Dr. Stefan Popescu (49) aus Erlangen verkürzt bei einem Computertomographen die Zeit zwischen Datenaufnahme und Bereitstellung der rekonstruierten Bilder. Dr. Stefan Popescu wurde von Siemens als „Erfinder des Jahres 2009“ geehrt.
Der Computertomograph (CT) hat eine 35-jährige Erfolgsgeschichte hinter sich. Seit Siemens 1974 als erster Medizintechnikhersteller weltweit den ersten Computertomographen auf den Markt brachte, hat sich die Technologie rasant entwickelt. Aufnahmesysteme wurden zunehmend leistungsfähiger und die Rotation der Aufnahmesysteme um den Patienten wurde immer schneller. Computertomographen der neuesten Generation weisen zudem ein zusätzliches Aufnahmesystem auf, mit dem sich Aufnahmezeiten verkürzen und organspezifische Untersuchungen durchführen lassen. Durch diesen Technologiesprung werden völlig neue Felder an medizinischen Applikationen eröffnet. Dr. Stefan Popescu, 49, hat in diesem breiten Spektrum der Technologie wichtige Beiträge für die Innovation der Computertomographen und der Applikationen geleistet. Seit 1999 arbeitet er bei Siemens und hat in dieser Zeit bereits 78 Erfindungen gemacht, aus denen 74 Schutzrechtsfamilien hervorgegangen sind, die bereits zu 63 erteilten Einzelpatenten geführt haben.
Ein Beispiel einer solchen Erfindung ist das Konzept für hohe Datenübertragungsraten über ein Schleifring-System (High Capacity Slip Ring System). Erst diese Technologie machte es unter anderem bei der Entwicklung schnell rotierender Mehrschicht-Computertomographen möglich, die aufgenommenen Daten schnell genug zur Weiterverarbeitung von dem rotierenden auf den stationären Teil des Computertomographen zu übertragen. Denn diese Übertragungsstrecke war das Nadelöhr bei der Datenübertragung, das Popescu überwinden wollte. „Ab 16 Schichten war es nicht mehr möglich, die Daten in Echtzeit zu übertragen“, erinnert sich Popescu.
Siemens war von Anfang an Trendsetter in der Computertomographie und wollte als erster Hersteller die Steigerung von vier auf 16 Schicht-Aufnahmen schaffen. Popescu arbeitete fieberhaft an einem neuen Übertragungsweg. „Weil sich auch die Rotationszeiten bei Mehrschicht-Computertomographen auf unter eine halbe Sekunde verkürzten, hat sich die Datenrate explosionsartig vervielfacht“, erklärt Popescu.
Die Herausforderung bestand also darin, eine Datenrate von mehreren Gigabit pro Sekunde zu realisieren, denn bei Computertomographen mit mehr als sechs Schichten begann die Übertragungsqualität zu stark abzufallen. „Ich dachte mir also eine Art Regenerator aus, der die Daten auf dem Sendeweg zuverlässig wieder in ihre ursprüngliche Qualität bringt“, erklärt Popescu. Seine Erfindung ist seit einigen Jahren Standard in den Mehrschicht-Computertomographen von Siemens und von allen anderen Wettbewerbern. Die neue rotierende Datenübertragungs-Strecke in CT-Scannern ist heute fähig, den gesamten Inhalt einer DVD in weniger als fünf Sekunden zu übertragen.
Nachdem Popescu mit vielen seiner Erfindungen CT-Scanner immer weiter verbessert hat, hat er sich seit Kurzem der Kernspintechnologie zugewandt. Dort analysiert und bewertet er neueste Entwicklungstrends und testet neue Ideen auf Produkttauglichkeit.
Der Siemens Forscher ist in Rumänien geboren und hat dort Medizintechnik studiert. Er promovierte über Diagnosegeräte für Herzkrankheiten. 1996 kam er im Rahmen eines Jahresstipendiums der Bundesregierung nach Deutschland und arbeitete erstmals für Siemens. Zurück in Bukarest unterrichte und forschte er an der Universität über bildgebende Systeme. Auch in dieser Zeit arbeitete Popescu eng mit Siemens zusammen. 1999 entschloss er sich, ganz nach Deutschland überzusiedeln und seinen Forschergeist Siemens zur Verfügung zu stellen.