Was haben Dinosaurier-Schwänze mit Rotorblättern von Windturbinen zu tun? Ganz einfach: Verzahnungen an der hinteren Kante eines Rotorblattes, die wie gezackte Dino-Schweife aussehen, senken den Lärm und erhöhen die Effizienz der Windturbine – dies ist nur eine der Erfindungen von Peder Bay Enevoldsen (44) aus Brande, Dänemark, zur Optimierung von Windturbinen.
Was haben Dinosaurier-Schwänze mit Rotorblättern von Windturbinen zu tun? Ganz einfach: Verzahnungen an der hinteren Kante eines Rotorblattes, die wie gezackte Dinos aussehen, senken den Lärm und erhöhen die Effizienz der Windturbine – dies ist nur eine der Erfindungen von Peder Bay Enevoldsen (44) aus Brande, Dänemark, zur Optimierung von Windturbinen.
Praktisches Arbeiten ist für den Erfinder sehr wichtig. „Ich bin nicht der Typ, der nur am Computer herumtüftelt“, erklärt er. Seine flexiblen „Dinotails“, also ein zackenförmiges Design der Hinterkante des Rotorblatts, das an große Sägezähne erinnert, hat er bereits vor zwölf Jahren erfunden. Obwohl auch andere Hersteller mit Sägezähnen zur Lärmreduzierung experimentierten, hatte niemand zuvor die Verbesserung des Wirkungsgrades erkannt. Die Zähne werden entweder als Teil des Rotorblattes mitgefertigt oder können auch nachträglich aufgeklebt werden, um ältere Rotorblätter zu verbessern. Die Größe der Dinotails kann entlang der Rotorblattkante variieren, je nach Länge des Rotorblatts. Eigentlich suchte Enevoldsen nach einer Lösung, um die Lärmentwicklung von Windturbinen zu reduzieren, was wichtig ist für Anlagen, die auf dem Festland installiert sind. Doch erst mit den neuen Hochleistungsturbinen, deren Rotorblattspitzen sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 350 Stundenkilometer drehen und die auf dem Festland zu viel Lärm erzeugen, ergab sich eine Möglichkeit, das neue Design zu testen. Und erst da zeigte sich, dass die Dinotails nicht nur den Lärm deutlich reduzieren: „Routinemäßig haben wir auch den Wirkungsgrad gemessen. Und der fiel unerwartet hoch aus. Das Ergebnis hat uns begeistert“. Die Energieausbeute kann bis zu vier Prozent im Jahr steigen – das sei sehr viel bei einer Windturbine. Den Namen „Dinotails“ erfand ein englischer Kollege, als er zum ersten Mal ein Rotorblatt mit einer Verzahnung sah.
Dies ist nur eine der 21 Erfindungen, die Enevoldsen bereits zur Optimierung von Windturbinen gemacht hat. Auf sein Konto gehen 53 Einzelpatente in 21 Schutzrechtsfamilien.
Der Erfinder hält aber nicht die Dinotails, sondern vor allem seinen Beitrag zur Fertigung von Rotorblättern am wichtigsten: „Es ist sehr spannend, eine Produktion ganz neu aufzubauen. Das ist eine viel größere Herausforderung als bestehende Prozesse zu optimieren.“ Mit dem patentierten Integral-Blade-Verfahren ist es Siemens Wind Power weltweit als erstem Unternehmen gelungen, das gesamte Blatt in einem Guss aus Glasfaser verstärktem Epoxydharz und Balsaholz herzustellen. Die bis zu 75 Meter langen Rotorblätter sind wesentlich robuster als herkömmliche Blades, da sie weder Nähte noch Klebstellen haben. Weitere Erfindungen Enevoldsens verbessern beispielsweise das Design der Rotorblätter oder die Energieausbeute eines gesamten Windparks durch das optimale Zusammenspiel der einzelnen Windturbinen.
Enevoldsen begeisterte sich schon immer für Windenergie. Das verbindet ihn mit Hendrik Stiesdal, dem Pionier der Windturbinen und heutigen Cheftechnologen von Wind Power, der ihn vor 19 Jahren direkt nach dem Studium zu dem Unternehmen holte, in dem Stiesdal damals arbeitete und das heute zu Siemens Wind Power gehört. Wie Stiesdal ist auch Enevoldsen ein Erfinder mit starkem Bezug zur Praxis. Er erinnert sich noch an die Weihnachtsferien während seiner Studienzeit, in der er im Keller seines Elternhauses ein Experiment über Wasserströmung aufbaute: „Mein Vater, ein Fischer, sah mir zu und meinte: ‚Das sieht doch jeder, dass das Wasser diesen Weg nehmen wird, dafür braucht man doch nicht zu studieren.“ Mit ihm fuhr Enevoldsen häufig zum Fischen aufs Meer. „Der Job des Fischers war mir dann aber doch zu anstrengend“, meint er lachend. Bis heute ist er ein begeisterter Segler und Surfer: „Da hat man den Wind in den Händen, eine prima Voraussetzung, um über Windkraft nachzudenken.“ Und die hat eine große Zukunft: Enevoldsen ist überzeugt davon, dass sich Windturbinen ständig weiter verbessern werden, so dass Windkraft bald konkurrenzfähig zu fossilen Brennstoffen sein wird. Seine Karriere hat offensichtlich nicht darunter gelitten, dass er jahrelang in Teilzeit gearbeitet hat. „Meine Frau ist als Ärztin berufstätig und wir haben drei Kinder. Also mussten wir uns gut organisieren, um alles unter einen Hut zu bringen.“