Hartnäckigkeit hält Dr. George Lo für sehr wichtig, um als Forscher erfolgreich zu sein. Ob neue Software für Industrieautomatisierung, energieeffiziente Gebäude oder Simulationssysteme – jede Idee müsse Skepsis überwinden. Genau dies zu schaffen, macht für Top-Innovator Lo den Reiz aus.
George Lo stößt als führender Forscher bei CT in Princeton, USA, neue, interdisziplinäre Forschungsprojekte an, leitet sie und koordiniert die Kooperation mit Universitäten, Partnern und den Siemens-Geschäftsfeldern. „Ich liebe die Atmosphäre in Princeton“, sagt er. „Die Mitarbeiter kommen aus fast 30 Nationen, und im Sommer haben wir hier viele junge Praktikanten, fast wie auf einem Uni-Campus.“ Er selbst war schon an vielen Orte dieser Welt: Geboren in Indonesien, studierte Lo Elektrotechnik am Imperial College in London. Als Berater für Software-Entwicklung fing er 1980 bei Siemens in Erlangen an und fand schnell ein Arbeitsgebiet, das ihn fesselte: die Weiterentwicklung der Simatic-Software, dem weltweit führen den Systems der Industrieautomatisierung. Sie wird in der Autoindustrie ebenso eingesetzt wie in Klärwerken, Brauereien oder der Pharmabranche.
Ab 1995 trug Lo hierfür vielfältige Verantwortung: In den USA leitete er die Entwicklung der Software-Architekturen für den amerikanischen Markt, zugleich war er in Nürnberg für die
Software-Architektur der neuesten Simatic-Version zuständig und stieß die Forschungen zu PC-basierten Steuerungssystemen an. Hier war seine Hartnäckigkeit besonders gefragt: Industrielle Automatisierungssysteme arbeiten mit eigener Hardware, um Robustheit, Ausfallsicherheit und Arbeiten in Echtzeit zu gewährleisten. „Niemand konnte sich damals vorstellen, dass gewöhnliche PCs solche Aufgaben übernehmen könnten“, erinnert sich Lo. Doch PCs wurden immer schneller, leistungsfähiger und günstiger – und Lo setzte durch, eine Variante von Simatic zu entwickeln, die über PCs gesteuert wird. Sie ist heute in etlichen Speziallösungen im Einsatz.
„Damals reiste ich dauernd zwischen Deutschland und den USA hin und her“, erinnert sich Lo. Seine Familie lebte in den USA, und Lo musste für die Karriere Opfer bringen: „Sie haben sich aber gelohnt. Ich bin jetzt genau dort, wo ich sein möchte.“ Zudem kann er heute seine mittlerweile erwachsene Tochter täglich sehen: Sie arbeitet auch bei Siemens in Princeton. 2003 wandelte sich sein Team von einer Entwicklungs- zu einer Forschungseinheit und wurde Teil von CT. „Seitdem arbeiten wir noch enger mit Universitäten zusammen und nehmen an staatlichen Forschungsprogrammen teil“, berichtet Lo.
Eine der jüngsten Innovationen seines Teams ist ein neuer Ansatz zur Entwicklung von Werkzeugmaschinen, der mit einer Simulationstechnologie arbeitet, die bei Computerspielen verwendet wird. „Die Idee landete schon vor fünf Jahren auf meinem Tisch. Nach drei Jahren Forschung und enger Zusammenarbeit mit den geschäfts führenden Einheiten wurde beschlossen, sie in ein Produkt umzusetzen“, erklärt Lo. Besonders nützlich sind etwa die Weltmodelle der Computerspiele, mit denen dort komplexe physikalische Prozesse nachgeahmt werden, um Objekte und ihre Bewegungen möglichst realistisch darzustellen. Zudem können die Entwickler nun auch in laufende Simulationen eingreifen und einmal erstellte Objekte in einer Bibliothek ablegen. „Die Ingenieure können so einfach testen, ob ihre Ideen funktionieren“, sagt Lo. Woher kommt der richtige Riecher für solche Trends? „Jahrelange Erfahrung– und niemals aufgeben.”