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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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Lichtblick: Solarmodule und Energiesparlampen bringen den Menschen in abgelegenen Regionen Mexikos nicht nur Licht,

Lichtblick: Solarmodule und Energiesparlampen bringen den Menschen in abgelegenen Regionen Mexikos nicht nur Licht,

sondern auch höhere Lebensqualität.

sondern auch höhere Lebensqualität.

Licht für alle

30.000 Menschen in den Bergen von Querétaro in Mexiko haben keinen Zugang zum Stromnetz. Siemens installierte hier daher Solarsysteme, die nun über 180 Haushalte versorgen.

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Mit dem kostenlosen Solarstrom können die Kinder nun am Abend Hausaufgaben machen.

SEWEC – die zweite Welle der Wachstumsmotoren

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Die Weltkarte der wichtigsten Wirtschaftsmächte wird sich in den nächsten 20 Jahren stark verändern. Siemens will diese Entwicklung von Anfang an nutzen und einen Fokus auf die neuen Märkte richten. Ein Team der Strategieabteilung unter Leitung von Marianne Kiener arbeitete von März bis Juni 2011 daran, in einer ersten Projektphase besonders interessante Länder – die Second Wave Emerging Countries (SEWEC) – zu identifizieren und die wichtigsten Wachstumsfelder zu analysieren. „So wie heute die BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China, die wichtigsten Treiber des globalen Wirtschaftswachstums sind, so werden die SEWECs eine wichtige Rolle in der Zukunft einnehmen“, erklärt Kiener. Bei der Auswahl für das SEWEC-Projekt analysierten die Strategen, wie viel das jeweilige Land in Geschäftsfeldern investiert, die für Siemens relevant sind. Weitere Kriterien waren Bruttoinlandsprodukt, Bevölkerungsgröße, Bildungsstand und Rohstoffreserven. Dabei stellten sich Indonesien, Kolumbien, Mexiko, Thailand, die Türkei und Vietnam als die interessantesten Länder heraus. So entstehen in der Türkei neue Produktionskapazitäten und Infrastrukturen, Thailand investiert mit neuen Kraftwerken in die Energieversorgung und mit Hochgeschwindigkeitszügen in den Transportsektor, und Mexiko wird seine Öl- und Gasindustrie ausbauen. „In der zweiten Projektphase übernahmen die jeweiligen Landesgesellschaften die genauere Analyse der nationalen Trends und haben daraus eine konkrete Vision entwickelt, wie ihr Land im Jahr 2030 aussehen wird“, sagt Kiener. Zusammen mit den Sektoren von Siemens entwickeln die lokalen Projektteams nun Strategien, um die besten Voraussetzungen für die erwartete Entwicklung zu schaffen.

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Im Dorf Adjuntitas Dos im Hochland des mexikanischen Bundesstaates Querétaro scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Wie alle Dorfbewohner beackert Artemio Juárez, der Dorfvorsteher, seine steilen, steinigen Felder mit der Hacke, die Saat trägt er in einem umgehängten Beutel. Sein wichtigstes Transportmittel ist die Schubkarre. Autos gibt es nicht in dem Hundert-Seelen-Nest, das 200 Kilometer nördlich von Mexiko City in 1.800 Metern Höhe liegt. Die 14 Haushalte haben weder Zugang zum Stromnetz noch zur Wasserversorgung noch zu einem Mobilfunknetz. „Wir sind hier auf dem Hügel irgendwie verloren, ohne Straßen, ohne Licht“, sagt Lucía Cruz, die Frau von Artemio Juárez. Wie fast 30.000 Menschen in Querétaro mussten sie ihr Leben lang ohne Elektrizität auskommen.

Doch das ist nun vorbei: Seit Sommer 2011 gehen im Haus der Familie Cruz jeden Abend die Lichter an. Eine Osram-Energiesparlampe erleuchtet dann den Esstisch, eine weitere ist über der Hängematte von Bernardino angebracht, dem achtjährigen Sohn. Den Strom liefert ein Solarmodul auf dem Dach. Im Rahmen des Projektes „Luz Cerca de Todos“ – Licht nah bei allen – haben Siemens-Techniker in Adjuntitas Dos und neun weiteren Gemeinden im Umkreis von 50 Kilometern insgesamt 182 Solarmodule installiert und neue Batterien geliefert, die den tagsüber erzeugten Strom speichern. Für die Menschen in den wildromantischen Bergen war es wie eine Erleuchtung: „Als ob abends der Morgen graut“, sagt Juárez. Bernardino kann vor dem Schlafengehen noch ein wenig lesen. Seine ältere Schwester hat mehr Zeit für ihre Hausaufgaben. Beide Kinder freuen sich darauf, in Zukunft Musik hören und Fernsehen schauen zu können – und zu erfahren, was in der Welt passiert.

Während es in Industrieländern selbstverständlich ist, dass der Strom aus der Steckdose kommt, haben nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) 20 Prozent der Weltbevölkerung noch keinen Zugang zu Elektrizität – das sind 1,4 Milliarden Menschen, vor allem in Afrika und Südasien. Aber auch in Mexiko, wo die Elektrifizierung 2010 einen Stand von fast 97 Prozent erreichte, leben noch immer 3,5 Millionen Menschen ohne Strom, vor allem in abgelegenen, ländlichen Gemeinden wie Adjuntitas Dos.

Elektrizität kann in solchen Gegenden die Lebensbedingungen erheblich verbessern, wie ein Bericht der Weltbank feststellt: Elektrischer Strom wirkt sich positiv auf Bildung, Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung aus, heißt es dort. Schulkinder können abends noch lernen, und weil in den Häusern Glühbirnen statt Kerzen verwendet werden, verbessert sich die Luftqualität. Fernsehen trägt zudem zur gesundheitlichen Aufklärung bei, und der Strom fördert oft auch die Gründung von Mini-Unternehmen: Besitzer von Fernsehern können zum Beispiel Geld verdienen, indem sie Besuchern kleine Snacks verkaufen. Wer einen Kühlschrank hat, kann den Platz darin vermieten oder kalte Getränke verkaufen.

Arbeitsplätze für die Region. Auch in Querétaro soll es vorangehen. Gouverneur José Calzada will bis 2013 alle Einwohner mit Strom versorgen. An den ersten Schritten dieses Projektes hat sich Siemens maßgeblich beteiligt: Der Sektor Energy, der 2011 ein neues Werk in Querétaro eröffnete, übernahm die Kosten von 230.000 Euro für die 182 Solarmodule und organisierte die Installation. „Wir möchten in der Region nicht nur Arbeitsplätze schaffen und unsere Geschäfte ausweiten, sondern auch zur Entwicklung beitragen. Daher organisieren wir Programme, die die Lebensqualität der Menschen verbessern“, sagt Louise Goeser, CEO von Siemens Mesoamérica. Siemens wolle mit der Initiative ein Vorbild für andere Firmen sein und zeigen, dass es sich lohne, die soziale Entwicklung zu unterstützen. Das Unternehmen übernahm auch den Transport in die Berge. Insgesamt war das Team acht Wochen damit beschäftigt, die Solarmodule in den zehn Dörfern aufzubauen, von denen einige nur durch einen zweistündigen Fußmarsch zu erreichen sind. Sintflutartige Regenfälle erschwerten die Arbeiten zusätzlich. Für Projektleiter José Hernández hat das Projekt großen Symbolcharakter: „Die Menschen in Querétaro stehen stellvertretend für die vielen Menschen, die noch keinen Strom haben. Wir wollen zum Ausdruck bringen, wie entscheidend sich das Leben durch Elektrizität verbessern kann.“

Bei Licht betrachtet. Die Einwohner von Adjuntitas Dos sparen durch den kostenlosen Solarstrom zunächst einmal eine Menge Geld. „Die Menschen haben bislang 40 Prozent ihres Einkommens für Kerzen, Batterien und Treibstoff ausgegeben“, sagt Hernández. „So benutzten sie etwa Autobatterien, um fernsehen zu können.“ Das eingesparte Geld verwenden einige der Bauern nun, um Arbeitskräfte einzustellen. „Sie können mehr anbauen, mehr ernten und haben größere finanzielle Ressourcen.“ Den Kindern im Dorf verhilft das abendliche Licht zu besseren Lernmöglichkeiten. „Die Kinder müssen ihren Eltern nach der Schule bei der Arbeit auf dem Feld helfen. Meist kommen sie erst nach Hause, wenn es dunkel wird“, sagt Hernández. Bislang war Licht so kostbar, dass die Familien es als Verschwendung betrachteten, für die Hausaufgaben eine Kerze anzuzünden. „Jetzt machen die Kinder Hausaufgaben, und die Eltern können sie dabei besser unterstützen.“ Neben den Solaranlagen für Privathaushalte hat Siemens auch in Schulen, Kirchen und gemeinschaftlich genutzten Lagerhäusern zehn etwas leistungsfähigere Gemeinschaftsanlagen installiert, die genug Strom für einen Kühlschrank oder einen Computer liefern.

Laut Weltbank wird Elektrizität in ländlichen Gebieten am häufigsten für die Beleuchtung genutzt. Danach folgen Fernseher und Kühlschränke. In den Bergen Querétaros sind elektrische Geräte selten. „Einige Haushalte haben ein Radio, sehr wenige einen Fernseher oder ein Mobiltelefon“, so Hernández.

Als erstes mussten die Einwohner lernen, klug mit der neugewonnenen Energie umzugehen. Der Strom reicht aus, um vier Glühbirnen und ein Radio etwa vier Stunden lang zu betreiben. „Wir haben ihnen erklärt, dass sie das Licht und das Radio ausmachen müssen, wenn sie einen Raum verlassen“, erinnert sich Hernández. „Das hat sie zwar zunächst etwas enttäuscht, aber alles in allem sind sie sehr glücklich über die Veränderung.“

Ute Kehse