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Dr. Ulrich Eberl
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Gesunder Mix: In Indiens Dörfern bietet der „Sanjeevan“-Bus moderne Gesundheitsversorgung.

Gesundheitsversorgung. In Kolumbien setzt der Herzspezialist Antonio Dager auf Hightech von Siemens …

… und auch in der chinesischen Provinz kommen Geräte des Unternehmens zum Einsatz.

Keiner wird vergessen

Pragmatische und zugleich kostengünstige Lösungen sollen die medizinische Versorgung der Menschen in den ländlichen Gebieten der Schwellenländer sicherstellen. Aber auch High-End-Geräte kommen hier zum Einsatz, vor allem in den modern ausgestatteten Kliniken der großen Städte.

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Image Gesundheitsversorgung. In Kolumbien setzt der Herzspezialist Antonio Dager auf Hightech von Siemens …
Image … und auch in der chinesischen Provinz kommen Geräte des Unternehmens zum Einsatz.
Im indischen Hinterland bietet eine rollende Miniklinik mit High-tech-Geräten medizinische Hilfe an.

Gesundheitspolitik ist immer auch Wirtschaftspolitik. Als China vor zwei Jahrzehnten mit seinen Wirtschaftsreformen begann, gab das Land die „Eiserne Reisschüssel“ auf – die soziale Rundumversorgung mit sicherem Arbeitsplatz und kostenloser Gesundheitsbehandlung. Viele Chinesen auf dem Land verfügen heute über keine Krankenversicherung und müssen ihre Arztkosten selbst bezahlen.

„Wir haben uns daher überlegt, wie wir die Kosten senken können, damit eine Computertomographie-Untersuchung für jeden Chinesen erschwinglich wird“, sagt Florian Belohlavek, Produkt-Marketing-Manager für den CT-Scanner SOMATOM Spirit. Das Gerät ist Teil der SMART-Initiative von Siemens, bei der kostengünstige, robuste, zuverlässige und leicht zu bedienende Geräte speziell für die Versorgung ländlicher Gebiete in Schwellen- und Entwicklungsländern entwickelt werden. Technisch gesehen handelt es sich um ein Zwei-Zeilen- System, was bedeutet, dass es bei einer vollständigen Rotation der Röhre um den Patienten zwei Schnitte gleichzeitig aufnehmen kann. Das ermöglicht wichtige Routineuntersuchungen, etwa von Kopf oder Lunge.

Der günstige Gerätepreis ermöglicht auch kleineren Krankenhäusern in China den Einstieg in die Computertomographie. „Der SOMATOM Spirit ist meist der erste CT-Scanner, der angeschafft wird“, erläutert Belohlavek. Hierfür hat Siemens seine Benutzeroberfläche syngo speziell auf dieses Modell angepasst. Produziert wird das Gerät in Shanghai, von wo aus vor allem Brasilien, Russland, Indien und China beliefert werden. Weltweit wurden bereits über 2.000 Scanner dieses Typs verkauft. Ebenfalls aus Shanghai stammt der 6- und 16-Schichten-Scanner SOMATOM Emotion, den sich viele Kliniken als Zweitgerät zulegen. Durch seine schnellere Scan-Zeit ermöglicht er einen höheren Patientendurchsatz. Außerdem bietet er eine höhere Bildauflösung, sodass Tumore oder auch Schlaganfälle besser diagnostiziert werden können. Darüber hinaus arbeiten Spezialisten in Schwellenländern wie in Industriestaaten natürlich auch mit Hochleistungsgeräten wie dem SOMATOM Definition Flash. Diese Scanner kommen vor allem in den großen medizinischen Zentren oder Spezialkliniken zum Einsatz.

High-tech in Indiens Dörfern. Auch in Indien bemüht sich die Regierung, die Gesundheitsversorgung auf dem Land zu verbessern. Die Mehrheit der Inder wohnt in einem der rund 600.000 Dörfer. Wie in China sind auch hier Krankenversicherungen kaum verbreitet. Zudem praktizieren die Ärzte vorwiegend in den Städten, und die Dörfer sind oft eine Tagesreise von der nächsten Klinik entfernt. Daher hat Siemens im Jahr 2001 das Konzept einer rollenden Miniklinik entwickelt, um das Hinterland von Indien mit guten und erschwinglichen Gesundheitsleistungen zu versorgen. Der „Sanjeevan“-Bus, der mit den wichtigsten diagnostischen Geräten – etwa für Röntgen-, Ultraschall-, Mammographie- oder pathologische Untersuchungen – ausgestattet ist, und auch gekühlte Medikamente lagert, wurde indienweit über 25-mal an lokale Regierungen, NGOs und private Gesundheitsversorger verkauft.

Bei Siemens Corporate Technology (CT) in Bangalore machen sich auch Techniker Gedanken darüber, wie sie zur Verbesserung der ländlichen Gesundheitsversorgung beitragen können. „Weil die Menschen auf dem Land den Arzt selbst bezahlen müssen, gehen sie erst dann zum Arzt, wenn es schon fast zu spät ist“, sagt Manohar Kollegal, Programm-Manager für Healthcare-Produkte bei CT. „Wir benötigen vor allem eine bessere Prävention und bezahlbare Untersuchungen.“ Zusammen mit seinen Kollegen entwickelt er ein diagnostisches Gerät für biochemische Analysen, beispielsweise von Blut, Urin oder Serum. „Dabei legen wir Wert auf einen hohen Qualitätsstandard zu vernünftigen Kosten“, erklärt er. Der Prototyp soll im Frühsommer 2012 fertig sein.

Das indische CT-Team hat auch den Fetal Heart Rate Monitor entwickelt – ein Gerät zur Überwachung der Herzfrequenz von Ungeborenen. Es misst nicht nur mit einer Art Mikrofon die Herzfrequenz des Fötus, sondern auch die Uteruskontraktion der Mutter. Nach der klinischen Erprobung im Jahr 2011 ist das Gerät nun einsatzbereit. Es soll dazu beitragen, die hohe Kindersterblichkeit in Indien zu senken. „Wir haben für die Software eigene Algorithmen entwickelt und auf die Region zugeschnittene diagnostische Alarmmeldungen für die Herzfrequenz eingebaut“, sagt Kollegal.

Weitere Lösungen auf dem Feld der künst-lichen Intelligenz werden derzeit überall bei Siemens realisiert. So entwickeln Siemens-Forscher in den USA und in Deutschland im Team von Dr. Vinay Shet im Rahmen des Leuchtturmprojekts „Kollektive Intelligenz“ ein klinisches Entscheidungssystem, das Patientendaten analysiert und die wahrscheinlichste Diagnose dem behandelnden Arzt vorschlägt.

Ultraschall in Chiapas. Hohe Kindersterblichkeit ist allerdings nicht nur in Indien ein Problem. In Chiapas, dem ärmsten Bundesstaat Mexikos, wird bereits die medizinische Aufklärung und Betreuung der überwiegend indigenen Bevölkerung durch Sprachprobleme, kulturelle Unterschiede und eine zum Teil schwer zugängliche Geographie erschwert. Um die medizinische Versorgung vor Ort zu verbessern, hat Siemens den kommunalen Gesundheitszentren in Chiapas insgesamt 44 Ultraschall-Geräte zur Verfügung gestellt. Diese Geräte werden für die Untersuchung von Schwangeren und Kleinkindern verwendet. Durch die bessere medizinsche Versorgung konnte in Chiapas in den vergangenen zwei Jahren die Kindersterblichkeit um fünf Prozent gesenkt werden.

„Eine intelligente Investition waren auch die 35 mobilen Röntgensysteme Polymobil Plus, die die Regierung für Chiapas angeschafft hat“, sagt Mauricio Valero, Verkaufsleiter für klinische Produkte bei Siemens in Mittelamerika. Das Gerät ist einfach zu installieren und zu reinigen, und hat geringe Wartungskosten. Es wird nicht nur in kleinen Kliniken eingesetzt, sondern auch in Erstversorgungsstellen, die oft nur aus einem Raum bestehen. Neben solchen praktischen Lösungen versucht die mexikanische Regierung, die Gesundheitsinfrastruktur in Chiapas durch den Bau von drei neuen Krankenhäusern in den großen Städten zu verbessern.

Für ihr Brustkrebsvorsorge-Programm hat die Regierung zwei erstklassige Privatkliniken in Mexico City und Monterrey mit einem digitalen Mammographiesystem und einem Ultraschallgerät für automatische 3D-Brustscans ausgestattet. Die Kombination von Ultraschall und Mammographie gilt derzeit als beste Untersuchungsmethode, um Brustkrebsherde aufzuspüren und Fehlalarme sowie die damit verbundenen Biopsien zu vermeiden. Die Regierung plant, weitere sechs bis zehn dieser Einheiten in kleineren Städten zu installieren. Die medizinischen Aufnahmen des Screenings sollen zentral in Tuxtla, der Hauptstadt von Chiapas, von zwei bis drei hochspezialisierten Experten ausgewertet werden. Dazu werden die Bilder diesen Experten via Datenleitung übermittelt. „Der Aufbau der dazu notwendigen Telematikinfrastruktur soll in 18 bis 24 Monaten abgeschlossen sein“, sagt Valero.

In Cali, der drittgrößten Stadt Kolumbiens, hat das Krankenhaus Angiografía de Occidente sogar die JCI-Zertifizierung, um Patienten aus Mittel- und Südamerika und den USA anzuziehen. In der Klinik operiert mit Dr. Antonio Dager der einzige Kardiologe Kolumbiens, der mit einem minimalinvasiven Eingriff Herzklappen ersetzen kann. Diese Technik beherrschen auch weltweit nicht viele Ärzte. Der in den USA ausgebildete Spezialist verwendet dazu zwei Angio-graphiesysteme Artis Zee und die Software syngo DynaCT Cardiac, die ihm während der Operation 3D-Bilder aus dem Körperinneren liefert.

In den vergangenen drei Jahren hat er 90 dieser Eingriffe durchgeführt. Zurzeit baut Dager einen Hybridraum auf, in dem er sowohl minimalinvasiv als auch am offenen Herzen operieren kann. „Um mich auf diesen Hybridraum vorzubereiten, war ich 2011 bei Siemens in Erlangen, wo ich mich genau über die benötigte Infrastruktur informieren und in einem Hybridraum schon einmal alle Arbeitsschritte üben konnte“, sagt der Kardiologe.

Diese Beispiele zeigen, dass auch die High-end-Medizin in Schwellenländern auf dem Vormarsch ist. Trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung müssen diese Länder jedoch genau wie die Industriestaaten auf die Kosten achten. Die Herausforderungen bei der Versorgung der Landbevölkerung in oft unzugänglichen Gebieten sind jedoch ungleich höher. Etlichen Schwellenländern gelingt es aber, mit einem praktikablen Mix aus preiswerten Lösungen für die Grundversorgung auf dem Land und High-end-Lösungen für Spezialbehandlungen in den großen Städten die Gesundheit ihrer Einwohner zu verbessern.

Michael Lang