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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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Rio+20:
Es ist Zeit zu handeln

Wie kann die Welt nachhaltiger werden? Diese Frage stellten sich Experten und Politiker im Jahr 1992 beim „Earth Summit“ in Rio de Janeiro. Beim Nachfolgegipfel im Juni 2012 diskutieren sie, wie sich ein schwächeres wirtschaftliches Wachstum und größere Nachhaltigkeit zusammenbringen lassen.

Projekte für ein besseres Leben in den Entwicklungsländern

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„We can act now!“ ist das Motto von Siemens für den Earth Summit 2012 in Rio de Janeiro. Damit auch frische Ideen Gehör finden, bringt Siemens gemeinsam mit Partnern engagierte junge Menschen aus aller Welt nach Rio. Als „Students for Sustainability“ präsentieren sie konkrete Vorschläge, wie die Anwendung bestimmter Technologien möglichst kosteneffizient zu größerer Nachhaltigkeit beitragen kann. Auch Siemens selbst arbeitet schon seit Jahren in zahlreichen Projekten mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und gemeinnützigen Partnern zusammen, um die Lebensbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verbessern. Nahe dem Tagungsort von Rio+20 geben die Macher im Zuge der Initiative „Technologies in Action“ ihr Wissen weiter. Sie zeigen, wie bestimmte Technologien auf oft verblüffend einfache Weise die Lebensbedingungen der Menschen verbessern können:

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So kämpft etwa Rhett Butler von Siemens Water Technologies aus Sydney gegen verunreinigtes Wasser. Er entwickelte den mobilen Wasserfilter SkyHydrant. Die von ihm gegründete Stiftung SkyJuice hat bereits in 42 Ländern lokale Partnerschaften aufgebaut, um Menschen zu sehr geringen Kosten mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

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Die spendenfinanzierte NGO Expedicionários de Saúde bringt Ärzte und medizinische Ausrüstung in die Dörfer von Ureinwohnern des brasilianischen Amazonasgebiets. Mit im Gepäck sind handliche Ultraschallgeräte von Siemens. Sogar Operationen, etwa bei Leistenbrüchen oder Augenkrankheiten, können die Ärzte vor Ort durchführen.

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Der WE!Hub, ein von der EU gefördertes Gemeinschaftsprojekt der Siemens Stiftung, des Global Nature Fund, der Osram AG und von Thames Electricals Ltd., bringt Solarstrom in entlegene Regionen von Kenia. Dadurch erhalten die Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Elektrizität, insbesondere für Licht und Mobilkommunikation.

Zudem werden bei Rio+20 weitere Organisationen ihre Lösungen für bessere Lebensbedingungen präsentieren, darunter auch Vertreter der Community Impact Development Group – das ist ein Netzwerk aus Sozialunternehmern, das von der Siemens Stiftung gemeinsam mit Ashoka, einer der größten internationalen Organisationen zur Förderung von Sozialunternehmern, gegründet wurde. close

Große Konferenzen, weit reichende Ziele,wenig konkrete Ergebnisse. Nach dem Klimagipfel im südafrikanischen Durban im Dezember 2011 fragen Zweifler immer lauter: Sind große internationale Konferenzen wirklich das geeignete Mittel, die Welt nachhaltig zu verbessern? Wie kann die nächste große Veranstaltung dieser Art, Rio+20, ein Erfolg werden?

Der Fahrplan für einen Weltklimavertrag, der in Durban mühsam ausgehandelt wurde, soll beispielsweise erst 2020 in Kraft treten. Und ob die Hauptverursacher der Treibhausgas-Emissionen, China, USA, Russland und Indien, unterzeichnen werden, ist völlig offen. Auch offenbarten sich strukturelle Schwächen des Gipfels: Gerade junge Leute, über deren Zukunft in Durban verhandelt wurde, waren in die Entscheidungsprozesse nicht ausreichend eingebunden.

Um gerade sie, die Jungen, die Gestalter der Welt von morgen, zu ermutigen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, hat Siemens eine Community namens „Future Influencers“ ins Leben gerufen. In ihr engagieren sich etwa 30 junge Menschen rund um den Globus, um sich über ihre Ideen für mehr Nachhaltigkeit auszutauschen. Zu ihnen gehört Rashiq Fataar (24). Der junge Kapstädter, der bei einem Versicherungskonzern arbeitet, schreibt im Blog „FutureCapeTown“ über Nachhaltigkeit in seiner Heimatstadt: „Verdient ein Gebäude das Attribut nachhaltig, wenn es zwar ein supermodernes und Strom sparendes Klima- und Beleuchtungssystem hat, aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu erreichen ist?“, fragt er beispielsweise.

Auch wenn aus seiner Sicht in Durban nicht genug erreicht wurde, von Rio+20 verspricht er sich konkrete Ergebnisse: „Die Verantwortlichen werden an die Dinge nicht mehr so naiv herangehen und darauf warten, dass aus Einsicht gehandelt wird, sondern fordern, dass Kommunen nachhaltige Maßnahmen festlegen“, ist der junge Südafrikaner überzeugt. Schließlich habe man mittlerweile viel Erfahrung gesammelt, was das Leben in Städten tatsächlich umwelt- und klimafreundlicher macht. Solche Best-Practice-Beispiele sind auch in den Siemens Green City Indizes für Deutschland, Europa, USA und Kanada, Asien, Lateinamerika und Afrika dokumentiert. (weitere Artikel Ambitionierte Ziele und Zurück in die Zukunft). Zu Rio+20 werden die Ergebnisse erstmals in einer Gesamtschau vorliegen.

Offensichtliche Lösungen. „In vielen Bereichen wäre es möglich, mit geringem Aufwand sofort etwas zu verändern – im Großen wie im Kleinen. So waren etwa die Tagungszelte in Durban angenehm klimatisiert – aber dass die Eingänge gleichzeitig weit offen standen und heiße Luft hereinließen, erschien vielen Teilnehmer wie eine Allegorie auf den Stand der Dinge im Großen. Offensichtliche Lösungen werden nicht konsequent genutzt. Ob bei den erneuerbaren Energien, bei hoch effizienten Kraftwerken oder bei der besseren Energienutzung in Industrie, Gebäuden oder dem Verkehr.

Den Weg zu umweltfreundlichem Wachstum weist der Umweltpolitiker Klaus Töpfer, Gründungsdirektor des Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam: Statt Droh-Szenarien aufzubauen, müsse man den Ländern Vorteile aufzeigen: „Ihr könnt unabhängig werden von den Preisschwankungen und Versorgungsengpässen bei fossilen Energieträgern, ihr könnt eigene Ressourcen nutzen, wie Geothermie in Kenia. Dadurch werden diese Länder unabhängig, die Innovationen helfen ihrem Entwicklungsprozess, und nebenbei hat es noch einen positiven Effekt für das Klima“, sagte Töpfer dem deutschen Nachrichtenmagazin der Spiegel.

Doch die Realität sieht oft anders aus. Dichter Abgasqualm liegt über Abuja: In Nigerias Hauptstadt ist – wie so oft – der Strom ausgefallen und überall rattern laut die Dieselgeneratoren. Allein in Nigeria müssen 60 Millionen Menschen regelmäßig solche Maschinen anwerfen. Viel Hoffnung liegt daher auf erneuerbaren Energien, um umweltschädliche, ineffiziente und teuere Energiequellen ersetzen zu können.

Solarenergie ist für Phenias Sadondo überhaupt der Schlüssel für Fortschritt in Afrika. Der 25-jährige Student arbeitet ehrenamtlich bei der Jugendorganisation Action 24, die sich in seinem Heimatland Simbabwe für Projekte im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels engagiert. „Zwei Drittel der Wirtschaft in Afrika hängen von der Landwirtschaft ab. Uns bedroht der Klimawandel also unmittelbar“, erklärt Sadondo, der in Durban auf die Lage seiner Generation aufmerksam machte.

Zugleich gegen Klimawandel und Armut. „Wie Umweltschutz und die Bekämpfung von Armut – zwei wichtige Themen bei Rio+20 – vorangetrieben werden können, zeigt ein Projekt von Action 24 in Norton, einer Stadt etwa 40 Kilometer westlich von Harare. „Wir haben eine Farm für umweltfreundliche Pilzzucht gegründet und beschäftigen dort Jugendliche, die zuvor ohne Arbeit waren“, berichtet Sadondo.

Zwei weitere Projekte nutzen Solarenergie, um Brutkästen für Perlhuhneier zu beheizen oder den Druck in Tröpfchenbewässerungsanlagen für Gartenbauprojekte in Simbabwe zu regeln. „Es wird immer klarer, dass Technologie der Schlüssel ist, um den betroffenen Ländern weltweit die Anpassung an den Klimawandel zu ermöglichen“, sagt Sadondo.

In Rio werden Experten und Politiker darüber beraten, wie vor allem in ärmeren Ländern die Bevölkerung auf nachhaltige Weise Zugang zu medizinischer Versorgung, Wasser, Energie, Bildung und Nahrung erlangen kann. Viele Projekte weltweit zeigen, was bereits heute umsetzbar ist: Im indischen Kalwa etwa recycelt eine Planzenkläranlage die Abwässer des dortigen Siemens-Produktionsstandortes. Damit werden pro Jahr zwölf Millionen Liter Wasser und Frischwasserkosten von bis zu 4.500 Euro gespart. Hybridbusse und fahrerlose U-Bahnen tragen in etlichen Großstädten dazu bei, Staus auf den Straßen zu reduzieren und die Menschen schnell und umweltfreundlich an ihre Arbeitsplätze zu bringen. Windturbinen und effiziente Gasturbinenkraftwerke sorgen neben Solarkraftwerken bereits vielerorts für eine nachhaltige Energieversorgung. Selbst bei der Meerwasserentsalzung kann der üblicherweise hohe Energieverbrauch drastisch reduziert werden. Siemens-Forscher haben in Singapur eine Pilotanlage gebaut, die mit Hilfe von Membranen und elektrischen Feldern den Energieverbrauch halbiert.

Man muss die Optionen nutzen, die sich bereits jetzt bieten – da sind sich die jungen Afrikaner Fataar und Sadondo einig: „Siemens zeigt, dass es bereits viele Technologien gibt, die den Menschen eine bessere Lebensqualität ermöglichen.“ Dennoch: „Auch der Druck auf die Politiker, endlich verbindliche Verträge zu schließen, darf nicht nachlassen“, sagt Fataar.

Katrin Nikolaus