Das Bolschoi-Theater im Herzen Moskaus steht wie kaum eine andere Institution für die russische Kultur. Bei den sechs Jahre dauernden Restaurationsarbeiten kamen auch Lösungen von Siemens zu Einsatz.
Neuer Glanz: Nach 150 Jahren war eine Sanierung des Hauses mehr als überfällig. Bühnen- und Gebäudetechnik sind von Siemens.
Hier ein kurzes Räuspern, da ein Hüsteln, plötzlich alles still. Der in Gold und Purpurrot gehaltene Seidenvorhang öffnet sich. In tänzelnden Schritten erscheinen – nur durch einen Scheinwerfer erhellt – die Ballerinen. Auf dem Programm steht „Schwanensee“, das Ballett des russischen Komponisten Tschaikowski. In einem der berühmtesten Schauspielhäuser der Welt: dem Bolschoi-Theater, das 1780 in Moskau eröffnet wurde. Abend für Abend stehen hier die Stars aus dem Opern-, Ballett- und Theater-Geschäft auf den Brettern, die die Welt bedeuten.
Bolschoi bedeutet „groß“ und tatsächlich zählt das Theater zu einer der größten Institutionen ihrer Art weltweit – mit 3.100 Mitarbeitern: Orchester, Tänzer, Sänger, Schauspieler und die vielen Helfer hinter der Bühne. Eine Hauptbühne, eine obere Bühne, ein Backstage-Bereich und drei Ballettstudios sind hier untergebracht. 1856, unter Zar Alexander II., war das Theater nach einem Brand neu aufgebaut worden, „doch die letzten 150 Jahre wurde es nicht mehr restauriert“, sagt Bolschoi-Mitarbeiterin Katherina Novikova. „Bis zu 70 Prozent der aus Ziegelstein gemauerten Außenwand waren marode, einige Teile einsturzgefährdet.“ 2005 gab das Kultusministerium der Russischen Föderation daher den Startschuss zur Rekonstruktion des Theaters.
Dem Ambiente des 19. Jahrhunderts tat die Restauration keinen Abbruch. „Für uns war es extrem wichtig, dass wir dieses einzigartige Gebäude erhalten konnten“, erklärt Novikova. Doch mindestens genauso wichtig waren alle Arbeiten für Sicherheit und Komfort der Zuschauer. „Wir haben das Sicherheitskonzept überarbeiten lassen und die Fundamente – ursprünglich Eichenpfähle, die im sumpfigen Boden zu faulen begannen – erneuert. Zugleich schufen die Architekten auch unterirdisch mehr Raum.“ Das Gebäude steht auf festem Boden in einer Tiefe von 20 Metern. Der Teil, der überirdisch sichtbar ist, hat ungefähr die gleiche Höhe wie der Teil unter der Erde. „Darüber hinaus wurde das Theater mit neuen Aufzügen und Toiletten für Behinderte ausgestattet, und es wurde mehr Platz zwischen den Parkettreihen geschaffen.“
Die Restaurationsarbeiten dauerten sechs Jahre – von 2005 bis 2011. Dabei musste auch die Raum- und Bühnentechnik auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Erneuerung der technischen Ausrüstung lag in den Händen von Siemens. „Wir haben viel Erfahrung, wenn es darum geht, Theater überall auf der Welt technisch innovativ auszustatten“, erklärt Dmitri Podgorbunsky, der bei Infrastructure & Cities in Russland den Bereich der Nieder- und Mittelspannung verantwortet. „Siemens-Lösungen für eine durchgängige Energieverteilung sind in der Mailänder Scala, im italienischen Theater Archimboldi und in der Semperoper in Dresden im Einsatz und nun auch im Bolschoi-Theater.“
Dahinter steckt das Siemens-Konzept der Totally Integrated Power (TIP). Hier sind die Produkte und Systeme alle so aufeinander abgestimmt, dass der Strom zuverlässig vom Netz bis zum Endverbraucher transportiert wird. Unter anderem installierte Siemens im Bolschoi Mittel- und Niederspannungsschaltanlagen und Transformatoren sowie Komponenten zur Automatisierung. Sie sorgen dafür, dass sich die Bühne hinauf- und hinunterfahren lässt oder die Beleuchtung gezielt gesteuert werden kann. Außerdem installierte Siemens zentral geregelte Belüftungssysteme für die Klimatisierung und Fernwärmeeinrichtungen. „Mit all dem trug das Unternehmen wesentlich dazu bei, dass die Energie nun effizienter genutzt werden kann und die Betriebskosten niedriger ausfallen. Dabei ist es uns gelungen, das Flair des altehrwürdigen Gebäudes zu erhalten und es gleichzeitig mit State-of-the-art-Technologien auszustatten“, erklärt Novikova. Und Podgorbunsky fügt an: „Um es in Zahlen auszudrücken: Unser Kunde kann bis zu 30 Prozent sowohl bei der Energie als auch bei den laufenden Kosten einsparen – und das ohne auf den Komfort und die Zuverlässigkeit der Systeme verzichten zu müssen.“
Im Theatersaal haben sich die Zuschauer mittlerweile von ihren Samtstühlen erhoben und jubeln den Darstellern zu. Die kleinen „Schwäne“ auf Spitzenschuhen verbeugen sich und verlassen die Bühne. Für heute schließt sich der Vorhang des „großen Theaters“ in Moskau – doch sicher ist: Dank der umfassenden Restaurationen wird er sich auch in den nächsten Jahren noch unzählige Male heben.