Fünf Jahre lang unterrichtete Anitha PC Grundlagen der Computertechnik an der Technischen Universität Visvesvaraya in Indien. Was ihr dort fehlte, war die Anwendungsnähe ihrer Arbeit. Als Siemens 2004 den Forschungsstandort in Bangalore eröffnete, bewarb sie sich sofort.
Ich gehörte zu den ersten Mitarbeitern der CT in Bangalore“, erinnert sich Anitha, deren ungewöhnlicher Nachname „PC“ eine Abkürzung für einen sehr langen Namen ist, der sich aus ihrem Geburtsort und dem Namen ihres Vaters zusammensetzt. „Bereits bei meinem Bewerbungsgespräch war ich davon überzeugt, bei Siemens sehr gute Entwicklungschancen zu bekommen“, fügt die 33-Jährige hinzu. Zumal ihre Qualifikationen ideal passten: Anitha hat 1998 ihren Bachelor an der Universität von Kuvempu in Elektrotechnik gemacht und dann ihr Masterstudium an der Universität von Manipal in Computerwissenschaft absolviert. Beide Hochschulen befinden sich im Bundesstaat Karnataka, wo auch Bangalore liegt – das indische „Silicon Valley“.
„Während meines Studiums wurde mir die wachsende Bedeutung von Software in allen Lebensbereichen bewusst. Eingebettete Software wurde immer wichtiger und ist heute überall in der Elektrotechnik, in Autos oder der Kommunikationstechnik zu finden“, erklärt die junge Frau. „Deswegen ist Siemens auch der ideale Arbeitgeber für mich.“ Was Anitha PC bis heute reizt, ist die Bandbreite von Produkten und Anlagen aus allen Siemens-Sektoren, für die sie die Software-Entwicklung leitet.
Eine ihrer ersten Aufgaben war die Entwicklung eines automatisierten Testwerkzeugs für Software-Spezifikationen, -Strukturen und -Prozesse. Dabei arbeitete sie mit Modellierungssprachen, die dazu dienen, die Anforderungen einer Software sowie deren Strukturen und inneren Abläufe zu beschreiben. Anitha erfand eine Methode, um domänenspezifische Modellierungssprachen (DSM) automatisch in eine so genannte Unified Modeling Language (UML), also eine vereinheitlichte Modellierungssprache, zu übersetzen. Für dieses Verfahren reichte sie erfolgreich ein Patent ein. „An der Universität hatte ich die Theorie des Compilerbaus gelehrt, jetzt konnte ich meine Kenntnisse in die Praxis umsetzen“, berichtet sie.
Als 2009 ein neues Team für Requirement Engineering gegründet wurde, übernahm Anitha darin eine Führungsposition. Da Siemens zunehmend so genannte “smarte” Produkte ent- wickelt (S.26), die speziell auf den indischen Markt zugeschnitten sind, ist es besonders wichtig, bereits in einer frühen Planungsphase alle Anforderungen der Kunden präzise zu kennen – dies leistet das Requirement Engineering. Anitha PC stimmt die Arbeiten ihres Teams mit den jeweiligen Produkt-Entwicklern in den Siemens-Sektoren Healthcare, Industry oder Energy ab. „Wir müssen uns sehr schnell in das neue Produkt hineindenken und mögliche Entwicklungsprobleme erkennen, bevor sie entstehen“, erklärt sie. Sie schätzt die Herausforderungen sehr, die sie jeden Tag in der Software-Entwicklung meistern muss. „Alles andere wäre mir zu langweilig“, sagt sie.
Auch bei ihren Hobbies braucht die junge Frau Abwechslung: Sie sieht sich gerne Filme an, „am liebstem mit viel Action“ und lernt klassische indische Musik. Aber trotz ihrer Liebe für Herausforderungen weiß Anitha PC auch Konstanten zu schätzen. Vor allem eine: ihren Mann und ihre kleine Tochter.