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SIEMENS

Research & Development
Technology Press and Innovation Communications

Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Individuelle Kundenwünsche erfüllen und effizienter fertigen
– beides ist gleichzeitig machbar
Dr. Wolfgang Heuring leitet die Konzernforschung von Siemens.

Vor genau 100 Jahren – 1913 – führte Henry Ford für die Produktion seines T-Modells die Fließbandfertigung ein. So senkte er den Preis für die „Tin Lizzy“ um fast 60 Prozent und legte die Basis für die Massenproduktionvon Automobilen. Doch zugleich beendete Ford damit, was seit Jahrtausenden galt: Wann immer Menschen etwas geschaffen hatten – ob Töpfe, Möbel oder Kleidungsstücke –, waren es Unikate gewesen, geprägt vom Können des Handwerkers oder Künstlers. Mit der 15-millionen-fachen Fertigung des T-Modells war das vorbei: Die Produkte wurden austauschbar, und Henry Ford selbst schrieb in seinen Lebenserinnerungen im Kapitel „Das Geheimnis der Produktion“ den oft zitierten Satz: „Jeder Kunde kann seinen Wagen beliebig anstreichen lassen, wenn dieser nur schwarz ist.“ Und tatsächlich: Die meisten der von Ford produzierten Wagen gab es damals nur in Schwarz.

Diese Einschränkungen gelten im heutigen Zeitalter der automatisierten Massenfertigung längst nicht mehr: Fasst man alle Farben und Sonderausstattungen zusammen, kann ein Kunde bei vielen Automodellen unter Millionen Varianten wählen. Und dennoch: Es gibt nach wie vor einen fast unlösbar scheinenden Widerspruch zwischen Produktivität und Flexibilität. Will man möglichst flexibel auf die individuellen Wünsche der Kunden eingehen, so scheint das mit einer zugleich extrem effizienten, kostengünstigen Fertigung kaum vereinbar. Wie wird die Zukunft der Fertigung aussehen? Dies ist das übergreifende Thema eines der Schwerpunkte in dieser Ausgabe von Pictures of the Future. Denn wir stehen heute vor einem erneuten Umbruch bei der Herstellung von Produkten – in Deutschland ist diese Entwicklung mit der Initiative „Industrie 4.0“verbunden, in anderen Ländern wird oft der Begriff Advanced Manufacturing verwendet. Darunter versteht man die nächste Generation von Produktionsprozessen, die auf einer intelligenten Kombination aus Software, Sensor-, Prozessor- und Kommunikationstechnik zur Verbindung der digitalen, virtuellen und realen Welten der Fertigung basieren.

Das Ziel ist die durchgehende informationstechnische Verknüpfung der Wertschöpfungskette von Design und Produktentwicklung bis hin zur eigentlichen Produktion, der Wartung und dem Service. Siemens mit seiner führenden Stellung in der Automatisierungstechnik, aber auch in den nötigen Software-Lösungen – etwa fürs Product Lifecycle Management –, wird ein wesentlicher Wegbereiter dieser flexiblen Produktionsprozesse sein. Etliche Projekte, unter anderem mit Herstellern wie Ford, zeigen bereits erhebliche Effizienzgewinne. Kosten, Ressourcen und Energieverbrauch sinken – bei zugleich steigender Qualität. Und die Entwicklung geht noch weiter: Sie reicht von Fahrzeugen, die in weltweiter „Co-Creation“ durch Tausende von Enthusiasten entstanden sind, bis zum Additive Manufacturing. Siemens-Forscher verbinden damit per Laser Metallpulver zu hochkomplexen Werkstücken – direkt gesteuert aus Computerdaten. Ideal etwa für die Fertigung von Ersatzteilen vor Ort, on demand sozusagen.

Insgesamt zieht sich das Thema Effizienz wie ein roter Faden durch diese Ausgabe von Pictures of the Future. Neben der Fertigung geht es im Schwerpunkt „Maximierte Effizienz“ auch darum, wie Kraftwerke durch Modernisierung ihre Stromausbeute steigern und wie Stromnetze und Städte insgesamt nachhaltiger gestaltet werden können. Und auch der Schwerpunkt „Mobilität von morgen“ lenkt den Blick auf die Effizienz von Transportsystemen zu Wasser, zu Lande und in der Luft: von elektrisch angetriebenen Bussen und Schiffen bis hin zur Frage, wie sich durch neue Verkehrssysteme oder intelligente Telematikdienste die Mobilität in den Städten verbessern lässt. Denn auch das beste, individuell gefertigte Fahrzeug nützt wenig, wenn man damit nur steht statt fährt.