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Grünes Santo Domingo: Metrofahrer können im Schnitt über eine Stunde Fahrzeit pro Tag sparen, die CO2-Emissionen reduzieren sich um 70 Tonnen täglich.

Metro zwischen zwei Meeren

Auch in der Karibik muss die Verkehrsinfrastruktur effizienter werden. Siemens half beim Bau der Metro in Santo Domingo – und bei der Finanzierung des Großprojekts.

Grünes Santo Domingo: Metrofahrer können im Schnitt über eine Stunde Fahrzeit pro Tag sparen, die CO2-Emissionen reduzieren sich um 70 Tonnen täglich.

Sandstrände gesäumt von Palmen, tiefe Dschungel und keine Menschenseele. So stellt man sich die Dominikanische Republik vor, zwischen zwei Meeren: der Karibik und dem Atlantik. Doch menschenleer ist die Insel nicht. Etwa zehn Millionen Einwohner leben hier, fast ein Drittel in der Hauptstadt Santo Domingo. Noch vor ein paar Jahren schoben sich vor allem überladene Sammeltaxen und Minibusse durch die engen Straßen. Ein Metronetz sollte die Rettung bringen.

Nachdem Siemens bereits am Bau der ersten Metrostrecke beteiligt war, die 2009 in Betrieb ging, führt der Konzern seit 2010 das „Eurodom“-Konsortium für die zweite Linie an. „Es besteht aus deutschen, französischen, dominikanischen und spanischen Unternehmen“, sagt Miguel Berrozpe, der technische Leiter im Sektor Infrastructure and Cities. „Die Metro, die wir gerade fertig stellen, ist eine zukunftsorientierte Lösung für die schlimmen Staus in Santo Domingo." Metrofahrer könnten im Schnitt über eine Stunde Fahrzeit pro Tag einsparen, und die CO2-Emissionen würden sich um 70 Tonnen täglich reduzieren, besagen die offiziellen Schätzungen.

Die staatliche Metrogesellschaft hatte sich in der internationalen Ausschreibung auch ein überzeugendes Finanzierungsangebot gewünscht. „Wir haben eine Finanzierung mit Exportkreditversicherung vorgeschlagen. Das Gesamtpaket aus Produkt, Preis und Finanzierung hat den Kunden letzlich überzeugt“, sagt Silke Kleemann von Siemens Financial Services (SFS). Exportkreditversicherer, kurz: ECA (Export Credit Agency), versichern Lieferanten von Waren und Dienstleistungen, in diesem Fall Siemens, aber auch Banken, gegen Zahlungsausfälle.

Solche Agenturen spannen eine Art Sicherheitsnetz zwischen Lieferanten und Banken aus zumeist Industriestaaten und Kunden im Ausland, vor allem aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Das funktioniert so: Siemens schließt einen Liefervertrag mit dem dominikanischen Kunden ab, diesem fehlt jedoch das Geld, um sofort zu bezahlen. Und Banken übernehmen nicht ohne Weiteres hohe Länderrisiken kombiniert mit langen Laufzeiten. Die Lösung: eine passende Finanzierung mit einer ECA, die das Risiko eines Zahlungsausfalls zu 95 Prozent auffängt.

Die Bank trägt dabei nur fünf Prozent des Risikos. Sie bezahlt Siemens aus dem Kredit, und der Kunde zahlt den Kredit in Raten, in diesem Fall über zehn Jahre, zurück. Fällt der Kunde aus, springt die ECA ein. Die Lieferanten waren in dem Projekt Partner aus Frankreich, Spanien und Deutschland mit ihren jeweiligen ECAs sowie ein dominikanisches Unternehmen. „Es war ein ganz schöner Kraftakt, die Bedingungen von drei ECAs, vier Banken und drei Finanzierungsverträgen so unter einen Hut zu bekommen, dass am Ende in jedem Kreditvertrag die gleichen relevanten Dinge standen“, sagt Kleemann. So konnten 80 Prozent des Projekts von insgesamt 166 Millionen Euro finanziert werden. 20 Prozent brachte der Kunde selbst auf. Mithilfe von ECA-Finanzierungen konnte Siemens in der Vergangenheit schon elektrische Triebzüge für die bulgarische Staatsbahn, Highspeed-Züge für Russland oder die Elektrifizierung von Nahverkehrsstrecken in Indonesien finanzieren. Die Züge in Russland wurden beispielsweise mit 300 Millionen Euro finanziert, davon waren 250 Millionen Euro durch die Euler Hermes Kreditversicherung gedeckt.

Für die Metrolinie 2 in Santo Domingo übernahm das Eurodom-Konsortium neben dem Gleisbau die elektrotechnische Ausrüstung mit der Automatisierung und den Kommunikationssystemen und Siemens die Signal- und Steuerungstechnik mit der automatischen Zugbeeinflussung und dem Betriebsleitsystem. Zudem soll die Metrostrecke während der ersten drei Jahre durch Siemens instandgehalten werden.

Die neue Strecke verläuft von den westlichen Vororten Santo Domingos bis in die bevölkerungsstarken Viertel um den Fluss Osama. Erweiterungen sind in beide Richtungen geplant, so auch zum „Faro al Colón“, dem Leuchtturm des Kolumbus, der diese „Perle der Antillen“ am 5. Dezember 1492 entdeckte. 20 dominikanische Pesos, etwa einen halben US-Dollar, kostet ein Metroticket. Die alten überfüllten Taxibusse mit weniger Komfort und langen Fahrzeiten sind um zehn Pesos teurer und brauchen in den Spitzenzeiten bis zu zwei Stunden ins Stadtzentrum. Mit der Metro sind es nur wenige Minuten. Die Nachfrage ist entsprechend groß. „Bis 2014 werden wir etwa 250.000 Fahrgäste täglich auf beiden Linien haben“, sagt Miguel Berrozpe. Damit nicht genug: In den nächsten Jahren sollen vier weitere Metrolinien entstehen.

Silke Weber