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SIEMENS

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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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  • 80333 Munich
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Dr. Ulrich Eberl
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Leuchtturm der Forschung

In der Forschungsstadt Skolkovo nahe Moskau will Siemens in einem eigenen Forschungs- und Entwicklungszentrum nicht nur neue Technologien entwickeln, sondern auch mithelfen, dass Skolkovo selbst ein Vorbild für Energieeffizienz wird.

Russlands Antwort aufs Silicon Valley heißt Skolkovo. In der Nähe von Moskau entsteht auf einem 380 Hektar großen Gelände zur Zeit das „Skolkovo Innovation Center“ – unterstützt von der Regierung mit rund drei Milliarden Euro. Russische Wissenschaftler genießen einen exzellenten Ruf, etwa in Mathematik und Physik. In Skolkovo sollen sie mit internationalen Kollegen an Informations- und Biotechnologien, Energieeffizienz, Medizin- und Nukleartechnik sowie Raumfahrt forschen. Ausländische Firmen und Start-ups, die bis zu zehn Jahre von der Steuer befreit werden, sollen die neuen Erkenntnisse möglichst schnell in Produkte und Dienstleistungen umsetzen. Die Skolkovo-Stiftung unter Leitung von Viktor Vekselberg kofinanziert zudem einzelne Projekte mit bis zu 50 Prozent der Kosten.

Siemens ist 2010 eine strategische Partnerschaft mit Skolkovo eingegangen und will dort rund 40 Millionen Euro in ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für bis zu 150 Wissenschaftler investieren. „Siemens war das erste internationale Unternehmen, das beschlossen hat, hier ein Entwicklungszentrum aufzubauen“, erklärt Alexander Averianov, Siemens-Projektleiter für Skolkovo. „Wir wollen Projekte auf fast allen der fünf Themenfelder durchführen: zum Beispiel Energieeffizienz, Informationstechnologie und Nuklearmedizin.“ So entwickeln Siemens-Forscher bereits mit russischen und deutschen Wissenschaftlern neuartige Mikrowellen-Generatoren.

Skolkovo hat also Fahrt aufgenommen – obwohl vor Ort noch Bagger und Kräne die Szene beherrschen. Die neue Universität, der Industriepark sowie die Bereiche für Büros, Gäste und 21.000 Einwohner werden wohl erst 2015 fertiggestellt sein. Doch bereits im September 2012 wurde als Wahrzeichen der „Hypercube“ feierlich eröffnet: ein würfelförmiges futuristisches Gebäude des Architekten Boris Bernaskoni, das neben einem Konferenzzentrum Start-ups und Büros von Partnerfirmen wie Siemens, IBM und Cisco beherbergt.

Das Gebäude setzt auf umweltfreundliche Technik: Solarzellen erzeugen einen Teil des Stroms, und das Wasser wird vom Regen und aus einem artesischen Brunnen geliefert. Die Heizenergie stammt teils aus einer Fernwärmeleitung und teils aus 13 Bohrungen, wo Wärmepumpen Erdwärme nach oben fördern. Große Fenster und Lichtleiter sorgen dafür, dass die künstliche Beleuchtung minimiert werden kann – für Russland ungewöhnlich: Üblich sind hier kleine Fenster, um unnötige Wärmeverluste zu vermeiden. Im Hypercube erzeugen Wärmekonvektoren aber einen dämmenden Vorhang aus Luft, der mit den Dreifach-Glasscheiben die Temperaturen stabil hält.

Kontrolliert wird der Hightech-Bau von einem Gebäudemanagementsystem von Siemens, das die Klimaanlage, die Beleuchtung und die Stromverteilung steuert. Das Ziel: Der Hypercube soll möglichst ökonomisch, ökologisch, ergonomisch und energieeffizient sein. Derzeit wird er als eines der ersten russischen Gebäude nach den LEED-Standards (Leadership in Energy and Environmental Design) des U.S. Green Building Council zertifiziert. Auch zum Blickfang auf der Gebäudehülle hat Siemens beigetragen: Eine 250 Quadratmeter große „Medienfassade“ zeigt Imagefilme über Skolkovo. Sie besteht aus fast 60.000 dreifarbigen Leuchtdioden der Osram-Tochter Traxon Technologies.

Wenn die ökologische Modellstadt fertig ist, werden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor keinen Zugang haben. Bewohner und Besucher sollen sich zu Fuß, per Fahrrad oder in Elektromobilen bewegen. Letztere werden – wie auch der Hybercube, der die modernsten Stromverteilungslösungen von Siemens enthält – Teil des ersten Smart Grids in Russland sein. „Siemens hat ein Konzept für den Aufbau des intelligenten Stromnetzes präsentiert und will es in den kommenden Jahren aufbauen“, sagt Averianov. „Dazu gehört das komplette Energienetz von der Hoch- über die Mittel- bis zur Niederspannung aus einer Hand.“

Ab Ende 2013 sollen zwei Siemens-Umspannstationen mit je 63 Megawatt Leistung sicherstellen, dass künftig alle Einwohner und Unternehmen zuverlässig mit Strom versorgt werden. „Sie werden erstmals in Russland komplett unterirdisch gebaut“, sagt Averianov. Dabei werden gasisolierte Übertragungsleitungen der neuesten Generation von Siemens eingesetzt. Mit ihnen lassen sich große Ströme verlustarm und sicher unterirdisch transportieren – und dank ihrer Hülle aus Aluminium treten dabei nur minimale magnetische Felder auf.

„Insgesamt soll Skolkovo ein Ökosystem schaffen, in dem aus Ideen innovative neue Produkte entstehen“, fasst Averianov zusammen. Es gibt daher wohl in Russland keinen besseren Ort für den vierten „Future Dialogue“ von Siemens und der Max-Planck-Gesellschaft, der am 9. und 10. April 2013 im Hypercube in Skolkovo stattfindet. Das übergreifende Thema, das von internationalen Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik hier diskutiert wird: „The Innovation Engine – from Science to Solutions“.

Christian Buck