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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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Perfekte Abstimmung: Kürzere Lieferzeiten und niedrigere Kosten für Gasturbinenkraftwerke erreicht Siemens Energy mit einer neuen Managementstrategie.

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Auf den Punkt entwickelt

Mit Gasturbinenkraftwerken eine Punktlandung am Markt hinzulegen, ist ein Kunststück. Mit einem neuen Managementansatz ist es den Gasturbinen-Spezialisten von Siemens Energy gelungen, Lieferzeiten und Produktkosten zu senken.

Eine österreichische Redensart lautet: „Durchs Reden kommen d’Leut zam“. Sie bedeutet, dass gemeinsame Ziele nur über einen kontinuierlichen Gedankenaustausch erreicht werden können. Je komplexer die Ziele, desto wichtiger ist es, dass Experten ihr Wissen regelmäßig austauschen und neue Erkenntnisse ständig in die Entscheidungen einfließen.

Dies gilt auch für Gasturbinenkraftwerke, also hochkomplexe Anlagen, die aus vielen einzelnen Komponenten bestehen. Gas- und Dampfturbinen, Generatoren sowie Hilfssysteme müssen synchron weiterentwickelt werden. Sie werden als „Paket“ ausgeliefert und müssen optimal aufeinander abgestimmt sein, damit sie die beste Leistung erzielen. Richtig kompliziert wird das Ganze, weil die technischen Anforderungen auch noch je nach Lieferregion und Kundenwünschen differieren.

Um Lieferzeiten und Produktkosten im Griff zu behalten, haben die Energieexperten von Siemens vor ein paar Jahren einen neuen Managementansatz, den „Package Approach“, entwickelt. Er bringt alle Verantwortlichen in ständigen Austausch. Das hört sich einfacher an, als es ist. „An der Neuentwicklung von Komponenten für Gasturbinen arbeiten oft Hunderte von Ingenieuren“, erklärt Dr. Jan-Marc Lischka, der bei Siemens Energy für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Gasturbinen verantwortlich ist. Hinzu kommen Marktanalysten, Kundenbetreuer, Einkaufsspezialisten und etliche andere.

Deshalb wurden Strukturen geschaffen, die die regelmäßige Kommunikation zwischen allen Beteiligten sicherstellen. Jeder Teil des „Pakets“ wird von einem Leiter verantwortet, und auch für das Gesamtpaket gibt es Produktmanager, die sogenannten Package Frame Owner. „Alle drei Monate treffen sich die Verantwortlichen mit der Leitung der Geschäftseinheit und bringen sich gegenseitig auf den neuesten Stand, um dann an einer gemeinsamen Produktstrategie zu arbeiten“, erklärt Lischka. Aktuelle Entwicklungen von Markt und Wettbewerb werden dabei für laufende und zukünftige Projekte berücksichtigt. So wissen etwa die Verantwortlichen für den Einkauf von Anfang an, welchen Ansatz eine Neuentwicklung verfolgt und können ihre Einkaufsstrategie frühzeitig darauf ausrichten, beziehungsweise anpassen, wenn es Änderungen gibt.

„Keine Gasturbine kann extra für die speziellen Anforderungen eines Energieversorgers oder eines Unternehmens entwickelt werden. Das wäre wirtschaftlich völlig abwegig und würde viel zu lange dauern“, sagt Lischka. Dennoch wird das Gesamtpaket für die Anforderungen verschiedener Märkte und Kunden maßgeschneidert. So gibt es derzeit in Deutschland kaum Bedarf für Grundlastkraftwerke, deren Stromproduktion die Grundversorgung sichert. Stattdessen brauchen die Energieversorger jetzt Kraftwerke, die schnell auf Spitzenleistung hochgefahren werden können, um Engpässe bei der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien aufzufangen. „Deshalb müssen wir in der Planung berücksichtigen, dass ein schnelleres Hochfahren einige Komponenten stärker beansprucht. Sie müssen also robuster gefertigt werden“, erklärt Lischka. Die Kosten, die dadurch entstehen, werden beim „Package Approach“ von Anfang an eingeplant wie auch die Lieferzeiten für das Material – mit dem Ergebnis, dass sowohl die Kosten als auch die Lieferzeiten deutlich gesenkt werden konnten.

In den USA hingegen erleben Gaskraftwerke für die Grundversorgung wegen des dort niedrigen Gaspreises gerade eine Renaissance. Zudem war für den Energieversorger Florida Power & Light (FPL) auch eine umweltfreundliche Stromerzeugung wichtig. FPL hat zur Modernisierung eines Kraftwerks in Florida drei neue Gasturbinen des Typs SGT6-8000H bestellt, die pro erzeugter Kilowattstunde rund ein Drittel weniger Brennstoff verbrauchen als die alten Anlagen.

Die 60-Hertz-Gasturbinen werden im Siemens-Werk in Charlotte, North Carolina, gefertigt und sollen erstmals 2016 in Betrieb gehen. Die Weiterentwicklung der SGT6-Turbine war dank des „Packet Approach“ punktgenau fertig für die Pilotanlage. „Damit konnten wir genau das Produkt anbieten, das FPL in dem Moment zu diesem Preis suchte“, erklärt Lischka. Mit diesem Managementansatz sicherte sich das Team einen Platz unter den Finalisten im Siemens-Wettbewerb „top+ award 2012“ in der Kategorie „Cost Optimization & Finance Excellence“.

Katrin Nikolaus