Automatisierungssysteme brauchen zuverlässigen Datentransfer. Dr. Ruxandra Scheiterer forscht an Methoden, um die Synchronisation des Industrie-Kommunikationssystems Profinet zu verbessern. Auch im Alltag der vierfachen Mutter ist exakte Abstimmung oberstes Gebot.
Um Daten und Befehle auszutauschen, setzt Siemens bei der Industrieautomatisierung auf den Industrial Ethernet-Standard Profinet. Für viele Anwendungen gilt dabei: Die Daten müssen in Echtzeit ankommen. „Da zählt jede Mikrosekunde“, erklärt Dr. Ruxandra Scheiterer. Seit vier Jahren forscht die 48-Jährige bei CT in München im Global Technology Field „Intelligent Systems and Control“ auf diesem Feld. Damit ist sie ihrem beruflichem Lebensthema – mathematische Optimierung und Kommunikationstechnologien – treu geblieben.
Ihre ersten wissenschaftlichen Sporen verdiente sie sich mit ihrer Doktorarbeit 1989 an der Fakultät für Elektrotechnik in Princeton, USA. Für das im Mobilfunk wichtige CDMA-Verfahren erfand sie Empfangs-Algorithmen, mit denen sich störende Interferenzen anderer Teilnehmer ohne großen Rechenaufwand reduzieren lassen. Ihr Grundstudium hatte Scheiterer an der Technischen Universität in München absolviert, als eine von sechs Frauen unter 600 Studieren den in ihrem Jahrgang. Mathematik war ihr Lieblingsfach – als Schülerin gewann sie drei - mal den Bundeswettbewerb Mathematik –, und Elektrotechnik ermöglichte ihr die Verbindung von Wissenschaft und Praxis.
Doch sie wollte nicht nur einen interessanten Beruf, sondern auch eine große Familie. „Das geht leichter, wenn man Fähigkeiten hat, die für Arbeitgeber interessant sind“, erklärt sie. Nach der Promotion kehrtesie 1989 nach Deutschland zurück und startete bei CT in München. Sie arbeitete an Algorithmen, die aus Störfalldaten in Stromnetzen Diagnoseregeln ab leiten.
Zwei Jahre später folgte Scheiterer ihrem Mann ins Silicon Valley, wo die ersten drei Kinder geboren wurden. „In dieser Zeit habe ich die Literatur verfolgt und war Gutachter von wissenschaftlichen Publikationen in meinem Fachgebiet“, berichtet sie.
Nach der Rückkehr nach München 1998 arbeitete sie auf dem Gebiet der Optimierung und Diagnose von Mobilfunknetzen, oft von ihrem Telearbeitsplatz zuhause aus. Für ihr viertes Kind legte Scheiterer 2004 noch einmal eine einjährige Pause ein. Danach forschte sie an der Optimierung der Systemarchitektur von Glasfaser-Netzen und seit vier Jahren an der präzisen Zeitsynchronisation für Profinet. „Seit es die sicheren VPN-Verbindungen zwischen dem Unternehmen und dem Arbeitsplatz zu Hause gibt, ist es viel einfacher, Familie und Beruf zu verbinden“, sagt sie. Auch das Forschungsteam profitiere davon, denn „ich kann auch an unüblichen Zeiten arbeiten, wenn es das Projekt er fordert“.
Mit technischem Fortschritt will Scheiterer eine bessere Umweltverträglichkeit schaffen. Einen Teil ihrer Freizeit in vestiert sie in die Jugend-Förderung. „Ich bin davon überzeugt, dass die einzige unversiegbare Ressource auf der Welt die menschliche Intelligenz ist, und die brauchen wir dringend”, sagt die Forscherin. Sie leitet am Gymnasium Geretsried eine Mathematik-Arbeitsgruppe und ist Mentorin für das Siemens Young Ladies Network of Technology und bei der Universität der Bundeswehr. Dabei versucht sie weiterzugeben, was sie für wichtig hält: Eigenverantwortung, neue Wege zu gehen und das kontinuierliche Aufbauen persönlicher Fähigkeiten.