Go to content

SIEMENS

Research & Development
Technology Press and Innovation Communications

Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
pictures

Spitzenforschung: Siemens investiert viel in Russland, etwa um mit Partnern neue und bessere Materialien zu entwickeln.
Im Bild untersucht ein Forscher Stahlproben für Transformatoren unter dem Mikroskop.

Spitzenforschung: Siemens investiert viel in Russland, etwa um mit Partnern neue und bessere Materialien zu entwickeln.

Spitzenforschung: Siemens investiert viel in Russland, etwa um mit Partnern neue und bessere Materialien zu entwickeln.

Spitzenforschung: Siemens investiert viel in Russland, etwa um mit Partnern neue und bessere Materialien zu entwickeln.

Spitzenforschung: Siemens investiert viel in Russland, etwa um mit Partnern neue und bessere Materialien zu entwickeln.

Investitionsschub für Russland

Russland will Forschung und Produktion im eigenen Land ausbauen. Mit neuen Forschungsprojekten für Energieerzeugung und -übertragung, für Züge und die Weiterentwicklung von Teilchenbeschleunigern trägt Siemens zur Modernisierung der russischen Wirtschaft bei.

Image Feinarbeit: Ob Generatoren für die Wärmerückgewinnung, …
Image
Image … Teilchenbeschleuniger, …
Image … aoder 3D-Scanner für deren Bauteile - Russland forscht intensiv.
Siemens will in den kommenden drei Jahren mit Partnern eine Milliarde Euro in Russland investieren.

In der Reihe der BRIC-Staaten – der wirtschaftsstarken Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China – nimmt Russland derzeit eine Sonderrolle ein. Während die Wirtschaft in China, Indien und Brasilien weiter wächst, erholt sich Russland nur mühsam von der Wirtschaftskrise, vor allem bedingt durch drastisch gesunkene Rohstoffpreise. „Wichtige Voraussetzung für eine Modernisierung Russlands ist der Zufluss ausländischer Investitionen“, erläutert Prof. Dr. Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. „Der russische Beitritt zur Welthandelsorganisation im Herbst 2011 signalisiert, dass sich ausländische Investoren auf Rechtssicherheit und den Schutz geistiger Eigentumsrechte verlassen können.“

Im Energiesektor geht es der russischen Regierung vor allem um die Erneuerung und Erweiterung des überalterten Kraftwerkparks. Bis 2017 sind 140 neue Kraftwerksblöcke, vor allem effiziente Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerke (GuD), mit einer Gesamtkapazität von 26 Gigawatt (GW) vorgesehen. Ähnliches gilt für die ganze Gemeinschaft unabhängiger Staaten. „Von der in den GUS-Staaten gesamten installierten Leistung von 370 GW stellen Kraftwerke mit Gasturbinen derzeit nur rund 30 GW. Wir schätzen, dass sich ihr Anteil bis 2020 auf 100 GW erhöhen dürfte“, prognostiziert Dr. Roland Fischer, CEO der Division Fossil Power Generation im Sektor Energy von Siemens.

Siemens, bereits seit 160 Jahren in Russland vertreten, will in den kommenden drei Jahren mit Partnern eine Milliarde Euro in Russland investieren – dabei sollen 4.000 Stellen für Fachkräfte geschaffen werden. Allein 700 Millionen Euro fließen in den Energiesektor, 400 davon in neue Fertigungsanlagen für effiziente Gasturbinen und den Ausbau des Servicegeschäfts. „Wir investieren rund 275 Millionen Euro in unseren neuen Gasturbinenstandort in St. Petersburg. Ab 2014 werden wir dort hochmoderne, effiziente Gasturbinen fertigen", erklärt Dr. Michael Süß, Mitglied des Siemens-Vorstands und CEO des Sektors Energy.

Der Standort soll neben Produktion, Service und Vertrieb auch Forschung und Entwicklung beinhalten. Im Zuge des Ausbaus und der Modernisierung des Stromnetzes in Russland steigt auch die Nachfrage nach Hochspannungsprodukten. In Woronesch, rund 500 Kilometer südlich von Moskau, hat Siemens daher etwa fünf Millionen Euro in ein neues Werk für Hochspannungsleistungs- und Trennschalter investiert. Das Werk ist für eine jährliche Kapazität von 500 Leistungsschaltern ausgelegt.

Schneller Falke. Auch auf dem Feld der Bahntechnik hält Siemens Russland für einen strategischen Wachstumsmarkt. So hat das Unternehmen mehrere Hochgeschwindigkeitszüge für die Strecke Moskau-St. Petersburg nach Russland geliefert. Diese „Sapsan“ (Falke) genannten Züge sind an die speziellen klimatischen Bedingungen vor Ort besonders gut angepasst (siehe weitere Artikel Grüne Finanzierung und Reise in eine grüne Zukunft). So müssen sie bis zu einer Außentemperatur von -40 Grad Celsius uneingeschränkt betriebsfähig sein und die sicherheitsrelevanten Systeme sogar bis -50 °C. Bei Ausfall des Bordnetzes kann der Zug direkt aus der Oberleitung beheizt werden. Siemens-Ingenieure entwickelten zudem ein spezielles Verfahren zur Überprüfung der Haltbarkeit der Räder und zur Analyse der entsprechenden Daten. Auch mögliche Ansammlungen von Eis und Schnee unter den Eisenbahnwagen wurde mit Konstruktionsänderungen berücksichtigt. Die russischen Eisenbahnen wollen nach eigenen Angaben bis 2030 insgesamt knapp 300 Milliarden Euro investieren und 23.000 neue Lokomotiven sowie 24.000 neue Regionalzüge in Betrieb nehmen.

Für die lokale Produktion von Regionalzügen vom Typ Desiro RUS hat Siemens 2011 mit dem russischen Bahntechnikhersteller Sinara ein Joint Venture namens Train Technologies in Jekaterinburg gegründet, das bereits Aufträge im Wert von mehr als drei Milliarden Euro für Güterlokomotiven und Regionalzüge erhalten hat. Mit mehreren hundert Millionen Euro Investitionsvolumen werden die lokalen Produktionskapazitäten ausgebaut.

Trafos ohne Brummen. Aber Siemens will in Russland nicht nur fertigen, sondern auch die Forschungstätigkeiten ausweiten. So wurde im Juni 2010 eine Vereinbarung mit dem Engineering Center von Novolipetsk Steel unterzeichnet. Ziel ist es, gemeinsam an der Optimierung der Metallproduktion, der Materialqualität sowie auf dem Feld der Produktions-Automatisierung zu forschen. Ein anderes Beispiel ist der russische Stahlproduzent NLMK, eines der wenigen Unternehmen weltweit, das Elektrostahl für Transformatoren herstellen kann. NLMK will ein qualifizierter Lieferant von Transformatorenstahl für Siemens werden. Dafür benötigt er Know-how, beispielsweise um die richtige Legierung für Transformatoren produzieren zu können, die das „Brummen“ einer Trafostation verhindert.

Neben der Legierung spielt hier auch die Mikrostruktur des Materials eine wichtige Rolle, die durch Temperatur, Grad der Verformung sowie der chemischen Zusammensetzung beeinflusst wird. „NLMK benötigt von Siemens Produktionsequipment für die Stahlproduktion sowie Automatisierungssysteme zur Überwachung der Produktionsprozesse. Andererseits ist Siemens auch ein potenzieller NLMK-Kunde für Stahl, der für Transformatoren und elektrische Motoren eingesetzt werden kann“, erklärt Denis Saraev, bei Siemens Corporate Technology (CT) verantwortlich für das globale Technologiefeld Hochleistungsmetalle und -Legierungen sowie für die spezielle Kooperation mit NLMK.

Die Forschung beschleunigen. Siemens ist als erster deutscher Konzern eine strategische Partnerschaft mit den Initiatoren der künftigen Innovationsstadt Skolkovo eingegangen. Das Unternehmen will dort rund 40 Millionen Euro in ein Forschungs- und Entwicklungszentrum investieren. Zu den größten Forschungsprojekten zählt die Weiterentwicklung von Teilchenbeschleunigern. „Die Forschung an Beschleunigern ist eine russische Kernkompetenz“, sagt Dr. Martin Gitsels, der die CT in Russland leitet.

Zusammen mit dem Budker-Institut in Novosibirsk, der Universität Frankfurt, der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt sowie dem Institut für Theoretische und Experimentelle Physik in Moskau will Siemens einen Radiofrequenz-Hochleistungsgenerator für lineare Teilchenbeschleuniger entwickeln und bauen.

Er wird auf Siliziumkarbid-Halbleitern ba-sieren, die bei CT vom Forschungsteam um Dr. Oliver Heid erfunden wurden. Der neue Generator ist das Schlüsselelement, um in Zukunft leistungsstarke Linearbeschleuniger wesentlich kleiner und kompakter machen zu können. So hoffen die Forscher, vor allem große Anlagen, die heute bis zu hundert Meter lang sein müssen, auf etwa ein Viertel der Größe zu bringen. Außerdem soll die neue Technologie Effizienzwerte von über 70 Prozent erreichen. Verglichen mit den 40 bis 50 Prozent aktueller Lösungen – wie Klystrone, Magnetfeldröhren und Wanderfeldröhren – ist das ein großer Fortschritt. Die neue Technologie kann als Stand-alone-Lösung beispielsweise als Ersatz für ein Klystron konfiguriert oder als integrierter Bestandteil einer Beschleunigungsstruktur realisiert werden.

Heids Team hat bereits erste Module mit Siliziumkarbid-Transistoren mit einer Leistung bis drei Kilowatt entwickelt und getestet. Noch leistungsfähigere sind schon in Planung, und es gibt bereits Konzepte, über eine Kombination von mehreren Dutzend Radiofrequenz- Modulen, einen Drei-Megawatt-Generator zu entwickeln. Neben Einsatzgebieten in der Wissenschaft zielt die Entwicklungen der Radio-frequenz-Generatoren auf industrielle Anwendungen und die Medizintechnik.

Solche Forschungsprojekte sind ganz im Sinne der russischen Regierung, um die Innovationsstärke des Landes zu entwickeln. Durch eine bessere Integration von Bildung, Wissenschaft und industrieller Anwendung soll ein nationales Innovationssystem entstehen, von dem sich Russland neue Impulse für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum verspricht.

Sylvia Trage