Wer die Welt verändern will, braucht zwei Dinge: Den unbedingten Glauben an seine Ideen und das richtige Umfeld. Prof. Dr. Gernot Spiegelberg hat den besten Ort gefunden, um seine Vision der Elektromobilität voranzutreiben – bei Siemens in der Forschung.
Autos und Flugzeuge haben Gernot Spiegelberg schon immer fasziniert. Früh stand deshalb für ihn fest, dass er in diesem Bereich arbeiten würde. Bereits als Teenager war er im Flugverein und schraubte nebenbei mit seinen Freunden Autos zusammen. Privat machte er den Pilotenschein, im Studium legte er hingegen früh den Schwerpunkt auf Autos. Er studierte an der Universität Siegen und an der RWTH Aachen Maschinenbau und Kraftfahrzeugwesen sowie Luft- und Raumfahrt-Technik. „Mein Herz schlug für den Flugzeugbau, aber damals gab es Airbus noch nicht“, erinnert er sich.
So arbeitete er zunächst drei Jahre am Institut für Getriebetechnik und Maschinendynamik in Aachen und fing 1989 bei Daimler an. Dort entwickelte er die erste elektronisch gesteuerte Bremse für Lkw und war ab 2004 für die weltweite Vorentwicklung mechatronischer Systeme verantwortlich. „Damals arbeitete ich auch an Hybridantrieben, und im Gegensatz zu vielen Kollegen sah ich darin nicht den ganz großen Wurf für die Zukunft“, sagt er. Er vergleicht den Hybridantrieb gerne mit der Speicherschreibmaschine, die halb mechanisch, halb elektronisch arbeitete. Erst mit Computer und Textverarbeitungsprogramm revolutionierte sich die Methode, Texte zu schreiben.
Spiegelberg wollte revolutionäre Innovationen beim Auto vorantreiben: „Doch dafür darf ich nicht beim Fahrzeughersteller forschen, sondern muss zum Zulieferer der elektronischen Systeme gehen“, erkannte er. Folglich wechselte er 2006 zu Siemens VDO nach Regensburg und für die Technologie und Strategie weltweit unter anderem die Entwicklung neuer Antriebs- und Bremskonzepte voran. Nach dem Verkauf von VDO an Continental verließ Spiegelberg das Unternehmen und wechselte in die zentrale Forschung von Siemens.
Bei Corporate Technology ist er seit Mai 2008 Leiter des übergreifenden Leuchtturmprojekts Elektromobilität und fühlt sich ganz und gar in seinem Element. Siemens biete mit seinen Sektoren Energy, Industry und Healthcare ideale Möglichkeiten, um alle Facetten der Elektromobilität zu entwickeln, meint Spiegelberg: „Für dieses Thema ist Siemens das beste Unternehmen, das ich mir vorstellen kann!“ Nur hier kann man die Elektromobilität wirklich umfassend angehen – vom Antriebsstrang und der Ladetechnik über die Abrechnungsverfahren bis zur Energieverteilung im intelligenten Stromnetz und der Gebäudetechnik.
Erneuerbare Energien, die ebenfalls bei Siemens vorangetrieben werden, brauchen Zwischenspeicher für den Strom, die wiederum zum Teil durch die Batterien der Elektroautos zur Verfügung gestellt werden können. Solange sie am Netz hängen, können sie sowohl umweltfreundlichen, CO2-freien Strom tanken, wie auch zu Zeiten einer hohen Nachfrage wieder ins Netz abgeben. Und sogar der Sektor Healthcare kann einen Beitrag zum voll-elektrischen Auto leisten: Denn es können beispielsweise Sensordaten – angefangen vom Herzfrequenzmessungen bis zu Müdigkeitsüberwachungen –, die für Fahrerassistenzsysteme erhoben werden, auch gleich mit medizinischer Software verknüpft werden.
Auch in der akademischen Welt ist Spiegelberg gut vernetzt: So vermittelt er seit 1993 Studenten an der Fachhochschule in Karlsruhe Wissen in Mechatronik, ist seit 2004 Honorarprofessor an der Universität von Budapest, und gibt seit 2008 Vorlesungen an der Universität Ostrava. Außerdem ist er seit Juli 2010 für drei Jahre als Rudolf-Diesel-Industry-Fellow Gastwissenschaftler am Institute for Advanced Study der Technischen Universität München (TUM) und treibt dort zusammen mit TUM-Wissenschaftlern die Forschungen zur Elektromobilität weiter voran.
Zweifel an der Durchsetzbarkeit seiner Ideen sind Spiegelberg im Allgemeinen fremd. „Wenn ich etwas für machbar halte, dann hält mich auch nichts davon ab, diesen Weg zu verfolgen“, beschreibt er seine Haltung. „Manchmal muss ich mir deswegen von meinen Mitmenschen anhören, ob ich das ernst meine“, sagt er lachend.
Angesichts seiner Hobbys erstaunt das wenig – derzeit baut Spiegelberg beispielsweise einen Hubschrauber, der in der Endentwicklungsstufe komplett los gelöst von den mechatronischen Systemen per Sidestick gesteuert werden soll. Diese spezielle Steuerungstechnik hat ihn bereits während des Studiums fasziniert, und Spiegelberg hat seine Doktorarbeit darüber
geschrieben. „Meine Frau hat sich daran gewöhnt, dass ich meine Ideen auch ausleben muss“, schmunzelt Spiegelberg. Stolz ist er darauf, dass seine beiden studierenden Töchter sein Credo übernommen haben: Was man sich selbst zutraut, muss man auch umsetzen.