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SIEMENS

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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
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Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
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Arbeitsplatz nach Maß

In der Fabrik der Zukunft wird ein Arbeiter wohl nur noch durch seine Arbeitskleidung an frühere Zeiten erinnern. Zwar wird er wohl nach wie vor an Montageplätzen arbeiten, doch wird es weder starre Schichten und Produktionsabläufe noch feste Arbeitsplätze mehr geben. Auch monotone und einseitig belastende Tätigkeiten dürften in 15 Jahren schon weitgehend der Vergangenheit angehören, glauben Johannes Scholz und Johannes Labuttis. Die beiden Ingenieure haben an der TU München Maschinenbau studiert und beschäftigen sich nun bei Siemens Corporate Technology in München mit der Rolle des Menschen in der Produktion.

„Die Mitarbeiter organisieren mit Computerunterstützung selbstständig ihre Schichten über ihre Smartphones, wobei sie sogar ihre persönlichen chronobiologischen Typen berücksichtigen können – also ob sie von Natur aus eher Früh- oder Spättypen sind“, sagt Scholz. „Damit können sie ihre Arbeit flexibel ihren privaten Bedürfnissen und ihrer jeweiligen Lebenslage anpassen.“

Es gehe darum, das individuelle Zeitmanagement der Arbeitnehmer mit dem Personalbedarf des Unternehmens optimal zu kombinieren. Denn die Fabrik von morgen, so der Maschinenbauingenieur, ist hochflexibel und wie eine Art lebendes Internet organisiert – alles ist mit allem vernetzt. „Die Produktionslinien mit ihren einzelnen Montagearbeitsplätzen sind wandelbar und können – je nach Kundenauftrag – problemlos umgerüstet werden“, erklärt Labuttis. So kann die Produktion schnell einer veränderten Nachfrage angepasst werden. Die Mitarbeiter durchlaufen in festgelegtem Takt alle Montagearbeitsplätze. Sie kennen alle Arbeitsschritte, vom Rohling bis zum Endprodukt. Für das Management der Fabrik hat dies den Vorteil, dass die Arbeiter an allen Plätzen effizient zum Einsatz kommen.

Da alles miteinander vernetzt ist, „wissen“ die Montagearbeitsplätze jederzeit, welcher Mensch als nächstes an ihnen arbeiten wird – und werden sekundenschnell auf den nachfolgenden Arbeiter umgestellt: Werkzeuge liegen am „Best Point“ , und die höhen- und neigungsverstellbaren Montageplätze sind auf die individuellen Körpermaße und etwaigen Beeinträchtigungen eingestellt. „Die Varianten sind dabei so individuell wie der Arbeitnehmer selbst. Das können Stehhilfen sein, Fußabstützungen oder gar ein ganz veränderter Arbeitsplatzaufbau“ erklärt Labuttis.

Zudem helfen kooperative Roboter bei schweren Tätigkeiten. In dieser Fabrik der Zukunft wird produktiv und zugleich flexibel gearbeitet – für die Flexibilität sorgen die Menschen, für die effiziente und schnelle Fertigung die Roboter. Wandeln wird sich auch das Durchschnittsalter der Beschäftigten. Vor allem in den heutigen Industrieländern wird es in den Betrieben von morgen eine wesentlich ältere Belegschaft geben. Der Grund: der rasch voranschreitende demographische Wandel. Im Jahr 2050 wird es weltweit dreimal so viele Menschen geben, die über 65 Jahre alt sind, als heute – derzeit sind es 500 Millionen. Damit die Sozialsysteme bezahlbar bleiben, werden die Menschen also länger arbeiten müssen – doch zugleich werden auch die Qualifikation und das Erfahrungswissen der älteren Mitarbeiter in den Betrieben von Morgen dringend benötigt.

Susanne Gold