Mpho Franklyn Parks Tau (41) ist seit Mai 2011 regierender Bürgermeister von Johannesburg, Südafrika. Davor war er in verschiedenen Funktionen im Bürgermeisterausschuss der Stadt tätig. Er engagierte sich jahrelang für Studentenpolitik und Bürgerbeteiligung und nahm zahlreiche Führungspositionen im Afrikanischen Nationalkongress ein. Er ist in Soweto geboren und aufgewachsen und hat einen Abschluss in Public Management.
Was ist Ihre Vision einer idealen, lebenswerten Stadt?
Lebenswert heißt für mich, dass die Stadt jedem Möglichkeiten bietet, sie zu erleben – ihre kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Vorzüge. Die Stadt muss verkehrstechnisch erschlossen sein, man muss aber auch mit ihr interagieren können. Es ist wichtig, auf die Straße gehen und ein Teil der Stadt werden sowie mit den Menschen dort in Kontakt treten zu können.
Wie nah ist Johannesburg diesem Ideal, und welche Probleme sind am dringlichsten?
Wir sind auf dem richtigen Weg, müssen aber das wichtigste und grundlegende Problem unserer Stadt angehen: die öffentliche Sicherheit. Eine Umfrage in Wirtschaftskreisen hat ergeben, dass die Kriminalität derzeit 61 Prozent aller Investitionsentscheidungen beeinflusst. Wie wir alle wissen, gibt es ohne Investitionen keine Arbeit, und ohne Arbeit keine wirtschaftliche Stabilität. Egal was wir also sonst noch für die Stadt tun, wir müssen unbedingt die Kriminalität bekämpfen. Deshalb haben wir jedem der 130 Stadtteile zehn Polizeibeamte zugeordnet, die mit der Öffentlichkeit zusammenarbeiten, um Lösungen für die Sicherheitsprobleme vor Ort zu finden. Wir bringen also keine fertigen Lösungen mit, sondern fragen die Bevölkerung: Wie müssen wir auf die Sicherheitsprobleme reagieren, mit denen die Menschen konfrontiert sind? Außerdem wird die Johannesburger Polizei eine stadtweite Null-Toleranz-Kampagne zur Durchsetzung von Gesetzen und gegen Verkehrsvergehen starten. Dafür wird sie zusätzliche Unterstützung und die nötigen Mittel erhalten, damit sie als Behörde Kriminalität erfolgreich verhindern kann. Insgesamt wird das einen Lebensraum schaffen, in dem jeder aktiv am Stadtleben teilnehmen kann. Damit fördern wir Investitionen und können außerdem Themen wie Armut und Unterentwicklung angehen.
Wie werden Sie das Problem der informellen Siedlungen angehen?
Der erste Schritt muss sein, die Siedlungen anzuerkennen. Wir müssen akzeptieren, dass viele Siedlungen existieren, und diejenigen formalisieren, die sich auf öffentlichem Grund befinden. Wir müssen eine gewisse Sicherheit schaffen, dass diese Siedlungen langfristig bestehen werden und eine grundlegende Infrastruktur erhalten. Den Gemeinden muss es ermöglicht werden, das Land zu erschließen. Unser Ziel ist es, dass bis 2014 alle Siedlungen innerhalb des Stadtgebietes legalisiert sind und ihre Infrastruktur für Wasser, Abwasser, Beleuchtung und Verkehr deutlich verbessert wird.
Welche Nachhaltigkeitsziele haben Sie für Johannesburg, und wie wollen Sie sie erreichen?
In puncto Nachhaltigkeit ist für uns das Thema Wasserversorgung kritisch. In der Gegend um Johannesburg herrscht Wasserknappheit. Der Großteil unserer Wasserversorgung stammt aus unserem Nachbarland Lesotho. Dort wird die Infrastruktur, um Wasser in unser Gebiet zu liefern, gerade weiter ausgebaut. In den nächsten Jahren warten in diesem Bereich große Herausforderungen auf uns. Deshalb müssen wir Mechanismen einführen, um die Wasserressourcen nachhaltig zu schonen.
Für uns gilt es, die Bevölkerung von Johannesburg dazu zu bringen, aktiv an der Lösung dieses Problems mitzuwirken. Daher richten wir zum Beispiel jedes Jahr ein Wasser-Festival aus, um das Bewusstsein für Themen rund um Wasser und Abwasser mit Bildungs- und Familienaktivitäten zu schärfen. Für die Grundschulen organisieren wir eine Roadshow, die den Kindern die Bedeutung des Wassersparens vermitteln soll. Wir sind uns sicher, dass wir durch die Investition in die Infrastruktur und durch die Einbindung der Bevölkerung von Johannesburg unsere Wasserreserven schonen und damit zur langfristigen Nachhaltigkeit beitragen können.
Für das Land insgesamt stellt auch die sichere Energieversorgung eine Herausforderung dar. Vor drei oder vier Jahren mussten wir einen Lastabwurf vornehmen. Das bedeutet, dass die Stromversorgung geplant unterbrochen wird, wenn der Verbrauch die verfügbare Strommenge überschreitet. Aus diesem Grund müssen wir Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz einführen. Unsere Baustandards müssen dafür auf den neuesten Stand gebracht werden und unter anderem den Energieverbrauch, den lokalen Einsatz von erneuerbaren Energien, öffentliche Verkehrsmittel, Abfallrecycling und Regenwassernutzung einbeziehen. Wir arbeiten mit der South African Property Owners’ Association an Sanierungskonzepten für alle großen Immobilieneigentümer in Johannesburg.
Wie wird die Energieversorgung von Johannesburg zukünftig aussehen? Welche Pläne gibt es?
Zurzeit sind wir sehr stark von Kohle und etwas weniger von Gas abhängig. Was wir aber brauchen, ist ein Gleichgewicht, eine diversifizierte Energieversorgung, die eher auf erneuerbare Energien setzen muss. Das sind private Solaranlagen für Haushalte, aber auch kommerzielle zur Stromeinspeisung ins Netz. Wir arbeiten mit der Regierung Südafrikas an Lösungen für Privathaushalte, und es gibt Programme zur Einführung von Solarboilern. Aber auch andere Energiequellen kommen in Betracht. Eines unserer Programme beschäftigt sich mit der Abfackelung von Methan aus unseren Müllhalden, um Treibhausgas-Emissionen zu verringern. In Zukunft wollen wir daraus grüne Energie gewinnen.
Welche Rolle spielt das Bürgerengagement für die Lebensqualität in Städten?
Eine sehr große, denn so können die Menschen ein aktiver Teil ihrer Stadt werden. Die Beziehung zur Stadt ist dann nicht mehr rein geschäftlich, also nicht: „Ich zahle Steuern und Gebühren für Dienstleistungen an die Verwaltung“. Es geht darum, Bürger zu sein – ein Teil der Stadt und ihres sozialen Gefüges.