Gastkommentar
Effizienter forschen in dynamischen Innovationsnetzwerken
Wolfgang Wahlster
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Wahlster ist Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken und Kaiserslautern
In der Informationstechnik sind die Innovationszyklen so kurz, dass die klassische Arbeitsteilung der Forschung und Entwicklung nicht mehr funktioniert: Bis man von der Grundlagenforschung über viele streng getrennte Entwicklungsstadien in unterschiedlichen Organisationen schließlich zur industriellen Umsetzung kommt, vergeht viel zu viel Zeit. Dieses nicht mehr zeitgemäße Fließband-Prinzip muss daher durch dynamische Innovationsnetzwerke ersetzt werden, in denen öffentlich geförderte Grundlagenforschung, Anwendungsentwicklung und Produkttransfer miteinander vernetzt und in Centers of Excellence konzentriert sind.
Auch ist es eine Tatsache, dass spezialisierte Zentren schneller und im globalen Forschungswettbewerb erfolgreicher sind. Ein gutes Beispiel ist das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das für dieses Gebiet das gesamte Innovationsspektrum abdeckt und seit seiner Gründung 1988 eng mit der Zentralabteilung Corporate Technology der Siemens AG kooperiert. Um das Innovationstempo zu erhöhen, laufen im DFKI Projekte zur Grundlagenforschung, zur angewandten Forschung und Entwicklung sowie Transferprojekte unter einem Dach, und sie werden von den gleichen Wissenschaftlern in wechselnden Teams durchgeführt. Dies gilt insbesondere für die Entwicklungen rund um die nächste Internet-Generation (siehe beispielsweise den Artikel zum Semantischen Web).
Im Aufsichtsrat der gemeinnützigen DFKI GmbH haben die industriellen Gesellschafter die Mehrheit. Sie achten auf schlanke Management-Strukturen sowie kosteneffiziente Forschung und richten die Forschungsplanung – die Roadmaps – im Dialog mit den Wissenschaftlern so aus, dass sie gute Aussicht auf industrielle Umsetzung haben. Moderne Forschungszentren wie das DFKI sind in diesem Sinne als Public-Private-Partnership organisiert und eng mit der Industrieforschung verzahnt. Die Arbeit erfolgt streng projektorientiert, Mitarbeiterverträge sind befristet, Industrie und Wissenschaft sind gemeinsam in den Leitungsgremien vertreten, und es gibt schon während der Projektarbeit industrielle Spin-offs. Auch sollen die meisten Wissenschaftler keineswegs bis zur Pensionsgrenze Forscher bleiben – dies soll ganz im Gegenteil nur der Lebensabschnitt nach einer erfolgreichen akademischen Ausbildung sein. Junge Wissenschaftler sollen in solchen Centers of Excellence für einen befristeten Zeitraum wirtschaftsnah forschen, um danach entweder in Hochschulen moderne Ausbildungskonzepte zu verwirklichen oder in der Wirtschaft den Technologietransfer über Personen anzustoßen.
Public-Private-Partnerships, projektorientierte Forschung, die Herausbildung von Centers of Excellence, aber auch die gemeinsame Erarbeitung von Forschungs-Roadmaps, wissenschaftlichen Megatrends und strategischen Förderschwerpunkten durch die besten Köpfe aus Wissenschaft und Wirtschaft – all dies sind wesentliche Bestandteile der dynamischen Innovationsnetzwerke, mit deren Hilfe die beteiligten Unternehmen ihre Spitzenstellung in wichtigen Bereichen der Informationstechnik weiter ausbauen können.