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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
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Medizinische Versorgung im ländlichen Raum: Obwohl die Marshfield Clinic in Wisconsin neben der Zentrale 54 medizinische Zentren hat,
werden alle Röntgen- und MRT-Aufnahmen an nur neun Standorten von Radiologen analysiert.

Alles auf einem Monitor: syngo.plaza stellt 2D- und 3D-Aufnahmen dar.

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IT macht Gesundheitssysteme fit

Um die weltweit steigenden Kosten der medizinischen Versorgung in den Griff zu bekommen, müssen Kliniken, Ärzte, Radiologen und Labore ihre Arbeitsabläufe effizienter gestalten. Dabei helfen ihnen Software-Systeme und in Zukunft auch Webdienste.

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Image Alles auf einem Monitor: syngo.plaza stellt 2D- und 3D-Aufnahmen dar.
Mediziner sollten in der Lage sein, Patientendaten von jedem beliebigen Standort aus zu sichten.
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Wer sich über die Finanzierung des Gesundheitswesens Gedanken macht, sollte den Gesundheitsbericht 2011 der OECD lesen. Dort wird unter anderem aufgelistet, wie häufig medizinische Leistungen, etwa Arztbesuche oder Untersuchungen im Magnetresonanz- Tomographen (MRT), in Anspruch genommen werden. Und da wird klar: In den meisten Ländern steigen diese Leistungen, Jahr für Jahr. Das ist einerseits positiv, da es zeigt, dass die Gesundheitsversorgung besser wird. Andererseits bedeutet jede Untersuchung, jede Blutanalyse, jede Durchleuchtung zusätzliche Kosten.

Während die Schwellen- und Entwicklungsländer mit ihrem starken Bevölkerungswachstum zunächst eine gute Versorgung breiter Schichten finanziell schultern müssen, müssen die Industriestaaten für die Gesundheit einer älter werdenden Bevölkerung sorgen: Ist hier derzeit nicht einmal einer von sechs Menschen älter als 65, wird es bis 2050 jeder Vierte sein. Ähnliches gilt auch für weniger entwickelte Länder: Besonders problematisch ist das in China. Bis 2050 wird sich hier die Zahl der Über-65-Jährigen auf 330 Millionen verdreifachen. Die Herausforderung ist also in allen Ländern dieselbe: die Qualität der Versorgung zu verbessern und gleichzeitig die Kosten zu senken.

Roboter hilft beim Abnehmen. Dabei geht es um Themen wie Vorsorge und Früherkennung, zunehmend personalisierte, effektive Therapien und die Optimierung aller Prozesse im Gesundheitswesen. Ohne technische Innovationen ist dies nicht zu schaffen. Insbesondere die Informationstechnologien (IT) und das Internet werden hier eine Schlüsselrolle spielen. Das zeichnet sich mancherorts bereits ab: So werden in Dänemark 97 Prozent aller Rezepte elektronisch ausgestellt, und in 60 Prozent der Praxen kommunizieren Ärzte und Patienten ausführlich per E-Mail – als digitale Nachsorge. In Schweden, den Niederlanden und in Island beginnt man, Erfahrungen mit der medizinischen Fernüberwachung chronisch kranker Patienten zu sammeln: Hier werden per E-Mail oder Telefon aktuelle Daten über Gewicht, Blutdruck oder Sauerstoffsättigung des Blutes an den Arzt übermittelt.

In den USA gibt es erfolgversprechende Versuche, übergewichtigen Patienten einen Roboter zur Seite zu stellen, der ihnen den Weg zu einem gesünderen Lebensstil weist: Dafür beantworten die Patienten Fragen des Roboters nach Gewicht, Ernährung oder sportlichen Aktivitäten über einen integrierten Monitor. Der Computer analysiert die Daten, und mit sanfter Stimme gibt der Roboter dann Empfehlungen für Ernährung und Bewegung.

Ein wichtiger Treiber der IT-Innovation sind große Labore und Kliniken, die Personal und Geräte optimal auslasten müssen. Etwa das Universitätsklinikum Würzburg, eine der Topadressen in Deutschland. Die Umstellung der Röntgendiagnostik von null auf einhundert Prozent digital im Jahr 2004 war laut dem Direktor des Instituts für Röntgendiagnostik, Prof. Dr. Dietbert Hahn, „ein Quantensprung“. Seitdem werden Befunde nur noch elektronisch verteilt. Um die Prozesse noch effizienter zu machen, führte das Klinikum 2011 das Siemens-System syngo.plaza ein – ein Picture Archiving and Communications System (PACS) für den klinischen Betrieb, das neben seiner hohen Leistung vorhandene Hardwarekomponenten integriert und so Komplexität und Kosten einspart.

Ein Beispiel: Bei einem Polytrauma, also schweren mehrfachen Verletzungen, gibt es mehrere hundert Einzelaufnahmen des Patienten. Diese vom Archivierungsserver auf die Workstation des Arztes zu laden, dauert statt wie früher mehrere Minuten mit syngo.plaza nur noch wenige Sekunden. Bei Treffen des Ärzte-Teams werden meist die Bilder von 20 oder mehr Patienten durchgesprochen. Sie sparen sich also über eine Stunde Zeit, die sie dazu verwenden können, die Bilder zu analysieren, anstatt darauf zu warten, dass sie endlich auf dem Bildschirm erscheinen.

Wie IT-Systeme Kosten senken und zugleich die Versorgung verbessern, zeigt auch die Radiologie der Marshfield Clinic in Wisconsin, USA. Diese Einrichtung besteht aus zwei Krankenhäusern und weiteren 54 medizinischen Zentren, die über Wisconsin verteilt sind. Die Radiologie am Hauptsitz in Marshfield versorgt alle angeschlossenen Zentren und kommt auf 500.000 MRT- und Röntgenfälle pro Jahr. Um auch zu Spitzenzeiten alle Aufnahmen schnell auszuwerten, hat die Klinikleitung eine interessante Lösung gefunden, die so nur mit modernster IT zu realisieren war: Sie beschäftigt Radiologen an neun Standorten, darunter einer im über 6.000 Kilometer entfernten Hawaii. Auch hier entschieden sich die Manager für syngo.plaza, um die Aufnahmen zu speichern, zu bearbeiten und den weit verteilten Zentren jederzeit Zugriff zu ermöglichen.

Jetzt sparen nicht nur die Radiologen viel Zeit: Auch die IT-Abteilung kann syngo.plaza schneller und umfassender betreuen, weil das Siemens-System auf Windows basiert, im Gegensatz zum alten Unix-basierten System, wo nur wenige IT-Mitarbeiter über entsprechende Kenntnisse verfügten.

Weil auch viele weitere Systeme, die weltweit in Krankenhäusern im Einsatz sind, auf Windows laufen, ist die Integration zu Netzwerken, Servern und Kliniksystemen wesentlich einfacher als früher. Siemens hat für die Weiterentwicklung seiner Software-Systeme zur Bildbefundung zudem eine Client-Server-Architektur gewählt, bei der Updates zentral aufgespielt werden, anstatt jede Workstation einzeln auf den neuesten Stand zu bringen. Der Wartungsaufwand sinkt dadurch erheblich.

Zur weiteren Optimierung von Arbeitsabläufen hat Siemens auch ein Programm entwickelt, das die Auslastung eines MRT signifikant steigern kann. Die Software stellt sicher, dass der Tisch mit dem Patienten schnell genau auf die Position fährt, die für die jeweilige Untersuchung die beste ist. Bei schwierigen Fällen, etwa wenn Kinder nicht lange stillhalten oder schwerkranke Patienten nicht lange die Luft anhalten können, schlägt die Software dem Radiologen konkrete Arbeitsschritte vor, um die Untersuchung so effizient, so gründlich und schnellstmöglich durchzuführen.

Zahlenkolonnen ade. Fehlervermeidung ist auch die oberste Devise in der Labordiagnostik. Laborleiter wünschen sich Systeme, die automatisch erkennen, wenn Proben verunreinigt sind oder chemische Reaktionen während der Tests nicht korrekt ablaufen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage, die Siemens Healthcare Diagnostics 2010 unter 230 Laborleitern in den USA und in Europa durchführte. Auf Platz zwei steht die Visualisierung der Laborprozesse auf dem Monitor – dadurch können Probleme sofort dem richtigen Bereich zugeordnet werden. Um solche Wünsche zu erfüllen, orientieren sich die Siemens-Experten bei der Entwicklung neuer Laborsysteme an Automatisierungssystemen der Industrie oder aus dem Energie-Bereich. Dort lassen sich auch komplexe Anlagen wie Kraftwerke über auf dem Bildschirm dargestellte Funktionen steuern: Statt auf Fehlerberichte mit langen Zahlenkolonnen zu warten, die erst mühsam ausgewertet werden müssen, erscheint auf dem Monitor des Überwachungssystems die Darstellung des betroffenen Anlagenteils, und es leuchtet beispielsweise ein defektes Ventil auf.

Auch webbasierte Dienste, die die Industrie immer häufiger einsetzt, um beispielsweise die Zusammenarbeit von weltweit verstreuten Abteilungen zu ermöglichen, werden in den Kliniken von großem Nutzen sein. Die Zeiten, in denen sich ein Radiologe an seinen fest vorgegebenen Computer setzen muss, um Bilder zu befunden, werden bald vorbei sein. Statt an einem festen Arbeitsplatz, können Radiologen mit syngo.plaza von nahezu jedem beliebigen Computer aus arbeiten und von dort auf alle Funktionen des Systems zugreifen. Das erhöht die Flexibilität der Mediziner und ermöglicht so Krankenhäusern, ihre medizinische Versorgung trotz steigender Patientenzahlen auf einem qualitativ hohen Niveau zu halten.

Noch einen Schritt weiter gehen IT-Anwendungen beim Cloud Computing. Hier liegen Rechen- und Speicherkapazitäten sowie Software nicht mehr auf einer lokalen Festplatte, sondern auf einem Server, auf den der Nutzer theoretisch von jedem PC der Welt über das Internet zugreifen kann. Beispielsweise können sich Klinik-IT-Systeme über eine sichere Verbindung mit Datenzentren verbinden, um etwa die medizinischen Daten an das jeweilige Krankenhaus weiterzuleiten. Das System lernt mit jedem neuen Fall hinzu: Je mehr Kliniken teilnehmen, umso größer wird die Datenbasis für Vergleichsfälle. Das Ziel aller Mediziner, mehr Zeit für den Patienten aufwenden zu können, rückt somit durch IT zumindest ein Stückchen näher.

Katrin Nikolaus