Menschenleben stehen auf dem Spiel, wenn in einem Gebäude Feuer ausbricht. Besonders bei großen Büro-hochhäusern ist es unabdingbar, dass Feueralarmsysteme auch bei Stromausfall zu hundert Prozent zuverlässig funktionieren. Karen Lontka hat eine spezielle Schaltan-ordnung erfunden, die bei einem Blackout dafür sorgt, dass das Feueralarmsystem auch mit Batterie funktioniert.
Zuverlässige Stromversorgung für die Feueralarmsignale
Karen Lontka (65) aus Florham Park in New Jersey, USA, hat zahlreiche Erfindungen gemacht, die dafür sorgen, dass Menschen bei Feueralarm rechtzeitig gewarnt werden. Eines ihrer bedeutendsten Patente betrifft eine spezielle Schaltanordnung für Feueralarmsysteme. Sie bewirkt, dass das System auch bei Batteriebetrieb zuverlässig funktioniert.
Lontka ist seit über 30 Jahren Spezialistin für Feueralarmsysteme. Diese unterscheiden sich von Kontinent zu Kontinent. In Europa hat die Verständigung der Rettungskräfte Priorität. „Dagegen steht in den USA bei Feueralarm die Evakuierung an vorderster Stelle, deshalb werden die Menschen mit lauten Alarmsignalen wie Hupen, Sirenen und Glocken in Kombination mit Warnblinken gewarnt“, erklärt Lontka. Diese visuellen und akustischen Alarmsysteme müssen auch bei einem Stromausfall reibungslos funktionieren. „Feuer bricht häufig bei solchen Black-Outs aus, da die Menschen Feuerzeuge und Kerzen benutzen, um Licht zu machen“, erklärt Lontka. In den USA werden für die Notfallversorgung von Feueralarmsystemen Batterien von ähnlichem Typ wie Autobatterien verwendet, da sie als Massenware günstig produziert werden können. „Sie haben allerdings den Nachteil, dass die Spannung kontinuierlich abfällt, was den Einsatz von zusätzlichen Geräten erfordert und die Kosten in die Höhe treibt“, erklärt Lontka. Um dieses Problem zu lösen, hat Lontka einen Stromkreis erfunden, der zwischen der primären Stromquelle, also der regulären Stromversorgung, und der sekundären Stromquelle, der Batterie, einen Stromrichter hat. Dieser sorgt dafür, dass die Spannung immer hoch genug ist und schützt gleichzeitig vor Kurzschlüssen.
Lontka hat weitere Einsatzmöglichkeiten entwickelt: Da die Netzspannung in den USA 120 Volt beträgt, sind Kabel generell wesentlich dicker als beispielsweise in Europa bei 230 Volt. „Für den Anschluss von vielen hundert Feueralarmgeräten in einem Gebäude ist es deshalb wichtig, die Stromkreisschaltungen so anzuordnen, dass entweder die Kabel dünner sein können, mehr Geräte auf einmal angeschlossen werden können oder die Entfernungen zwischen Stromquelle und Gerät größer sein können“, erklärt Lontka. Ihre Erfindung eröffnet diese Möglichkeiten und sorgt deshalb für erhebliche Einsparungen bei der Installation von Feueralarmsystemen. Auch weitere Erfindungen Lontkas sind in diesem Bereich angesiedelt.
Das Rennen um das Patent war in diesem Fall denkbar knapp. „Dabei hatte ich die Idee für das System bereits einige Jahre zuvor entwickelt“, berichtet die Physikerin. Sie arbeitet bereits seit fast 30 Jahren an Entwicklungen für Feueralarmsystem, immer im selben Unternehmen in Florham Park, New Jersey, das im Jahr 2010 von Siemens übernommen und in den Sektor Infrastructures & Cities eingegliedert wurde. Die Siemens-Experten erkannten sofort den Wert von Lontkas Erfindung, die bis dahin mangels Interesse der früheren Verantwortlichen in ihrer Schublade lag: Die Schaltanordnung wurde in die Produktpalette übernommen, und Siemens meldete sie zum Patent an. Inzwischen hatte zwar auch ein Mitbewerber eine ähnliche Erfindung gemacht, doch Siemens hatte die Nase vorn. Insgesamt gehen 35 Erfindungen auf das Konto von Lontka, die auf 25 Einzelpatente in 20 Schutzrechtsfamilien verweisen kann.
Lontkas beruflicher Weg ist eine amerikanische Erfolgsgeschichte. „Ich komme aus einer sehr armen Familie und war stolz, Lehrerin für Mathematik und Physik zu sein“, erzählt sie. Als in den 70er-Jahren in ihrem Wohnort in New Jersey das erste Geschäft für PCs eröffnete, verdiente sich die junge Lehrerin etwas für ihr Magisterstudium hinzu, indem sie Computer reparierte. Eines Tages kam der Geschäftsführer eines großen, auf Feueralarmsysteme spezialisierten Unternehmens in das Geschäft, auf der Suche nach einem Fachmann, der Programmierung beherrschte. Lontka nahm den Auftrag über das Wochenende mit nach Hause und präsentierte ihr Programm am Montag. Zwei Tage später erhielt sie ein Jobangebot, das sie zunächst nicht annahm. Sie arbeitete als Beraterin und studierte weiter. Für ihre Abschlussarbeit schrieb sie ein auf PCs einsetzbares Programm für die Analyse von elektronischen Schaltungen. „Mir war überhaupt nicht bewusst, dass ich wahrscheinlich die einzige Person außerhalb Kaliforniens war, die so etwas konnte“, sagt Lontka heute lachend. Statt also aus diesen Fähigkeiten Kapital zu schlagen, arbeitete sie weiter als Beraterin, unter anderem auch für das Unternehmen, für das sie ihre erste Programmierung geschrieben hatte. „Nachdem ich dort jahrelang freiberuflich Projekte übernommen hatte, wurde mir die Leitung der Entwicklungsabteilung angetragen.“ Sehr viele der Produkte, die auch in das Siemens Portfolio übernommen wurden, entstanden unter der Federführung von Lontka.
An Ruhestand denkt die Erfinderin noch nicht. „Dafür finde ich meine Arbeit viel zu spannend.“ Privat ist sie allerdings auch voll ausgelastet: Mit ihrem Lebensgefährten segelt sie gerne auf dem nahegelegenen See, außerdem fliegt sie Ultraleichtflugzeuge und fährt Ski und spielt Curling. Außerdem ist sie auch ehrenamtlich sehr aktiv, unter anderem leitete sie den Ortsverein der amerikanischen Frauenrechtsbewegung NOW (National Organisation for Women).