Wie man auch in Zeiten der Krise investieren kann, zeigt Siemens Financial Services. SFS navigiert große Projekte in der ganzen Welt sicher durch schwankende Finanzmärkte.
Planmäßig errichtet: GuD-Kraftwerk in Belgien.
Partner: Siemens beteiligte sich mit Eigenkapital.
Unternehmen, die große Infrastrukturprojekte wie Kraftwerke, Flughäfen oder Krankenhäuser planen, brauchen erstens starke Nerven, zweitens eine solide Finanzierung und drittens zuverlässige Partner. Ein Beispiel: Für das Gas- und Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerk T-Power in Belgien wurde 2005 eine Projektgesellschaft unter Beteiligung von Siemens Financial Services (SFS) und der belgischen Firma Tessenderlo Chemie sowie einer Projektentwicklungsgesellschaft gegründet. Ein Bankenkonsortium von zehn Geldinstituten übernahm die Fremdfinanzierung, und das Joint Venture erhielt die erste private Stromerzeugungslizenz in Belgien. „Wir standen dann kurz vor Baubeginn, als die Finanzkrise ausbrach“, erinnert sich Hans-Joachim Schulz aus der Project & Structured Finance Energy-Einheit der SFS.
Doch es gelang, den Bau ohne Verzögerungen voranzutreiben, keiner der Partner sprang ab. Der Grund: „Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn Belgiens Regierung wollte damals den Wettbewerb bei der Stromerzeugung erhöhen“, erklärt Schulz. Mindestens ebenso wichtig sei aber gewesen, dass Siemens mit 33 Prozent Eigenkapital in das 440-Millionen-Euro-Projekt eingestiegen war. „Wir arbeiten seit über 20 Jahren mit internationalen Partnern im Entwicklungsgeschäft und haben uns den Ruf erworben, absolut zuverlässig zu sein.“
Im Juli 2011 ging das 430-Megawatt-GuD-Kraftwerk planmäßig in Betrieb. Es ist mit einem Wirkungsgrad von über 58 Prozent eine der effizientesten und modernsten Anlagen in Europa. Siemens Energy war für die Errichtung inklusive Lieferung aller Hauptkomponenten, einer Gasturbine, einer Dampfturbine und eines Generators, zuständig. Etwa die Hälfte des Stroms verwendet Tessenderlo für energieintensive Produktionsprozesse in seinem benachbarten Werk, der Rest wird ins Netz eingespeist.
„Das Kraftwerk in Belgien ist ein Musterbeispiel dafür, wie SFS bei großen Infrastrukturprojekten mit Joint Ventures vorgeht“, erklärt Schulz. So arbeitet SFS stets mit zuverlässigen Partnern vor Ort zusammen, um zu gewährleisten, dass lokale Gegebenheiten wie Genehmigungsverfahren, Einbindung von angrenzenden Gemeinden und Ähnliches frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Dies gilt auch für den Offshore-Windpark Lincs, der vor der britischen Ostküste errichtet wird. Auch hier ist Siemens als Finanzierungspartner und zugleich als Lieferant von Windturbinen und der Netzanbindungstechnik an Bord. „In so großen Projekten arbeiten wir mit unseren Partnern über viele Jahre hinweg zusammen“, sagt Schulz. Oft ist Siemens langfristig über Wartungs- und Serviceverträge eingebunden. „Das gibt den Partnern zusätzliche Sicherheit, dass wir das Projekt für Erfolg versprechend halten.“
Sanieren und sparen. „Einen langen Atem hat Siemens auch bei der Finanzierung von energetischen Sanierungen, etwa bei Bürogebäuden, Krankenhäusern, Schulen und Universitäten. Um moderne Energiespartechnik trotz leerer Kassen umsetzen zu können, ging die Stadt Berlin bereits 1996 eine Partnerschaft mit Siemens ein: Ziel war die energetische Sanierung von rund 200 öffentlichen Gebäuden ohne zusätzliche Finanzmittel. Im Rahmen eines „Energiespar-Contractings“ ermittelte Siemens die Energie- und Betriebskosteneinsparungen der Gebäude und übernahm die Modernisierung. Die Investitionskosten finanziert die Stadt in Raten über die vertraglich garantierten Einsparungen. Mittlerweile sind etliche Gebäude, etwa die Universität der Künste, mit neuen Heizungssystemen, Lüftungs- und Klimaanlagen und zentraler Gebäudeleittechnik ausgestattet. Berlin ist kein Einzelfall: Weltweit hat Siemens bereits über 4.500 Gebäude im Rahmen von Energiespar-Contracting modernisiert. Die Betreiber der Gebäude sparten damit über eine Milliarde Euro, und die Umwelt wurde um 9,7 Millionen Tonnen CO2 entlastet.
Darüber hinaus kümmert sich SFS um das Management versicherungsfähiger Risiken. In diesem Zusammenhang auch um Anlagen, für die Versicherungen wegen der eingesetzten neuen Technologien nur begrenzt bereit sind, eine Risikoabsicherung zu übernehmen. So hat SFS ein Versicherungskonzept für die leistungsstärkste Gasturbine der Welt im GuD-Kraftwerk Irsching entworfen. Die Gasturbine wurde von Siemens entwickelt und gebaut, wie Willibald Fischer, Leiter für das Produkt-management der Gasturbinen, erklärt: „Die Versicherungsmöglichkeit ist für ein solches Projekt essenziell. Neben den üblichen Risiken – wie für Terminstrecken und Baurisiken – musste hier zusätzlich die innovative Technik abgesichert werden. Durch die frühzeitige Einbindung von SFS wurde die Versicherbarkeit erst möglich.“
Zudem hilft Siemens Partnerfirmen bei der Finanzierung ihres Maschinenparks, etwa in Russland. Seit dem Kauf des Finanzunternehmens DeltaLeasing mit Sitz in Wladiwostok verfügt SFS in Russland über ein landesweites Netzwerk mit 15 Niederlassungen, so auch in Samara, Russlands drittgrößter Industrieregion. Dort hat das Unternehmen ServiceMontageIntegratsiya (SMI) mit Sitz in Kazan neue Maschinen und Anlagen zur Metallverarbeitung für 1,36 Millionen Euro von Siemens Finance Russland geleast.
„Die russischen Firmen legen bei ihren Finanzpartnern immer mehr Wert auf guten Service und erfahrene Mitarbeiter“, erklärt Oleg Rakitsky, Leiter der Commercial Finance-Einheit der SFS in Russland. Das war auch einer der Gründe, warum sich eine der modernsten Kliniken Moskaus, das Perinatal Medical Centre, 2011 für Siemens entschieden hat, um seine Hardware für Computer- und Magnetresonanz-Tomographie sowie die Software für medizinische Bilder auf den neuesten Stand zu bringen. Während Siemens Healthcare für die medizinisch-technischen Anlagen verantwortlich ist, hat SFS Russland die Finanzierung übernommen.
In den Schwellenländern wird SFS künftig mit seinen Finanzierungskonzepten ebenfalls helfen, die Entwicklung voranzutreiben, ob bei Kraftwerken und Flughäfen oder der Modernisierung von Industrieanlagen und Kliniken. So hat SFS auch in Indien eine Gesellschaft gegründet, um Firmen und öffentliche Investoren beim Bau von Anlagen der Siemens-Sektoren als Finanzierungspartner zu unterstützen.