Eine von Per Egedal entwickelte Software überwacht die Schwingungsfrequenzen der Rotorblätter von Windturbinen. Dadurch werden Schäden sofort erkannt und können repariert werden. Dies ist besonders bei Offshore-Anlagen wichtig. Per Egedal arbeitet bei Siemens Windpower in Brande, Dänemark.
Dank der Ideen von Per Egedal (35) laufen die Windturbinen von Siemens schön rund: Der Däne entwickelt Softwareprogramme, die den Betrieb von Windturbinen automatisch steuern und überwachen. Tausende von Siemens-Windturbinen arbeiten heute standardmäßig mit Programmen des dänischen Erfinders.
Wenn Per Egedal das Gefühl hat, dass seine letzte zündende Idee zu lange her ist, wird er unruhig. So ging es ihm bei einer Weihnachtsfeier der Mitarbeiter von Siemens Wind Power im dänischen Ort Brande vor drei Jahren. Er saß neben dem Pionier der dänischen Windkrafttechnologie, Henrik Stiesdal, heute Technischer Leiter von Siemens Wind Power. „Ich sagte zu ihm, dass wir unbedingt mal wieder etwas Neues erfinden sollten“, erinnert sich Egedal. Stiesdal nahm ein Papier aus seiner Jackentasche, faltete es auseinander und sagte: „Okay, fangen wir an.“ An diesem Abend entstand die Idee, die Last einer Windturbine so zu regulieren, dass sie ihre vorgesehene Lebensdauer von 20 Jahren erreicht. Weht sehr starker Wind, produziert eine Windturbine zwar viel Strom, doch dabei verschleißen einige Bauteile schneller als vorgesehen. Gemäß der Erfindung wird analysiert, inwieweit eine aktuelle Last mit einem optimalen Lastprofil für die gesamte Lebensdauer der Turbine übereinstimmt. Wenn nötig könnten dann Befehle gegeben werden, um die Stromproduktion zu drosseln. Umgekehrt könnte bei schwachem Wind dafür gesorgt werden, dass die Turbine mehr leistet.
Eine weitere Erfindung Egedals besteht in einem Überwachungsprogramm, mit dessen Hilfe Schäden an Rotorblättern frühzeitig erkannt werden können. Dabei werden Frequenzen der Vibrationen im Inneren der Gondel analysiert, um Rückschlüsse auf den Zustand der einzelnen Rotorblätter ziehen zu können. Dafür notwendige Sensoren sind bereits für andere Funktionen in Siemens-Windturbinen vorhanden, so dass man Anlagen einfach mit einem Software-Update nachrüsten könnte. Ein entsprechendes Überwachungssystem könnte Frequenzanalysen von drei Rotorblättern vergleichen und so erkennen, wenn es zu Abweichungen an einem Flügel käme. Damit könnten Reparaturen schnell in die Wege geleitet werden, bevor weitere Bauteile der Windturbine in Mitleidenschaft gezogen werden. Lange Stillstandzeiten könnten so vermieden werden.
Eine von Per Egedal entwickelte Software überwacht die Schwingungsfrequenzen der Rotorblätter von Windturbinen. Im Bild befindet er sich in der Gondel einer Windturbine und hält einen Vibrationssensor in der Hand, der dort eingebaut wird. Weichen die gemessenen Schwingungen vom Normalzustand ab, werden die Rotorblätter sofort überprüft und gegebenenfalls repariert. Per Egedal arbeitet bei Siemens Windpower in Brande, Dänemark.
Für komplexe Programme braucht Egedal einige Monate Entwicklungszeit, andere denkt er sich schon mal an einem Wochenende aus. Als Kind liebte er es, aus Lego komplizierte Konstruktionen zu bauen, und aus dieser Zeit hat er sich einen gewissen Spieltrieb bewahrt: „Ab und zu muss ich auch mal etwas Verrücktes erfinden.“ Weil es ihn störte, wenn sich die Rotoren von Windturbinen, die in einer Reihe stehen, nicht synchron drehen, entwickelte er eine Software, die genau dies steuert. „Technisch macht das keinen Unterschied, aber es sieht doch viel schöner aus“, findet Egedal. Und nicht nur er. Das Programm wird inzwischen sogar an Windfarmbetreiber verkauft.
Egedals Interesse an Windturbinen geht auf ein Praktikum zurück, das er während seines Studiums der Elektrotechnik am Herning Institute of Business Administration and Technology bei einem dänischen Unternehmen für Windturbinensteuerungssysteme absolvierte. „Damals beschäftigte ich mit erstmals mit der elektronischen Steuerung von Windturbinen und fand das so spannend, dass ich auch meine Bachelorarbeit zu diesem Thema verfasste“, erzählt Egedal. Nachdem er 2001 sein Studium beendet hatte, arbeitete er weiter bei diesem Unternehmen. Danach wechselte er zum Windturbinenhersteller Bonus, der kurz darauf von Siemens übernommen wurde. Seither hat sich der Standort in Brande rasant entwickelt: Rund 3.200 Mitarbeiter arbeiten hier für Siemens Wind Power. „Früher waren wir 70 Ingenieure, jetzt sind wir 800“, erklärt Egedal, der heute als Teamleiter Verantwortung für Entwicklungen rund um Lastreduzierung und Automatisierung trägt. Die dafür notwendigen Managementkenntnisse hat er am VIA University College erworben, an dem er von 2008 bis 2010 neben seiner Berufstätigkeit studierte und mit einem Bachelor in Management abschloss. Seit 2008 ist Egedal als Teamleiter und Technologiemanager für Innovationen von der Idee bis zur Implementierung von Anwendungen für die Steuerung von Windturbinen und ganzen Windfarmen verantwortlich. Sein Team entwickelt außerdem Sensoren für die Steuerung und neue Algorithmen, die für Überwachungsprogramme gebraucht werden. In seiner zehnjährigen Berufstätigkeit hat Egedal 51 Erfindungen gemeldet, die in drei erteilte Einzelpatente und 44 Schutzrechtsfamilien mündeten.