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Dr. Ulrich Eberl
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CO2-neutral bis 2025: Sauberer Strom aus Windkraftanlagen oder Biomasse soll Kopenhagen helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Jeder Einzelne zählt: Melbourne ermuntert die Bürger, Rad zu fahren und Strom zu sparen, um die CO2-Emissionen einzudämmen.

Von Hundert auf Null

Städte gelten als Hauptverursacher von Kohlendioxid-Emissionen. Viele Metropolen stellen sich ihrer Verantwortung und ergreifen Maßnahmen, ihren CO2-Fußabdruck zu verringern. Die ambitioniertesten unter ihnen wollen ihre Bilanz sogar auf Null senken.

Jeder Einzelne zählt: Melbourne ermuntert die Bürger, Rad zu fahren und Strom zu sparen, um die CO2-Emissionen einzudämmen.

Best Practices rund um den Globus

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Auch die mit knapp 600.000 Einwohnern größte Stadt im US-Bundesstaat Oregon ist einer der Vorreiter in Sachen Umweltschutz: Portland will bis 2050 seine CO2-Emissionen um 80 Prozent reduzieren. Um 26 Prozent sind hier die CO2-Emissionen pro Kopf bereits gefallen, verglichen mit 1990 – während parallel die US-Emissionen um 12 Prozent stiegen. Das Erfolgsgeheimnis: Portland hat frühzeitig angefangen, ganzheitlich zu planen. Die Stadt nahm gleichzeitig den Verkehr, sowie die Erzeugung und effiziente Nutzung von Energie, das Recycling und die Aufforstung in Angriff. Maßnahmen wie Standards, Anreize und Steuern kamen hinzu. Die Langzeiteffekte sind heute sichtbar. Bemühungen, städtische Zersiedelung einzudämmen, zeigen einen angenehmen Begleiteffekt: Öffentliche Verkehrsmittel sind besser erreichbar, das Netz an Fahrradwegen ist hervorragend ausgebaut. Mehr als 22.000 Menschen fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit – das sind mehr als in jeder anderen Großstadt der USA.

São Paulo erzeugt seinen gesamten Strombedarf aus Wasserkraft. Deshalb entstehen die meisten Treibhausgas-Emissionen der elf-Millionen-Metropole durch Verkehr und Abfall. Um 30 Prozent sollen die Treibhausgase innerhalb von vier Jahren reduziert werden. 2009 meldete die Stadt, ihre Emissionen seit 2005 bereits um 20 Prozent reduziert zu haben, unter anderem mithilfe zweier Kraftwerke, die an zwei Mülldeponien errichtet wurden. Sie fangen Methan auf, verbrennen es und erzeugen daraus Strom für rund 700.000 Einwohner. Zwar entsteht durch die Verbrennung neues CO2, insgesamt fällt die Bilanz jedoch positiv aus, da Methan rund 25-mal stärker zum Treibhausgaseffekt beiträgt wie CO2. Rund elf Millionen Tonnen CO2-Äquivalent soll diese Maßnahme bis 2012 eingespart haben. Den Verkehr will die Stadt mit zahlreichen Maßnahmen in den Griff bekommen: Mehr als 115 Kilometer zusätzliche Schnellbusrouten („Bus Rapid Transit“) wurden angelegt, außerdem sollen mehr als 100 Kilometer neue Fahrradwege hinzukommen.

Die bayerische Landeshauptstadt München möchte ihre CO2-Emissionen alle fünf Jahre um zehn Prozent senken und pro Kopf bis spätestens 2030 im Vergleich zu 1990 halbieren. Gleichzeitig verfolgen die Stadtwerke München das Ziel, den Strombedarf der Stadt ausschließlich durch erneuerbare Energien zu decken und investieren deshalb auch außerhalb der Region in deren Ausbau, etwa in Offshore-Windparks. Ein erstes Aktionspaket der Stadt umfasste das „Klimaschutzprogramm 2010“, alle zwei Jahre wird ein weiteres solches Paket geschnürt. Es beschreibt Maßnahmen und Zwischenziele für Gebäude, Verkehr, Energieeffizienz, Stadtentwicklung und Energieerzeugung. Nach aktuellen Angaben der Stadt sind die CO2-Emissionen pro Einwohner im Zeitraum von 1990 bis 2010 schon um über drei Tonnen auf etwa acht Tonnen gesunken.

Nicole Elflein
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Schneechaos in Neu-Delhi, heftige Hagelschauer in Tokio und eine riesige Flutwelle über New York – ob sich Roland Emmerichs Vision über die Folgen des Klimawandels, die er im Katastrophen-Thriller „The Day after Tomorrow“ zeigt, bewahrheiten wird, ist fraglich. Weitgehende Einigkeit in der Wissenschaft herrscht jedoch darüber, dass die Folgen der globalen Erwärmung dramatisch sein werden – mit Auswirkungen auf den Zugang zu Trinkwasser, die Gesundheit und die Umwelt. Damit nicht genug: Drei Viertel aller Megacities liegen an Küsten. Schmilzt die Eisdecke Grönlands, sind Städte wie New York, London, Shanghai und Sydney vom ansteigenden Meeresspiegel massiv bedroht.

Städte wie diese haben also per se ein großes Eigeninteresse, den Klimawandel zu bekämpfen. Da urbane Siedlungen mit bis zu 70 Prozent zum Ausstoß von Treibhausgasen beitragen, stehen sie auch in der Verantwortung. Gleichzeitig können sie aufgrund ihrer hohen Bevölkerungsdichte auch ihre Vorteile ausspielen und Ressourcen effizienter nutzen – etwa beim Verkehr, bei Wasser- und Abfallsystemen oder bei der Energieerzeugung.

Technologien, die CO2-Emissionen verringern können, gibt es viele. Das bestätigte schon eine Studie von McKinsey und Siemens aus dem Jahr 2008, die das Einsparpotenzial für London untersuchte und zum Ergebnis kam, dass die Metropole bereits mit verfügbaren Technologien ihre CO2-Emissionen bis 2025 um 44 Prozent gegenüber 1990 reduzieren könnte. Damit wäre London seinem Ziel, die Emissionen in diesem Zeitraum um 60 Prozent zu drosseln, ein ganzes Stück näher. Und: Rund zwei Drittel aller Lösungen zur CO2-Einsparung tragen sich selbst, durch verringerte Energiekosten.

Auch andere Städte haben sich CO2-Reduktionsziele gesetzt: Vorreiter ist Kopenhagen. Unter dem Strich null CO2-Emissionen bis 2025 – dieses Ziel hat sich Dänemarks Hauptstadt gesetzt. Sie will den Treibhausgas-Ausstoß durch verschiedene Maßnahmen bis 2025 von jährlich 1,9 auf 1,2 Millionen Tonnen reduzieren und die verbleibenden Emissionen kompensieren, zum Beispiel durch Investitionen in erneuerbare Energien. Der 2012 aktualisierte Klimaplan für Kopenhagen sieht unter anderem vor, anstelle alter Kohlekraftwerke Biomasse, Wind, Erdwärme und Abfall für die Strom- und Wärmeversorgung der Zukunft einzusetzen. Mehr als 100 Windturbinen mit einer Gesamtkapazität von 360 Megawatt sollen bis 2025 mehr „grünen“ Strom in die Netze einspeisen, als die Stadt selbst verbraucht. Damit sollen die verbleibenden CO2-Emissionen, etwa aus dem Straßenverkehr, kompensiert werden.

Zudem ergänzen Biomasseanlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung den Strommix. Mehr als 98 Prozent des Wärmebedarfs in der Stadt wird bereits durch Fernwärme gedeckt, 30 Prozent alleine durch die Müllverbrennung. Um die Energienutzung effizienter zu gestalten, will Kopenhagen bestehende Häuser modernisieren und dazu passende Finanzierungsmodelle entwickeln, sowie schärfere Vorschriften zur Energieeffizienz von Gebäuden erlassen. Außerdem sollen die Gebäude den Energie- und Wärmeverbrauch möglichst intelligent steuern.

Die Bürger sollen bis 2025 drei Viertel aller Wege in der Stadt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit den bis dahin CO2-neutralen öffentlichen Verkehrsmitteln, wie elektrisch oder mit Biosprit angetriebenen Bussen, zurücklegen. Die verbleibenden Autofahrer sollen ermuntert werden, auf Elektro-, Wasserstoff- oder Hybridfahrzeuge umzusteigen. Auch Siemens-Technik hilft der Stadt, ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen: Ein neues Müllheizkraftwerk mit einem Turbinen- und Kontrollsystem von Siemens wird Kopenhagen mit Fernwärme versorgen, und die ersten sechs von insgesamt 100 neu geplanten Windturbinen, die die Stadt mit sauberem Strom versorgen sollen, stammen ebenfalls von Siemens. An einer Schule läuft außerdem derzeit ein Pilotprojekt, in dem Siemens-Technik den Energieverbrauch beobachtet und optimiert. Einen Teilerfolg hat Kopenhagen schon gemeldet: Das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2015 um 20 Prozent zu verringern, wurde bereits 2011 erreicht.

Mit gutem Beispiel voran. Ein weiterer Anwärter auf den Titel „erste CO2-neutrale Stadt der Welt“ ist Melbourne. Die zweitgrößte Stadt Australiens will dieses Ziel bis 2020 erreichen. Nach eigenen Angaben hat die Stadt selbst allerdings relativ wenig direkte Kontrolle über die Verursacher der Emissionen. Überwiegend entstehen diese durch gewerblich genutzte Gebäude. Deshalb will Melbourne vor allem beraten, Partnerschaften bilden und mit gutem Beispiel vorangehen. Alle Eigenaktivitäten der Stadtverwaltung sollen CO2-neutral werden – unter anderem mithilfe eines verbesserten Abfallmanagements und einer umfassenden Sanierung der Gebäude.

Für die Modernisierung gewerblich genutzter Immobilien hat Melbourne das „1200 Buildings Program“ ins Leben gerufen. Für Privatpersonen gibt es Informationen und Beratung darüber, wie sie ihren Wasser- und Energieverbrauch eindämmen sowie Abfall und Recycling besser bewältigen und – als Anreiz – Geld sparen können. Zudem ermuntert die Stadt ihre Bürger, öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad zu nutzen, beispielsweise über Leihfahrräder oder den Ausbau des Radwegenetzes. Besonders inspirierend ist dabei, dass Maßnahmen zur Energie- und CO2-Einsparung auch die Lebensqualität in den Städten verbessern: Die Wege werden kürzer, die Luft besser und das Gemeinschaftsgefühl größer. Vielleicht ist es deshalb gar nicht so wichtig, wer das Rennen um die erste CO2-neutrale Stadt macht: Am Ende sind alle Gewinner. Und Roland Emmerichs Weltuntergangsphantasien bleiben Fiktion.

Nicole Elflein