Dr. Dorin Comaniciu ist Leiter des Global Technology Field Image Analytics and Informatics. Er verantwortet die Koordination der Siemens-Aktivitäten rund um Bilderkennungssysteme für Healthcare, Energy und Industry und ist einer der Top-Innovatoren der Siemens AG.
Dorin Comaniciu sprudelt vor Ideen. Mit 56 Patenten und über 100 Patentanträgen ist er einer der produktivsten Erfinder bei Siemens – im Herbst 2010 wurde er sogar als einer der Top-Innovatoren des Unternehmens ausgezeichnet. Der gebürtige Rumäne zog 1996 in die USA, um einen zweiten Doktorgrad zu erwerben. Comaniciu hat Lösungen für die verschiedensten Bereiche der biomedizinischen Informatik entwickelt: von automatisierten Verfahren, um Bilder eines schlagenden Herzens zu analysieren bis zu intelligenten Kameras zur Überwachung industrieller Anlagen.
Heute arbeitet er mit seinen Teams in Princeton, Erlangen, München und Graz. Kürzlich verlieh ihm das Institute of Electrical and Electronics Engineers den Longuet-Higgins-Preis, eine wichtige Auszeichnung für Forscher, die grundlegende Beiträge zur computergestützten Bilderkennung geliefert haben. Comaniciu wurde für seine Arbeit zur Echtzeit-Verfolgung von Objekten, deren Form sich ständig ändert, ausgezeichnet.
Das visionärste Patent des 46-jährigen Forschers ist das Konzept der „Robust Information Fusion“. Es basiert auf einem mathematischen Ansatz, der fragwürdige Daten einer beliebigen Datenquelle erkennt und entfernt. Damit lassen sich die Qualität und Aussagekraft verschiedenster Daten verbessern, egal ob sie von einer Überwachungskamera oder einem Ultraschall-Signalgeber stammen. „Sobald man Daten zuverlässig ermitteln und zusammenführen kann, können auch Expertensysteme entwickelt werden, die diese Daten auswerten und daraus Schlussfolgerungen ziehen“, erklärt er.
Die ersten kommerziellen Anwendungen sind syngo Auto Ejection Fraction (EF) und Auto OB – beides Programme, die von CT mit dem Sektor Healthcare entwickelt wurden. Auto EF ermittelt anhand von Ultraschallbildern automatisch den Anteil des vom Herzen bei einer Kontraktion ausgeworfenen Blutes im Verhältnis zum Gesamtvolumen der Herzkammer – wesentlich schneller als es ein menschlicher Experte vermag. Auto OB verwendet fortschrittliche Mustererkennungstechniken, um anatomische Merkmale zu erkennen.
Darüber hinaus führt Comanicius Team auch längerfristige Projekte zur Entwicklung von Datenbanken und Algorithmen durch – etwa für die automatische Erkennung von Darm- und Prostatakrebs oder Gefäßerkrankungen. Kürzlich gelang es dem Team, ein skalierbares Modell eines Herzens am Computer darzustellen, mit dem man alle Informationen über Anatomie, Blutbewegung und Biomechanik analysieren kann. Solche Modelle sind laut Comaniciu der Schlüssel zu neuen Therapien für Herzpatienten.
„Wichtig ist es, keine Grenzen zu akzeptieren“, sagt er. „Zu mir kommen oft Leute und behaupten, dass etwas nicht geht. Ich antworte immer: Dann versucht es noch einmal! Manager zu sein, ist ein Drahtseilakt. Man muss einen Plan haben und ihn konsequent verfolgen. Doch zugleich muss man auch genügend Freiraum schaffen, damit sich Kreativität entfalten kann. Man muss Spaß haben an dem, was man tut, und wissen, wie man seine Mitarbeiter davon überzeugt, dass sie an etwas Großem arbeiten, das die Gesellschaft verändern kann.“