Terence Michael Shore (71) gilt mit 613 Einzelpatenten als einer der erfolgreichsten Erfinder von neuen Technologien für Walzwerke. Mit seinem patentierten Reduzier-/Kalibrierwalzwerk oder dem nach ihm benannten MORSHOR-System zur Erhöhung der Walzkapazität können Walzwerke schneller und kostengünstiger arbeiten und hinsichtlich der Produktbandbreite flexibler sein.
Um im harten Konkurrenzkampf zu bestehen, müssen Walzwerke nicht nur schnell und kostengünstig arbeiten, sondern hinsichtlich der Produktbandbreite flexibel sein. Terence Michael Shore (71) gilt als einer der erfolgreichsten Erfinder von neuen Technologien für Walzwerke. Sein patentiertes Reduzier-/Kalibrierwalzwerk oder das nach ihm benannte MORSHOR-System zur Erhöhung der Walzkapazität sind nur zwei der bekanntesten Beispiele für die Vielzahl von Erfindungen, deren Einbau in Walzwerken auf der ganzen Welt meist auch von Shore selbst überwacht wurde.
Als Siemens 2008 die Morgan Construction Company mit Hauptsitz in Worcester, Massachusetts (USA) übernahm, erwarb das Unternehmen nicht nur einen der weltweit führenden Hersteller auf dem Gebiet der Walzwerktechnologie, sondern konnte auch den Senior Vice President Shore als neuen Mitarbeiter mit einem geradezu enzyklopädischem Wissen über Walzwerke begrüßen. Geboren 1939 in Wickersley in South Yorkshire, England, hatte Shore als Heranwachsender, wie viele seiner Altersgenossen, in seiner Heimat die Wahl zwischen genau zwei Berufsalternativen: Eine Beschäftigung im Kohlebergbau oder in einem Stahlwalzwerk. Shore entschied sich dafür, 1954 bei der British Iron & Steel Research Association als Techniker in der Metallurgie zu arbeiten und gleichzeitig die Konstruktion von Walzwerken am Rotherham Technical College zu studieren.
Im Herbst 1960 wechselte Shore zur amerikanischen Morgan Construction Company, die in Europa ihren Standort in Manchester hatte. Von dort aus reihte sich ein Auslandseinsatz an den nächsten: Knapp 50 von Morgan gelieferte Walzwerke nahm Shore rund um den Globus in Betrieb – und tüftelte dabei unaufhörlich an Verbesserungen. Walzwerke sind riesige und sehr komplexe Anlagen für die Herstellung von Stangen oder Stäben aus Stahl und anderen Metallen. Ausgangsprodukte sind Blöcke oder so genannte Knüppel. Dabei wird das Material so lange zwischen Walzen geformt, bis es die gewünschte Form hat. Die Walzen sind in Gerüsten gelagert. Je kleiner das fertige Produkt ist, desto mehr Gerüste hat das Walzwerk. Stäbe werden für die Herstellung von vielen Produkten benötigt, angefangen von einfachen Nägeln, Bolzen, Ventilen bis hin zu Kugellagerstahl.
Shore versuchte ständig, die Produktivität der Walzwerke zu verbessern, indem er Prozesse entweder beschleunigte oder so optimierte, dass sich die Qualität der Produkte steigerte und manche Nachbearbeitungsschritte überflüssig wurden.
Schließlich gelang es Morgan, die Familie Shore samt dessen Ehefrau Brenda und Sohn Mark, der mittlerweile ebenfalls in dem Unternehmen arbeitete, 1988 zum Umzug von Cheshire im ländlichen England in die USA nach Worcester zu bewegen. Als Oberingenieur trieb Shore seine neuen Entwicklungen von da an noch vehementer voran. Dabei schöpfte er aus seiner reichhaltigen Erfahrung aus der Montage und Inbetriebnahme neuer Walzwerke.
Eine seiner jüngsten und gleichzeitig wichtigsten Erfindungen ist das MORSHOR-System, das speziell Produktion von Stäben mit geringem Durchmesser wesentlich erhöht. Denn das Problem bei der Herstellung von Stäben ist unterschiedliche Prozessgeschwindigkeit, mit dem der Stahl in den verschiedenen Produktions-Stationen des Walzwerkes verarbeitet werden kann. Ein Stabwalzwerk mit hoher Kapazität kann etwa 150 Tonnen pro Stunde produzieren. Beispielsweise können Stäbe mit 12,5 Millimeter Durchmesser leicht mit einer Kapazität von 150 Tonnen pro Stunde produziert werden, während Stäbe mit einem Durchmesser von 5,5 Millimeter nur mit der Hälfte der Kapazität, also mit 75 Tonnen pro Stunde, hergestellt werden können. Dies liegt daran, dass so dünne Stäbe nur mit einer Maximalgeschwindigkeit von 110 bis 120 Meter pro Sekunde (dies entspricht 400 Stundenkilometer) gewalzt werden können. Wie kann man also kleine Walzprodukte mit höherer Kapazität produzieren?
Shore überlegte sich, wie die Produktion in der Endbearbeitung beschleunigt werden könnte und kam auf die Idee, nach dem Zwischenwalzwerk zwei Komponenten in Trommelform einzubauen, die als Zwischenlager dienen und die er Morshor Maximizer nannte. So gelangen die Stäbe mit kleinerem Durchmesser über die beiden Zwischenlager zum Weiterwalzen zu zwei Endwalzen mit einer entsprechend niedrigeren Kapazität, während Stäbe mit größerem Durchmesser in einer Produktionslinie mit der höheren Produktionskapazität von 150 Tonnen pro Stunde gewalzt werden können, aber in einer langsameren Geschwindigkeit. Diese größeren Stäbe gelangen direkt von der Zwischenwalze in die Endwalze, wo die Stahlprodukte auf die gewünschte Größe heruntergewalzt werden.
Ein Meilenstein für die Verbesserung von Produktivität, Qualität und Effizienz war Shores Erfindung des so genannten Größen-Reduzier-Walzwerkes (Reducing/Sizing Mill). Mehr als 60 derartiger Walzenanlagen sind bereits weltweit installiert. Mit dieser Expertise hat Shore diesen Walzwerk-Typ zu einem der ausgereiftesten seiner Art gemacht. Dieses Walzwerk erhöht die Produktion von allen Stäben um bis zu 60 Prozent und arbeitet dabei extrem präzise. Eine der Gründe, warum das Reduzier-/Kalibrierwalzwerk so effektiv arbeitet, sind Walzvorgänge bei sehr niedrigen Temperaturen. Dadurch sind die Oberflächen der Stäbe so glatt, dass einige der sonst üblichen Schritte in der Endbearbeitung entfallen.
Mit vielen anderen Erfindungen hat Shore Arbeitsvorgänge in Walzwerken vereinfacht:
Beispielsweise können mit dem No-Twist-Walzwerk die Kaliber, die den Durchmesser der Stäbe bestimmen, in nur fünf Minuten ausgetauscht werden. Kaliber sind die umlaufenden Konturen in der Walze, die zusammen mit den Konturen in der Gegenwalze den Durchmesser des Stabes bestimmt. Bei allen Erfindungen hat Shore aufgrund seiner großen Erfahrung mit Walzwerken die genaue Anordnung von Tausenden von Anlagenteilen präzise aufeinander abgestimmt, mit ausgeklügelten Automatisierungssystemen die Geschwindigkeit der verschiedenen Walzprozesse errechnet und so die riesigen Anlagen für die Produktion von millimetergenauen Stäben und Drähten optimiert. Die 43 Erfindungsmeldungen, 613 erteilten Einzelpatente und 45 Schutzrechtsfamilien zeigen, wie unermüdlich Shore an der Verbesserung von Walzwerken arbeitet.
An Rente ist, zum Leidwesen seiner Ehefrau, bei Shore noch lange nicht zu denken. Zurzeit tüftelt er an einer neuen Methode, um die Geschwindigkeit und damit die Produktionskapazität bei Edelstahlwalzwerken zu erhöhen. Trotz seiner vielen Reisen – in jüngeren Jahren war Shore an bis zu 300 Tagen im Jahr auf Achse – hat der Erfinder noch Zeit für viele Hobbys gefunden. So hat er sein Cottage in England eigenhändig renoviert und eine gigantische Modelleisenbahn in der Garage aufgebaut. Außerdem liebt Shore Oldtimer: Sein ganzer Stolz ist ein knallroter Jaguar XK140, Baujahr 1955.