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Luft nach oben: Vier von zehn Menschen leben in Afrika in Städten. Umweltschutz spielt hier meist noch eine Nebenrolle.

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Grüne Städte auf dem schwarzen Kontinent

Auf keinem Kontinent wachsen Städte schneller als in Afrika: Binnen 20 Jahren hat sich dort die Zahl der Stadtbewohner verdoppelt. Wie die Metropolen damit umgehen, zeigt der African Green City Index.

Indikatoren für Afrika

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Strom: Stromverbrauch und wirtschaftliche Entwicklung hängen eng zusammen. Am meisten Strom wird in den nord- und südafrikanischen Städten verbraucht: 2.750 Kilowattstunden (kWh) sind es im Mittel pro Person und Jahr. In den Städten südlich der Sahara, wo vergleichsweise wenig Menschen an das Stromnetz angeschlossen sind, liegt dieser Wert bei nur 640 kWh.

Wasser: Der Pro-Kopf-Verbrauch in den untersuchten Städten liegt bei 187 Litern Wasser pro Tag. In Lateinamerika sind es 264, in Asien 278 Liter. Der Grund: Viele Menschen haben in Afrika keinen direkten Zugang zu Trink- und Leitungswasser, und die Wasserpreise sind hoch.

Bevölkerungsdichte: Städtische Zersiedelung ist in Afrika ein zentrales Problem. Am dichtesten besiedelt ist Kairo – hier leben im Schnitt 19.100 Menschen auf einem Quadratkilometer (km2). Ohne die ägyptische Hauptstadt fällt der Durchschnitt für die restlichen Städte von 4.600 auf 3.500 Menschen pro qkm. Zum Vergleich: In München leben 4.400 Menschen pro km2, in den Städten Asiens 8.200.

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Vier von zehn Menschen leben in Afrika in Städten, 2035 dürfte die 50-Prozent-Marke erreicht sein. Eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt ist Daressalam in Tansania – bis 2020 wird die Drei-Millionen-Metropole ihre Einwohnerzahl wohl verdoppeln. Mit einem solchen Wachstum würden auch Städte in der industrialisierten Welt schnell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen. In Afrika, wo es häufig an finanziellen und personellen Ressourcen mangelt, wird es zur besonderen Herausforderung, alle Einwohner mit Strom, Wasser und Wohnraum zu versorgen. So leben in Daressalam, Maputo, Lagos oder Luanda zwei Drittel der Einwohner in informellen Siedlungen. Das Thema Umweltschutz steht in den Städten nicht immer oben auf der Agenda. Nicholas You, Experte für nachhaltige Stadtentwicklung mit Sitz in Nairobi, meint jedoch: „Grüne Richtlinien sind in Afrika keinesfalls ein Nice-to-have, sondern sie entscheiden über die nachhaltige Entwicklung des Kontinents“.

Wo die spezifischen Herausforderungen, aber auch Stärken in punkto Nachhaltigkeit liegen, zeigt der African Green City Index, der anlässlich des Klimagipfels 2011 in Durban vorgestellt wurde. Im Auftrag von Siemens untersuchte die Economist Intelligence Unit 15 Metropolen auf dem Kontinent. Besonders gut schneiden die südafrikanischen Städte Durban, Johannesburg, Kapstadt und Pretoria ab, vor allem wegen ihrer relativ intensiven Umweltschutzbemühungen. Kapstadt hat einen Aktionsplan für Energie und Klimawandel ins Leben gerufen und 130 Einzelprojekte gestartet, die beispielsweise helfen sollen, den Stromverbrauch zu reduzieren. 300.000 solarbetriebene Wasserboiler sollen in den nächsten Jahren ins-talliert werden, und seit 2008 speist eine Windfarm saubere Energie ins landesweite Stromnetz. Bisher dominiert allerdings Kohle die Stromerzeugung in Südafrika.

Die Stärken und Schwächen der südafrikanischen Städte ähneln denen westlicher Metropolen: Abfallentsorgung und Zugang zu Trinkwasser können gewährleistet werden, während Strom- und Wasserverbrauch sowie die Abfallproduk-tion pro Kopf in die Höhe schnellen. Es geht künftig also vor allem darum, die verfügbaren Ressourcen effizienter zu nutzen, Alternativen zu fossilen Energieträgern zu finden und Recycling zu fördern.

Ähnlich gute Gesamtleistungen wie die südafrikanischen Städte zeigen Metropolen in Nordafrika: Alexandria, Casablanca, Kairo und Tunis. Nach Schätzungen von UN Habitat gelingt es ihnen, nahezu alle Haushalte mit Trinkwasser und Strom zu versorgen, und beim Verkehr vergleichsweise gut abzuschneiden. Allerdings besitzt Kairo als einzige der 15 untersuchten Städte eine U-Bahn.

Die Städte südlich der Sahara (Accra, Addis Abeba, Daressalam, Lagos, Luanda, Maputo und Nairobi) stehen vor umfangreichen Problemen: Ihre Bemühungen, zunächst die elementaren Bedürfnisse zu bewältigen, stehen einem langfristig ausgerichteten Ansatz entgegen, der den Umweltschutz einbeziehen könnte. Lagos zeigt allerdings, dass sich auch mit geringen finanziellen Mitteln etwas bewegen lässt: Bis vor kurzem war das Bild der Stadt von großen Müllbergen an den Straßenrändern geprägt. Eine neugegründete Behörde für Abfallmanagement nahm sich des Problems an: Heute werden etwa zehn Prozent des städtischen Abfalls wiederverwertet. Recyclinganlagen erzeugen täglich aus rund 30 Tonnen Plastikmüll Einkaufstüten oder ähnliche Produkte – und bis 2015 soll die Abfallverwertung noch einmal fast verdreifacht werden.

Nicole Elflein