Analytisch, sehr qualifiziert, kreativ und mutig – das sind die Beschreibungen, die man hört, wenn man in seinem direkten Umfeld nach Dr. Andrey Bartenev fragt. Der Physiker aus Moskau ist Forscher mit Leib und Seele.
Nach dem Abitur studierte Andrey Bartenev am Moskauer Institut für Physik und Techologie. Sein Fachgebiet passte perfekt zu dem zielstrebigen Studenten: die „Chemie schneller Prozesse“. Er schloss das Studium mit Bestnoten ab, um danach in seiner Promotion den physikalischen und chemischen Prozessen „in geschlossenen Räumen“ auf den Grund zu gehen. Gemeint waren vor allem Motoren und Turbinen. Und er interessierte sich auch für die möglichen Schäden – etwa Risse oder Brüche –, die hier bei hoher Beanspruchung entstehen können.
Bartenev setzte seine Laufbahn von 1987 bis 2005 an der Russischen Akademie der Wissenschaften fort. Am Institut für Physikalische Chemie spezialisierte er sich auf das Strömungsverhalten und die Simulation von Verbrennungsprozessen und Explosionen. Konsequent schloss er eine Habilitation über die „Gasdynamik spontaner Prozesse“ an. Seine Forschungsarbeiten führten ihn mehrfach ins Ausland. Zweimal war er an Forschungsprojekten der RWTH Aachen beteiligt. Bartenev ging auch nach England und in die USA, wo er mit US-Kollegen und für die NASA Untersuchungen über Explosionen durchführte. „Als ich dann erfuhr, dass Siemens in Russland ein Forschungszentrum aufbaut, habe ich mich gleich beworben“, sagt Bartenev. Er kannte das Unternehmen schon aus seiner vorherigen Tätigkeit an der Akademie.
Von 2005 bis Mitte 2010 forschte er bei CT Russia mit einem zehnköpfigen Team intensiv über Technologien der Öl- und Gasförderung. Derzeit ist Bartenev Leiter des Global Tech-
Forschungen zur Nukleartechnologie kann er die Expertise seines Spezialgebiets, der Chemie schneller Prozesse gut gebrauchen, denn „auch bei Kernkraftwerken drehen sich viele Forschungsfragen um Hitzeumwandlung“, erklärt er. Schwerpunkte sind unter anderem Konzepte für die vierte Generation von Kernreaktoren, also von neuen Reaktortypen, die erst in einigen Jahren marktreif sein werden, sowie der Transport und die Lagerung von nuklearem Material.
Etliche Experten sagen angesichts des weltweit enorm steigenden Energiebedarfs in manchen Ländern eine Renaissance von Kernkraftwerken voraus. Auch Bartenev ist davon überzeugt und will mit seinem Team wichtige Beiträge dazu leisten, dass eine neue Generation von Kernkraftwerken sicher, umweltfreundlich und effizient Energie erzeugen kann. So bleibt dem Vater eines achtjährigen Sohnes wohl auch in Zukunft wenig Zeit für seine Hobbies: Tauchen und russische Geschichte.