Leuchtdioden (LED) mit geringem Stromverbrauch und langer Lebensdauer ersetzen immer häufiger Glühlampen oder andere Leuchtmittel. Dieser Siegeszug war auch durch die Entwicklungsarbeit von Charles Coushaine (50) möglich: Er hat den Aufbau von LED-Modulen für die unterschiedlichsten Anwendungen maßgeblich mitgestaltet.
Leuchtdioden (LED) ersetzen in den vergangenen Jahren immer häufiger in Autoscheinwerfern, Ampeln sowie in Raum- und Gebäudebeleuchtungen Glühlampen oder andere Leuchtmittel. Dieser Siegeszug war auch durch die Entwicklungsarbeit von Charles Coushaine (50) möglich: Er hat den Aufbau von LED-Modulen mit Halbleiterkristall, Reflektorwanne, Ummantelung und Sockel für die unterschiedlichsten Anwendungen maßgeblich mitgestaltet.
LED haben viele Vorteile: Sie sind mechanisch robust, einfach zu dimmen, haben eine sehr kompakte Bauweise und lange Lebensdauer. Sie ermöglichen es, komplexe optische Komponenten zu miniaturisieren. Allerdings stellen LED mit ihren elektrischen, thermischen und optischen Eigenschaften Entwickler auch vor besondere Herausforderungen. Coushaine hat diese angenommen: Er nennt seine Tätigkeit Produktdesign und meint damit weniger die ästhetischen Aspekte sondern die Kombination der verschiedenen Komponenten einer LED und deren technischen Zusammenbau. Studiert hat er Maschinenbau an der Northeastern University in Boston, USA. Nach seinem Abschluss 1984 arbeitete er einige Jahre als Ingenieur bei einem Unternehmen für Automatisierungstechnik und wechselte 1988 zu Sylvania, einem Leuchtmittelhersteller, der 1993 von Osram übernommen und in OSRAM SYLVANIA umbenannt wurde. Das Unternehmen ist, wie auch Osram, eine hundertprozentige Tochter von Siemens. Auch bei Sylvania war Coushaine zunächst für die Automatisierungstechnik zuständig, doch als sein Arbeitgeber 1992 Ingenieure für ein Entwicklungsprojekt für Autoscheinwerfer suchte, beschloss er, dort zunächst probehalber mitzuarbeiten. „Das war für mich ein ganz wichtiger beruflicher Wendepunkt“, erklärt Coushaine, „ich wechselte von der Entwicklung von Automatisierungsanlagen für die Herstellung von Leuchtmitteln zur Entwicklung von Leuchtmitteln.“
Nach der Übernahme durch Osram im Jahr 1993 begann Coushaine, intensiv an der ständigen Verbesserung von LED-Produkten für Automobile mitzuarbeiten. Sein erster großer Erfolg war die Entwicklung von Joule, dem weltweit ersten standardisierten LED-System für die Automobilindustrie. „Ich war mit dem Team für die Entwicklung und das Design beim Aufbau des LED-Moduls zuständig“, erklärt Coushaine. Wie sind die einzelnen Elemente angeordnet? Wo sind die Anschlussdrähte? Welche Materialen sind optimal? Diese und viele andere Fragen spielten bei der Entwicklung eine Rolle.
Seit der Markteinführung von Joule 2005 wurde die LED-Technik ständig weiterentwickelt. Beispielsweise erhielten die kleinen Leuchtzwerge im Laufe der Zeit immer mehr Leuchtkraft – und so mussten auch die Joule-Produkte ständig verändert werden. Coushaine war mit seinem Joule-Entwicklungsteam stets auf dem neuesten Stand. „Wir konnten beispielsweise die Anzahl der Leuchtdioden in einem Modul wegen ihrer größeren Leuchtkraft nach und nach verringern“, erklärt Coushaine. Dadurch werden die Module effizienter, billiger und kompakter. Mittlerweile ist bereits die zweite Generation von Joule für Rückleuchten in Serie gegangen. Damit sind beispielsweise etliche Automodelle wie der Ford Mustang und Modelle von Audi, BMW oder Volkswagen ausgestattet.
Nachdem die LED für Automobile zur Standardanwendung geworden war, suchte Coushaine nach neuen Herausforderungen und wechselte 2006 zur ebenfalls zu OSRAM SYLVANIA gehörenden New Ventures Group, die neue Anwendungsmöglichkeiten von LED entwickelt. „Hier ging es von Anfang an darum, der LED neue Einsatzmöglichkeiten zu schaffen. Kurzum: Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt“, schwärmt Coushaine. Und hier schöpft er aus dem Vollen: „Ich mache nur noch verrückte Sachen – und sie funktionieren!“ Ob Tischläufer für den Esstisch mit LED-Beleuchtung, zusammenklappbare LED-Taschenlampen oder die mittlerweile weit verbreiteten “Dot-it“-LED, die selbsthaftenden runden Leuchten, die man mit kurzem Druck auf die Oberfläche ein- und ausschaltet – Coushaine hatte die Idee. In den USA ist auch eine spezielle von ihm konzipierte Lampe für die Dusche ein großer Erfolg: In vielen alten Häusern gibt es kein elektrisches Licht in der Dusche. Coushaine entwickelte daher eine LED-Lampe, die ihren eigenen Strom mit einem kleinen Generator erzeugt – und der wird ganz einfach vom Wasserstrahl, der in den Duschkopf fließt, angetrieben. „Zwei Jahre haben mein Team und ich daran getüftelt“, erinnert sich Coushaine. Das Problem war, einen Generator zu erfinden, der mit sehr wenig Wasser genügend Strom für die LED erzeugen konnte, „schließlich musste ja genug Wasser zum Duschen übrig bleiben“. Die Entwicklung wurde schnell zum Kassenschlager: bis heute gibt es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in Tausenden von Duschen Licht dank der Eco-Shower-Lampe.
Erfinden ist für den Vater von drei Kindern ein kreativer Akt, für den jeder Entwicklungsingenieur freie Arbeitszeit zur Verfügung haben sollte. Auf sein Konto gehen bisher 159 Erfindungsmeldungen, 184 erteilte Einzelpatente und 59 Schutzrechtsfamilien.
Da bis auf die jüngste Tochter alle seine Kinder bereits aus dem Haus sind, hat Coushaine wieder mehr Zeit für seine zahlreichen Hobbys. Eines davon ist, wen wundert es, die Dekoration seines Hause in Rindge, New Hampshire, mit LED-Ketten, die je nach Jahreszeit die Farbe wechseln – Orange zu Halloween, Rot und Grün an Weihnachten: „Meine Nachbarn lieben es!“ Liebevoll Pflege erfordert ein Oldtimer, ein Ford T, Baujahr 1913. Und mit seiner Frau geht Coushaine fast jedes Wochenende zum Campen. Dabei üben die beiden ein Hobby aus, das weltweit immer mehr Anhänger findet: Das „Geocaching“, eine Art GPS-gelenkte Schatzsuche für Erwachsene, bei dem verschiedenste Gegenstände versteckt und das Versteck in Form von Koordinaten im Internet veröffentlicht wird.