkt seit 1997 die Zahl der verwendeten Roboter sogar. Das Wachstum in den USA ist sehr moderat
Die industrielle Bildverarbeitung, bekannt aus der Oberflächeninspektion oder der Messtechnik, wird völlig neue Anwendungsfelder finden. Bis heute sind erst 15 bis 20 % aller Möglichkeiten erschlossen. Analysten der WestLB (Westdeutsche Landesbank) schätzen, dass der Umsatz in Europa von 678 Mio. € im Jahr 2000 auf 2,5 Mrd. € im Jahr 2006 ansteigen wird. Hierbei kann Europa mit einem Anteil am Weltmarkt von 25 % gegenüber den USA (33 %) und Japan (30 %) noch aufholen.
Der Weltmarkt für Sensoren hat sich in kurzer Zeit verdreifacht. Wurden 1999 noch knapp 10 Mrd. US-$ umgesetzt, waren es im Jahr 2001 bereits 30 Mrd. Die Zahl der verkauften Sensoren stieg auf 400 Millionen
E-Business als neue Chance. Auf der Suche nach Sparmöglichkeiten setzen Unternehmen auf das Internet. Eine Studie der Deutschen Bank und der Unternehmensberatung Roland Berger & Partner zur Kostensenkung durch E-Business in der Automobilbranche ergab, dass die Hersteller pro Fahrzeug bis zu 5 % der Gesamtkosten sparen könnten. Allein der Einkauf über das Internet birgt mit neuen Geschäftsmodellen wie Desktop Buying oder elektronischen Marktplätzen enorme Chancen. DaimlerChrysler etwa wickelte im Jahr 2001 ein Einkaufsvolumen von 10 Mrd. € mit 510 Online-Bieteverfahren ab. Bei Chrysler wurden 43 % des Teile-Gesamtwerts einer künftigen Baureihe elektronisch verhandelt. "Die im E-Procurement erzielten wirtschaftlichen Effekte decken bereits im ersten Jahr der Implementierung die bisherigen Investitionen in E-Business ab und bergen auch für die Zukunft große Potenziale", sagt Dr. Rüdiger Grube, stellvertretendes Vorstandsmitglied für die Konzernentwicklung von DaimlerChrysler.
Angaben über das weltweite Marktvolumen von B2B E-Commerce, dem elektronischen Handel zwischen Unternehmen, unterliegen allerdings aufgrund unterschiedlicher Definitionen und Erfassungsmethoden starken Schwankungen. So reichen die Schätzungen von 200 Mrd. US-$ (Morgan Stanley) bis 604 Mrd. US-$ (Forrester Research). Forrester geht davon aus, dass allein in den USA bis zum Jahr 2006 Geschäfte im Wert von 7 Bio. US-$ online abgewickelt werden. Dann würden 27 % der Waren und Dienstleistungen in den USA über B2B E-Commerce verkauft.
Sylvia Trage