Für das Schalten von Motoren in der Automatisierungstechnik ist ein Gerät unerlässlich: das so genannte „Schütz“. Die Ingenieurin Manuela Lüftl hat sich bei Siemens im Sektor Industry darauf spezialisiert, Schütze für verschiedene Leistungsklassen zu entwickeln. Die neue Generation von Schützen, werden etwa in Motoren der Automobilfertigung, der Stahlindustrie oder im Maschinenbau eingesetzt.
Für das Schalten von Motoren in der Automatisierungstechnik ist ein Gerät unerlässlich: das so genannte „Schütz“. Die Ingenieurin Manuela Lüftl hat sich bei Siemens im Sektor Industry darauf spezialisiert, Schütze für verschiedene Leistungsklassen zu entwickeln. Sie sind Bestandteil der industriellen Schalttechnikproduktreihe Sirius von Siemens. Die vergangenen zwei Jahre hat die Ingenieurin in Indien eine Entwicklungsabteilung geleitet, vor kurzem ist sie an den Standort Amberg zurückkehrt.
Ein Schütz dient wie ein Relais dazu, Stromkreise aus der Ferne zu schalten. Im Gegensatz zum Relais ist aber ein Schütz auf deutlich höhere Lasten bis zu mehreren Hundert Kilowatt ausgelegt. Schütze werden zusammen mit Leistungsschaltern im Maschinenbau, in der Hebe- und Fördertechnik sowie in der Automobil- und in der Stahlindustrie benötigt, um Motoren zu steuern. Es gibt sie seit rund hundert Jahren, und sie werden bei Siemens kontinuierlich weiter entwickelt. Etwa alle zehn Jahre kommt eine neue Generation von Schützen und Zubehör wie Schalter auf den Markt. Die modernen Schütze von Siemens brauchen extrem wenig Energie und senken so nicht nur den Eigenverbrauch, sondern auch die Abwärme im Schaltschrank. Dieser braucht dann weniger Kühlung, was wiederum erneut zu Energieeinsparungen führt.
Die Ingenieurin Manuela Lüftl hat bei der Entwicklung der jüngsten Generation von Schützen, die im Siemens Werk in Amberg, Oberpfalz, entstanden sind, von Anfang an maßgeblich mitgearbeitet. Zuvor war sie vier Jahre am gleichen Standort als Kunststoffexpertin für Niederspannungsgeräte tätig. Kunststofftechnik war auch ihr Studienfach an der Fachhochschule Rosenheim. Seit ihrem Wechsel in die Konstruktion 1994 hat sie kontinuierlich Erfindungsmeldungen für Niederspannungsschaltgeräte eingereicht. Insgesamt beträgt die Zahl ihrer Einzelpatente 41, die in 18 Schutzrechtsfamilien geschützt sind.
Eine wichtige Innovation stellt ihre Erfindung einer besonderen Anordnung der Löschbleche in der Lichtbogenkammer dar. Diese dient dazu, den Lichtbogen, der beim Schalten eines Schützes bei hohen Leistungen entsteht, zu löschen. Die neue Generation von Schützen, an deren Entwicklung Lüftl von Anfang an beteiligt war, die beispielsweise in Motoren der Automobilfertigung, der Stahlindustrie oder im Maschinenbau eingesetzt werden, haben einen größeren Leistungsbereich als die Vorgängergeräte. Der neue Systembaukasten ermöglicht es außerdem, perfekt aufeinander abgestimmte, flexibel kombinierbare Komponenten, einfacher denn je durch Stecken zu verbinden, klick und fertig! Aufwändiges Verdrahten gehört der Vergangenheit an, ebenso wie die Gefahr von Verdrahtungsfehlern. Lüftl hat die gesamte Entwicklung dieses Baukastensystems mitsamt dem Zubehör mitverantwortet. „Vom Anforderungsprofil über die Prototypentwicklung bis hin zur Zertifizierung arbeite ich mit vielen verschiedenen Abteilungen zusammen“, erklärt sie. Schon als junge Frau wusste Lüftl, dass sie einen technischen Beruf ergreifen würde, „denn die Fächer Mathematik, Physik und Chemie fielen mir immer leicht.“ Der Beruf der Ingenieurin reizte sie: Vorstellungskraft und Kreativität seien nötig, um aus einer Zeichnung ein Produkt zu entwickeln.
Neue Herausforderungen waren immer ein Ansporn für die Ingenieurin. Das Angebot, innerhalb des Sektors Industry eine Entwicklungsabteilung für Siemens in Indien aufzubauen, nahm sie vor zwei Jahren begeistert an. „Der Sprung von der Kleinstadt Amberg nach Mumbai mit seinen rund 18 Millionen Einwohnern war natürlich gewaltig“, erklärt die gebürtige Niederbayerin. Der Entwicklungsstandort Indien ist für Siemens von großer strategischer Bedeutung. „Während früher Neuentwicklungen in der Regel aus Deutschland kamen und in Indien nur an die lokalen Bedingungen angepasst wurden, gibt es bereits seit einigen Jahren immer mehr Innovationen, die hier vor Ort entstehen“, erklärt Lüftl. Ihre Aufgabe war es, Abteilungsstruktur und die Prozesse von Neuentwicklungen in Indien und in Deutschland anzugleichen. „Für eine gute Kommunikation zwischen den verschiedenen Entwicklungsstandorten ist es notwendig, dass das Verständnis, wie Entwicklungen vorangetrieben werden, das gleiche ist“, sagt Lüftl. Im Herbst 2012 hat sie diese Aufgabe beendet und ihre Abteilung an einen indischen Kollegen übergeben. Auch auf familiäre Unterstützung musste Lüftl nicht verzichten: Ihr Mann konnte seine berufliche Tätigkeit so bündeln, dass er jeweils eine Jahreshälfte in Indien verbringen konnte. Ihre Hobbys Bergwandern und Radfahren konnten sie und ihr Mann in der Millionenmetropole allerdings nicht pflegen, dafür konnte sie einige interessante Reisen in verschiedenste Gebiete in Indien durchführen. Zurück in Amberg leitet Lüftl nun die Fertigung- und Prüfplanung für elektronische Produkte.